«Die Gottesanbeterin» - Anna Papst schreibt fürs Schauspielhaus

Anna Papst hat sich als Regisseurin einen Namen gemacht – nun hat sie mit «Die Gottesanbeterin» ihr erstes Theaterstück fürs Schauspielhaus Zürich geschrieben. Darin prallen unterschiedliche Perspektiven über den Glauben aufeinander. Premiere der Uraufführung ist am 11. März.

Portrait von Frau

Bildlegende: Anstoss für Anna Papsts Stück «Die Gottesanbeterin» war ein persönliches Erlebnis. Zürcher Schauspielhaus

Glaube und Religion stehen im Theater derzeit hoch im Kurs: Sowohl das Schauspielhaus Zürich wie auch das Theater Basel haben ihre Spielzeit mit grossen Bibelprojekten begonnen und das St. Galler Theater bringt «Moses – die zehn Gebote» sogar als Musical auf die Bühne. Doch es ist nicht nur der (Rück-)Bezug auf alte Texte wie die Bibel, die Theaterschaffende derzeit zu reizen scheint, sondern es entstehen auch neue Theaterstücke, die sich mit dem Glauben in unserer Zeit befassen.

Erleuchtung oder Psychose?

Anstoss für ihr Stück «Die Gottesanbeterin» war ein persönliches Erlebnis, erzählt Anna Papst: «Eine Freundin hat sich in ihrem Glauben radikalisiert und ist gleichzeitig in eine Krise gefallen. Und während die Ärzte versuchten, ihr klar zu machen, dass ihre Erleuchtung in Wahrheit die manische Phase einer bipolaren Krankheit ist, betete ihre Glaubensgemeinde an ihrem Krankenbett, dass Gott die Dämonen von ihr nehme.»

Anna Papst bezieht als Autorin in ihrem Stück bewusst nicht Partei. Wie in der Realität lässt sie unterschiedliche Welten aufeinanderprallen, beziehungsweise nebeneinander existieren. Die Lehrerin Rita verliert ihren Job, weil sie mit ihren Schülern betet. Gleichzeitig diagnostiziert ein befreundeter Psychiater bei ihr eine Psychose – und seine Partnerin ist davon überzeugt, dass Rita sie durch ihre übermenschlichen Kräfte vom Krebs geheilt hat.

Steile Karriere

Nach einem angefangenen Germanistik- und Ethnologiestudium, das sie immer öfter für Regieassistenzen am Theater Basel unterbrach, studierte Anna Papst an der Züricher Hochschule der Künste Regie. Mit ihrer Abschlussarbeit «Die Schläferinnen», die sie am Theater Neumarkt zeigen konnte, fiel sie schon weit über die Schule hinaus auf. Damals war sie noch als Autorin und Regisseurin verantwortlich, hat sich aber danach entschieden, diese beiden Arbeiten, das Schreiben und das Inszenieren, zu trennen. Das gäbe beiden – der Autorin wie der Regisseurin – mehr Freiheit, sagt Papst.

Anna Papst beeindruckt in ihrer Ernsthaftigkeit und der Selbstverständlichkeit, mit der sie auf ihre Karriere zurückblickt. Sie sei einfach froh, um jede gute Arbeitsmöglichkeit. Ob dies dann mit ihrer eigenen freien Gruppe «papst&co» ist – oder eben als Autorin fürs Zürcher Schauspielhaus, da macht sie gar keine grossen Unterschiede. «Wichtig sind am Theater immer die Menschen, mit denen man zu tun hat. Und da habe ich das Glück, sowohl am Schauspielhaus wie in der freien Szene, auf Kolleginnen und Kollegen zu treffen, die mich inspirieren und denen es in der Arbeit um das Engagement für die Sache geht.»

Wie spielt man Glauben?

Die Uraufführung in Zürich inszeniert der Regisseur Jörg Schwahlen. Seine Aufgabe ist keine leichte, denn: Wie findet man eine angemessene theatrale Umsetzung für eine Predigt? Wie stellt man auf der Bühne, wo es doch meistens um ein «So-Tun-als-ob» geht, gläubige Menschen dar? Wie betet man im Theater?

Anna Papst interessieren die Gemeinsamkeiten von Theater und Glaube. «Beide leben von einer grossen Performativität. Für mich haben sowohl Theater wie Glaube viel mit Ritualen zu tun. Da sind sich diese beiden Medien sehr nahe.» Ausserdem bilde sich sowohl im Theater wie in der Kirche immer eine Gemeinschaft, die zusammen etwas erlebe: sei dies ein Drama auf der Bühne oder ein Gottesdienst. «Die gemeinsame Präsenz von Publikum/Gläubigen und Schauspielern/Predigern ist in der Kirche wie im Theater zentral.»

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