Slam-Poetry goes Emil Steinberger

Gabriel Vetter ist mit Emil-Kassetten aufgewachsen. Er konnte sie alle auswendig und hat damit seine Schulfreunde zuerst zum Lachen, dann zur Verzweiflung gebracht. Aus Dank (oder Rache) hat Gabriel Vetter Emils «Chileli vo Wasse» virtuos verslamt.

Emil macht eine Geste des Dankes zu Gabriel Vetter

Bildlegende: Der Meister (Emil, rechts) dankt dem Schüler (Gabriel Vetter, links). E.T. Studhalter

Die eine oder andere Emil-Nummer kennt wohl jeder. Der Slam-Poet Gabriel Vetter ist so ein grosser Emil-Fan, dass er nicht nur Emils «Chileli vo Wasse» auswendig kann, sondern sogar weiterverarbeitet: «Dr chli Flupsiger». Damit ist ihm eine lohnenswerte Respektlosigkeit zum baldigen 80. Geburtstag des Meisters gelungen.

Emil weiss jetzt, wer Vetter ist

In der Gästeschar, die am 6. Januar 2008 in einer Spezial-Ausgabe der Talkshow «Persönlich» Emil Steinberger zum 75. Geburtstag gratuliert, ist Vetter der grosse Unbekannte. «Kenn i nid, kenn i nid», flüstert der Jubilar der Moderatorin zu. Gut vier Minuten später ist Emil begeistert: «Super schön!»

Als sich Emil Steinberger 1993 für sechs Jahre nach New York absetzt, ist Gabriel Vetter Drittklässler. Er ist bekennender Fan von Emil und David Hasselhoff – sein eigenes Bühnen-Debüt ist noch 10 Jahre entfernt. Das eher spontane Debüt ist ein fulminanter Auftritt an einem Poetry-Slam in Schaffhausen: Gabriel Vetter geht als gefeierter Sieger nach Hause.

Vetter macht den Poetry-Slam politisch

Gabriel Vetter sitzt an einem Tisch und greift sich an die Stirn

Bildlegende: Gabriel Vetter hat den Emil im Kopf. Keystone

Die Vortragskunst von Gabriel Vetter ist virtuos: Er beherrscht das Spiel mit Rhythmen, Reimen und Refrains und wettert hemmungslos gegen die Verlogenheiten unserer Wohlstandsgesellschaft. 2006 erhält Gabriel Vetter als bisher jüngster Preisträger den Salzburger Stier und katapultiert damit nicht nur sich selber, sondern die ganze Slam-Poetry in einen neuen Zusammenhang – jenen des politischen Kabaretts.

Gabriel Vetter, der zurzeit Hausautor am Theater Basel ist, macht keinen Hehl daraus, dass ohne Emil vielleicht «alles ganz anders herausgekommen wäre». Auch wenn sich das Temperament der beiden nicht deutlicher unterscheiden könnte, an Emil hat Gabriel Vetter die Regeln der komischen Kunst studiert. Es liegt also auf der Hand, in «Dr chli Flupsiger im Schilager am Emil imitiere» autobiografische Züge zu vermuten.

Respektlose Hommage an den Meister Emil

«Dr chli Flupsiger» ist eine respektlose Hommage: Ein schusseliger Primarschüler drangsaliert am Schlussabend des Skilagers alle mit seinem ewigen Emil-Refrain «Regardez la l’église.» Obwohl die ganze Klasse dagegen ansingt und der kleine Flupsiger die Nacht im Skiraum verbringen muss – gegen diesen Kabarett-Klassiker ist kein Kraut gewachsen. Gleicher Meinung war auch das Publikum an Emils 75. Geburtstag vor fünf Jahren: Es beklatschte Vetters doppelbödige Hommage frenetisch.

Emil lacht!

Zu seinem 80. Geburtstag.

5. Januar 13, 20.10 Uhr, SRF 1