Eugénie Rebetez: frech, witzig und charmant in ihrem neuen Stück

Als erste Tänzerin und Choreografin überhaupt hat Eugénie Rebetez Anfang 2013 den «Schweizer KleinKunstPreis» erhalten. Jetzt feierte ihr neues Stück «Encore» in der Gessnerallee Premiere. Und Rebetez knüpft damit an den Erfolg ihres ersten Solostücks «Gina» an.

Die Tänzerin Eugénie Rebetez blickt provozierend in die Kamera, die rechte Hand zur Faust geballt.

Bildlegende: Tänzerin Eugénie Rebetez knüpft in ihrem neuen Stück «Encore» an ihren Erfolg an. Augustin Rebetez

Das erste Mal fiel Eugenie Rebetez im Stück «Öper öpis» von Zimmermann & de Perrot auf: Eine eigenwillige junge Frau, etwas füllig, die sich zusammen mit anderen kauzigen Wesen auf einer schiefen Ebene bewegte. Und wie sie sich bewegte! Mit ihrem unglaublich agilen und durchtrainierten Körper liess sie in einem frechen roten Minirock lachend ihre kräftigen Oberschenkel aneinander klatschen.

Das war 2008. Zwei Jahre später präsentierte sich die damals 25-jährige Jurassierin mit einem eigenen Solostück. Mit «Gina» – einer exzessiven Frauenfigur – spielte, tanzte und sang sie sich in die Herzen eines breiten Publikums. Sie ging auf internationale Tournee und wurde in der Schweiz und im Ausland berühmt.

Sprühender Charakter und reflektierte Künstlerin

Jetzt hat sie den «Schweizer KleinKunstPreis» 2013 bekommen, als erste Tänzerin und Choreografin überhaupt. Dies freut Rebetez, die Auszeichnung ist für sie eine Bestätigung, dass sie bislang Vieles richtig gemacht hat.

Wer mit ihr spricht, merkt schnell, dass einem da nicht nur ein kreativ sprühender Charakter gegenübersitzt, der gerne lacht, sondern auch eine reflektierte Künstlerin. Choreografie und Spiel sind ein ihr vertrautes Terrain, doch sie schreibt auch die Texte zu ihren Stücken selber.

Zwischen Pop und anspruchsvoller Kunst

Rebetez geht den Dingen auf den Grund und verfolgt mit wachem Geist, was andere Kunstschaffende tun und lassen. Dabei geht sie ihren ureigenen Weg: zwischen eingängigem Pop und anspruchsvoller Kunst, zwischen gesundem Zweifel und Selbstbewusstsein. Darum hat sie sich für ihr zweites Stück «Encore» so viel Zeit gelassen. Ein Stück selber zu kreieren, sei halt schwierig, sagt sie .

Obwohl sie in «Gina» rappt, Trompete bläst und richtig gut und lustig Theater spielt, ist sie doch in erster Linie Tänzerin. Sie beherrscht die akademischen Techniken, hat Ballett sowie zeitgenössische Formen studiert.

Studium fern der Heimat

Schon früh stand fest, dass sie auf die Bühne wollte. Weil es jedoch damals in der Schweiz noch keine Möglichkeit gab, gleichzeitig die Matura und eine professionelle Tanzausbildung zu machen, ging sie mit 15 an ein belgisches Gymnasium mit ebendiesem Angebot. Leicht war das sicher nicht für jemanden, der so stark mit der Familie und in der Landschaft des Jura verwurzelt ist wie sie.

Frau mit Mikrophon

Bildlegende: Für ihr zweites Stück «Encore» hat Eugénie Rebetez mit einem Coach an ihrer Stimme gearbeitet. Augustin Rebetez

Nach ihrem Diplom an der Tanzhochschule in Arnhem tauchte sie in die lebendige Tanzszene Brüssels ein. Allerdings war sie dort nicht die einzige, die nach einem Engagement Ausschau hielt. Während dieser Zeit suchte sie noch nach ihrem eigenen Profil. Erst als sie auf Regissuere Zimmermann & de Perrot traf, machte es bei ihr «klick».

Tänzerin mit feinem Sinn fürs Musikalische

Sie inszenierten Rebetez als Figur: «Gina» ist ein einmaliges und urchiges Wesen, ist gleichzeitigeine Erfindung und  als auch ein Teil von Rebetez. Diese hat das Zeug zur Clownin, probiert und scheitert und macht doch unverdrossen weiter. Dabei schlägt Gina auch mal über die Stränge, bezirzt mit schamlosem Charme und trällert sich - manchmal nahe am Abgrund - durch den Abend.

Rebetez‘ Choreografien sind eigentliche Partituren. Die Tänzerin hat einen feinen Sinn für das Musikalische, für Rhythmus und Timing. Für ihr zweites Stück «Encore» hat sie mit einem Coach an ihrer Stimme gearbeitet. Diese ist, genauso wie ihr Körper, ein Instrument, dem sie die verschiedensten Gefühlsregister zu entlocken vermag.

In der Stimme, sagt sie, würden extrem viele Emotionen liegen. Sie sei viel stärker als die konkrete Sprache.

 Im neuen Stück beweist sie dies gleich mehrfach. Aus der simplen Wortabfolge «oui, oui, non, non» lässt sie durch verschiedene Betonungen und Tonhöhen ein dramatisches Schauspiel entstehen, bis sie schliesslich in den Gesang fällt und einen Blues intoniert – yeah!