Die Impronauten – seit zehn Jahren dem Publikum ausgeliefert

Was für manche Schauspieler ein Horrorszenario ist, macht für die Impronauten den Reiz aus: Seit zehn Jahren stehen sie auf der Bühne und wissen nicht, was als nächstes geschieht. Sie entwickeln ihre Geschichten spontan – mit Hilfe des Publikums und der eigenen Fantasie.

Neun fröhliche Menschen machen einen Luftsprung.

Bildlegende: Neun Köpfe voller Fantasien: Die Impronauten entwickeln ihre Geschichten live vor Publikum. zvg/foto-werk

«Versuche nicht, originell zu sein», laute eine wichtige Regel im Improvisationstheater. Die Aussage von Johanna Löffel, Mitglied der Impronauten, macht stutzig: Keine Originalität im improvisierten Theater? Gerade davon scheint es ja zu leben. Denn Drehbuch und Manuskript gibt es nicht, Requisiten fehlen ebenfalls.

Was bleibt, sind Schauspieler und Publikum. Letzteres liefert ein Stichwort – und die Schauspieler müssen spontan darauf reagieren: Blitzschnell eine Geschichte spinnen, möglichst witzig, möglichst kreativ.


Live-Improvisation zum Thema «Marslandung»

3:02 min, aus Kultur kompakt vom 05.06.2013

Eine Variante davon: Das Publikum gibt ein Thema vor, und die Impronauten spinnen eine Geschichte streng dem Alphabet nach. Für SRF 2 Kultur haben die drei Impronauten Johanna Löffel, Barbara Deubelbeiss und Adrian Moor live zum Stichwort «Marslandung» improvisiert.

Diese Art von Spontantheater machen die Impronauten seit zehn Jahren: Begonnen auf kleineren Bühnen im Raum Basel, hat sich die Truppe in der Impro-Szene rasch einen Namen gemacht. Mittlerweile treten sie auch im Ausland auf, in Berlin, Köln und sogar auf Mallorca. Ihre Heimat aber bleibt Basel: Hier sind sie jeden Monat im Kleinkunst-Theater Fauteuil zu sehen.

«Wenn es ein Fisch ist, nimm den Fisch»

Drei junge Menschen stehen vor einer Glaswand, dahinter ist ein Mann am Computer zu sehen.

Bildlegende: Barbara Deubelbeiss (links), Johanna Löffel und Adrian Moor im SRF Studio Basel. SRF/Christian Gebhard

Die Impronauten sind also längst alte Hasen im Geschäft. Trotzdem: Geübt wird jede Woche, denn auch Spontaneität will gelernt sein. «Improvisation kann man lernen», sagt Johanna Löffel. «Wichtig ist dabei, seine Ideen nicht zu blockieren: Nimm, was dir am ersten Moment in den Sinn kommt. Wenn es ein Fisch ist, nimm den Fisch – und wenn es ein Heuschopf ist, dann ist es der Heuschopf.»

Blackouts sind da natürlich vorprogrammiert: «Diese gehören zum Improvisationstheater dazu», sagt Adrian Moor. «Es gibt ja ein Netz: Einerseits die Schauspieler-Kollegen auf der Bühne – man entwickelt die Geschichte ja gemeinsam – andererseits das Publikum. Dieses hilft oft mit und flüstert uns etwas zu.»

«Rampensäue» mit Theaterfieber


Drei Impronauten im Gespräch

4:26 min, aus Kultur kompakt vom 05.06.2013

Die neun Impronauten kommen aus ganz unterschiedlichen Berufsfeldern: Adrian Moor ist Jugendarbeiter, Johanna Löffel hat eine Schauspielausbildung und Barbara Deubelbeiss arbeitet als Sekretärin.

Viele der Mitglieder sassen einst selbst im Publikum – und wurden vom Theaterfieber gepackt. «Es sind alles Leute, die gerne auf der Bühne stehen», sagt die Impronautin Johanna Löffel. «Rampensäue eben.»