«Flüchtlinge sind eine Bereicherung»

In Hamburg stehen in Elfriede Jelineks «Die Schutzbefohlenen» nicht nur Schauspieler auf der Bühne, sondern auch Flüchtlinge. Die Idee dazu hatte Theaterregisseur Nicolas Stemann. Mit seiner Inszenierung macht er auf Flüchtlingsschicksale aufmerksam. Dabei soll es aber nicht bleiben.

Auch er habe zu Beginn seiner Zusammenarbeit mit den Flüchtlingen nicht gewusst, dass diese Arbeit so positiv sein würde, sagt Nicolas Stemann. Menschen hätten zunächst immer einmal Angst vor Dingen, die sie nicht kennen. «Ich denke aber, wenn das im Theater klappt, warum sollte das nicht auf breiterer gesellschaftlicher Ebene auch möglich sein?», so der Theaterregisseur.

Die europäische Abschottungspolitik zeuge für ihn von einer grossen Fantasielosigkeit. Da laufe etwas ganz grundsätzlich schief. «Dass das mit der Abschottung kein adäquates Mittel ist, merkt man immer in dem Moment, wenn es zu viele Bilder gibt von zu vielen Toten», sagt der Theaterregisseur. Dann vergiesse die Politik zwar ein paar Krokodilstränen, aber es ändere sich nichts.

Um die Situation in der Herkunftsländern der Menschen zu verbessern, wie so oft beschworen, müsse man «tatsächlich mal grosse Konzerne in die Pflicht nehmen, die Bodenschätze ausbeuten. Da müsste man Spekulationen mit Nahrungsmitteln eindämmen. Da gäbe es verschiedene Sachen, die man machen müsste, aber das liefe letztendlich auf eine Abschaffung der Politiker selber hinaus, daher wird an den Ursachen gar nichts gemacht.»

«Menschen wollen solidarisch sein»

Menschen hätten aber generell mehr Fähigkeit zur Solidarität, als ihnen im Moment zugetraut werde. Im Moment werde eine Politik betrieben, die bei den Menschen Angst hervorrufe, Angst vor Abstieg, Angst Geld zu verlieren, ihren Job zu verlieren.

Das führe dazu, dass eher die Ängste und der Abgrenzungswille in den Menschen hervortue. «Menschen wollen aber eigentlich solidarisch sein, Menschen wollen einander helfen. Ich glaube die Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden, dass diese Hilfe dann auch geleistet werden kann», sagt Nicolas Stemann.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei 3sat.de.

Das Theaterstück

Elfriede Jelineks Stück «Die Schutzbefohlenen» verwebt Flüchtlingsschicksale mit dem antiken Drama «Die Schutzflehenden» des Aischylos und Texten aus Zuwanderungsbroschüren des österreichischen Innenministeriums zu einem Flüchtlingsklage-Chor.