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Bühne Sprachlust steht auf der Künstlerbörse hoch im Kurs

Die Schweizer Künstlerbörse in Thun überrascht einmal mehr mit neuen Namen. Auch die grossen Virtuosen der alten Schule ernten viel Applaus. Doch nicht jeder, der hier lautstark beklatscht wird, kann mit neuen Aufträgen rechnen. Die Veranstalter von Kleinkunst scheinen derzeit etwas mutlos.

Jedes Jahr im April stürmen neugierige Liebhaber der Kleinkunst drei Tage lang den Thuner Schadausaal. Hier treten Vertreter aus allen Sparten der Kleinkunst auf, darunter auch die grossen Virtuosen alter Schule. So beispielsweise der deutsche Poet und Liedermacher Christof Stählin, der auch 2014 mit einer literarischen Beobachtungsintelligenz brillierte, wie man sie auf Kleinkunstbühnen kaum noch antrifft.

Schlagfertigkeit als Bühneneffekt

Wie Christof Stählin, ist auch der brachiale Schnellsprecher Jochen Malmsheimer eine Vaterfigur aller nachrückenden Wortkünstler-Generationen. Bei seinem Auftritt in Thun provozierte er, der bekennende Radiofan, die Lacher unter anderem mit unmissverständlichen Aussagen zur heutigen Radiokultur. Der dritte im Bunde dieser Überväter ist Thomas C. Breuer, der frisch gekürte Preisträger des Salzburger Stiers 2014. Im knallroten Anzug und mit satirischer Schärfe prophezeite er dem anwesenden Publikum und Schweizer Stimmvolk unter anderem eine dramatische «Unterfremdung».

Aber auch neue Gesichter und Namen sind an der Künstlerbörse zu entdecken. Beispielsweise die Wahlberlinerin Mia Pittroff. Sie gewann 2012 den Nachwuchspreis «Oltner Sprungfeder» und hat sich seither in Deutschland fest etabliert als bauernschlaue Texterin aus Oberfranken. In Thun hat sie glänzend bewiesen, dass ihr Humor auch in der Schweiz einschlägt.

Mit geradezu tosendem Applaus wurde der junge Killian Ziegler belohnt. Der 2012 noch etwas unsichere Teilnehmer des ersten Oltner Kabarett-Castings hat künstlerische Quantensprünge hinter sich. Er begeisterte das Publikum in Thun mit ausgereiften Ausschnitten aus seinem Bühnenerstling «The Phantom of the Apéro». Killian Ziegler kann, zusammen mit seinem Pianisten Samuel Blatter, tatsächlich als die Entdeckung des Jahres 2014 bezeichnet werden. Ein Wortspielvirtuose ganz neuen Stils fordert hier seinen Platz auf der Schweizer Kleinkunstbühne ein.

Gute Darsteller, mutlose Veranstalter?

Auf Wort und Musik setzt auch das neu gegründete Duo Meister Trauffer. Der Dramatiker und Spoken-Word-Künstler Gerhard Meister gewann vor 14 Jahren zusammen mit Andres Lutz den Salzburger Stier. Sein Duo damals hiess «Geholte Stühle» und bestand sieben Jahre lang. Für Meister Trauffer hat sich Meister jetzt vielversprechend mit der Kontrabassistin, Sopranistin und Bühnenmusikerin Anna Trauffer zusammengetan. Mit Berner Understatement serviert er skurrile Texte aus eigener Feder. Die originellen musikalischen Einlagen von Trauffer, beispielsweise ein schräger Matthäus-Passion-Verschnitt, machten den Auftritt zu einem Höhepunkt der Schweizer Künstlerbörse in Thun 2014.

Erstaunlicherweise erfährt man beispielsweise von Christof Stählin, dass sein Thuner Auftritt kaum neue Engagements nach sich zog, obwohl sich die anwesenden Vertreter der Agenturen hingerissen zeigten. Hier sei die leise Frage erlaubt, ob unter Veranstaltern nicht etwa eine gewisse Mutlosigkeit herrscht – paradoxerweise trotz persönlicher Begeisterung.

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