In Solothurn fehlt dem Theater das Theater

Der Bau wird endlich saniert, wie es den Häusern in Bern und Baden noch bevorsteht. Ohne eigenes Dach über dem Kopf geht das Ensemble in Solothurn auf Wanderschaft in der eigenen Stadt.

Mitten in der Altstadt, auf dem Zeughausplatz, eröffnet das Theater Biel-Solothurn seine diesjährige Schauspielsaison: Da das Mutterhaus, das schmucke Barocktheater in der Theatergasse, saniert wird, musste sich das Theater für seine Inszenierungen alternative Spielorte suchen.

Diese hat es im Kunstmuseum, im Restaurant Kreuz und in der Rythalle gefunden, für die Openair-Eröffnung spielt das Theater sogar mitten in der Altstadt, auf dem Zeughausplatz.

Wandertheater in der eigenen Stadt

Während einer ganzen Saison ein Theater ohne eigenes Haus zu sein, sei eine grosse Herausforderung, sagt Schauspieldirektorin Katharina Rupp. Sie versuche aber in diesem Umstand auch eine Chance zu sehen: «Wir sind ständig ‹on the road›, das ist sehr aufwändig. Andererseits haben wir auch die Möglichkeit, das ganze Jahr über eine Art Festival an verschiedenen Orten in der Stadt zu veranstalten und damit vielleicht auch neue Publikumsschichten anzusprechen».

Die Renaissancefassade des Zeughauses in Solothurn gibt eine wunderbare Kulisse ab. Mit der vorgebauten Holzbühne und der Zuschauertribüne ergibt sich ein konzentrierter Spielort, der, obwohl er mitten in der Altstadt ist, nicht stört. Katharina Rupp: «Wir brauchten natürlich eine Spielgenehmigung, denn eigentlich veranstalten wir hier ja eine Nachtruhestörung…»

Die Protagonistin ist Shakespeares Sprachkunst

Das alte Zeughaus wird in Solothurn zum Hof von Leonato, dem Gouverneur von Messina, wo die Komödie «Viel Lärm um Nichts» spielt. Im Zentrum stehen zwei Liebespaare, die durch Intrigen zueinander-, beziehungsweise auseinandergebracht werden sollen. Hero und Claudio lieben sich und wollen heiraten – bis Claudio von einem Widersacher in einer inszenierten Täuschung weisgemacht wird, dass Hero ihn betrügt.

Ganz anders Beatrice und Benedikt: Sie keifen, wo sie können, treiben einander dabei zu rhetorischen Glanzleistungen an und behaupten so resolut wie wortreich, dass eine Heirat für sie nie in Frage kommen werde. Für Figuren, die vor mehr als 400 Jahren erfunden wurden, durchaus eine bemerkenswerte Positionierung.

Shakespeare ist einer der genialsten Spracherfinder der Weltliteratur. Dem Ensemble macht es sichtbar Spass, sich seine Worte einzuverleiben und sich einen über die zweieinhalb Stunden fast nie abbrechenden rhetorischen und szenischen Schlagabtausch zu liefern. Gespielt wird nach der deutschen Übersetzung von Frank Günther, die diese Spiellust durch ihre direkte, pralle Sprache gut unterstützt. Dabei geht inhaltlich der grösste Teil der Spielenergie in die Komödienstruktur des Plots, das Spiel im Spiel, Pointen, Maskerade.

Gutgelauntes Sommerspektakel

Es wird gross angerichtet in Solothurn. Das Freilichtspiel verlangt nach einer Extrovertiertheit und Bodenhaftung, die im geschlossenen Theaterraum wesentlich differenziertere Züge annehmen kann.

Sie müsse die Inszenierung für den Transport nach Biel auch teilweise uminszenieren, erklärt Katharina Rupp, und die Produktion auf die Gegebenheiten der kleineren Bühnensituation in Biel anpassen: «Das bedeutet auch fürs Ensemble, dass es sich dann wieder auf etwas anderes einstellen muss. Ob man draussen oder im konzentrierten Theaterraum spielt, ist ein grosser Unterschied.» Wer auf Wanderschaft ist, muss flexibel sein.

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