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Kleintheater Luzern vor schwierigen Zeiten
Aus Kultur-Aktualität vom 09.09.2020.
abspielen. Laufzeit 03:41 Minuten.
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Corona-Regeln in der Kultur Jede Vorstellung ist ein Verlustgeschäft

Die Kulturbetriebe dürfen ihre Türen wieder öffnen. Aber nicht nur das Kleintheater Luzern steht vor einer ungewissen Zukunft.

Das Kleintheater Luzern ist seit über 50 Jahren eine Institution. Nun ist die neue Saison gestartet. Das Haus kann wegen Covid-19 nur mit halber Kraft funktionieren.

Damit steht es exemplarisch für zahlreiche kleinere Kultur-Institutionen im Land. Ihnen stehen Saisons voller Ungewissheiten bevor.

Nur die Hälfte aller Gäste

Sonja Eisl und Judith Rohrbach, die Leiterinnen des Kleintheaters, müssten eigentlich voller Freude sein, weil endlich wieder Leben in ihr Haus kommt.

Momentan sind sie jedoch ziemlich angespannt. «Wir haben viele Konzepte im Kopf entwickelt und wissen noch nicht, ob sie funktionieren und wie die Leute reagieren werden», erzählt Judith Rohrbach. Nach dem halben Jahr Stillstand freuen sich die zwei aber auch sehr, wieder Künstlerinnen, Künstler und Publikum im Haus zu haben.

Normalerweise bietet das Theater 220 Plätze – wegen der Abstandsregeln nun aber nur gut die Hälfte. Würden sie das Haus voll bestuhlen, müssten alle immer Masken tragen. Den Barbetrieb gäbe es nicht.

Viele Menschen sitzen in einem Saal an vielen kleinen Tischen und essen
Legende: Solche Bilder gibt es schon länger nicht mehr: Der bis auf den letzten Stuhl besetzte Saal des Luzern Kleintheaters. ZVG

Auf die Einnahmen der Bar sei man aber angewiesen, sagt Sonja Eisl. «Die Bar ist eine wichtige Querfinanzierung für uns. Komme dazu, dass im Kleintheater die Atmosphäre mit Konsumation im Theater eine lange Tradition habe: «Die Leute sind es gewohnt, ihr Getränk mit in den Saal nehmen zu können.»

Rote Zahlen bei jeder Aufführung

Wird die ganze Saison mit den aktuellen Corona-Regeln durchgeführt, werde das Loch in der Kasse immer grösser. Jede Vorstellung sei ein Defizit. Die Reserven wären spätestens bis Ende Mai – also Ende der Saison – aufgebraucht.

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Wie überleben Kulturbetriebe die Coronakrise?
Aus Kultur Webvideos vom 10.06.2020.
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Doch Prognosen zu machen sei eigentlich unmöglich, sagt Judith Rohrbach. «Wir wissen im Moment noch nicht genau, wie prekär die Situation sein wird, weil wir ganz viele verschiedene Budgets durchgerechnet haben und es drauf ankommt, wie lange diese Situation anhält.»

Ein paar Stellschrauben hätten die Leiterinnen des Kleintheaters Luzern noch: Man könnte die Bar schliessen, wieder alle Stühle in den Saal stellen, Maskenpflicht einführen oder die Ticketpreise erhöhen.

Ob das wirklich geht, stehe aber in den Sternen.

Niemand kann mehr planen

Oder man könnte den Staat nochmals um Unterstützung fragen. Für das vermasselte Ende der letzten Saison gab es 60’000 Franken, um Gagen und Löhne zu bezahlen.

Wobei das auch nicht wirklich viel gewesen sei – in Anbetracht eines Budgets von gut einer Million Franken dieses Jahr, wovon knapp die Hälfte der Mittel aus Subventionen kommt. Die Lage ist schwierig, aber man will nicht aufgeben. Wie lange das Geld reicht, das weiss man auch nicht. Und planen? Das kann man sowieso nicht.

«Es ist ähnlich wie überall im Moment, im Alltag und im Privatleben. Man kann auf keine Erfahrungswerte zurückgreifen. Bei uns im Kleintheater ist es unsere Verantwortung, dass wir diese Herausforderung annehmen und uns nicht allzu fest von Gefühlen leiten lassen», so Eisl.

Diese Woche wird im Parlament darüber debattiert, wieviele Covid-19-Hilfsgelder im nächsten Jahr an die Kultur verteilt werden. Egal, wie es ausgeht, für das Kleintheater geht es um die Existenz.

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Anderer Schauplatz: Theater mit Distanz im Theater Rigiblick
Aus Kulturplatz vom 10.06.2020.
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Judith Rohrbach geht davon aus, dass es allen solchen Häusern im Land so ergeht. «Wir werden alle zusammen nicht überleben können, wenn das weiter als diese Saison so dauern wird. Da muss die Politik Lösungen finden, das ist ganz klar.»

Sendung: Radio SRF2 Kultur, Kultur Aktuell, 9.9.2020, 08:05 Uhr;

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