Wenn der Vorhang für immer fällt: Italiens Theater in Geldnot

Italiens privatfinanzierte Bühnen machen schwere Zeiten durch. Der Staat kürzt im Kulturbereich, Opernhäuser und Sprechbühnen müssen sparen oder gar schliessen. Die Hoffnung ruht auf Investoren und Sponsoren – doch auch die ist trügerisch.

Der Innenraum der Scala, mit riesigem Kronleuchter.

Bildlegende: Die Scala in Mailand ist weltberühmt. Auch sie wird durch private Investoren mitfinanziert. Keystone

Die Staatsoper Rom ist in den Genuss eines neuen italienischen Gesetzes gekommen. Das «Legge Bray» lässt verschuldeten staatlichen Theatern Finanzmittel zukommen – allerdings nur, wenn diese einen Sanierungsplan vorweisen können. Jener der Oper hat das Kulturministerium überzeugt. Obwohl sie mit 40 Mio. Euro verschuldet war, konnte ihre Schliessung verhindert werden.

Eingang Theater

Bildlegende: Eine Institution. Aber eine, die vor dem Konkurs stand: das Teatro Eliseo in Rom. Wikimedia/LPLT

Was eine echte Hilfe für staatliche Theater ist, lässt viele private Institutionen vor dem Abgrund stehen. Bis 2014 waren sie noch über den Theaterfonds des Kulturministeriums (FUS) finanziert worden. Diesen hat das «Legge Bray» ersetzt.

Gelingt es privaten Theatern nicht, Sponsoren zu finden, bleiben nur drei Möglichkeiten: 1. eine Kürzung der Spielzeiten, 2. ein Spielplan, der weniger experimentell, dafür aber populärer ist, um mehr Publikum anzulocken, 3. die Schliessung.

Schauspieler rettet das Eliseo

Der Fall des römischen Schauspielhauses Teatro Eliseo ist emblematisch für Italiens Theaterkrise. 1900 gegründet, ist es eine der wichtigsten Bühnen der Hauptstadt. Auf ihren Brettern traten die ganz grossen Namen des italienischen Theaters auf: Anna Magnani, Monica Vitti oder auch Giorgio Albertazzi. Lucchino Visconti debütierte hier.

Luca Barbareschi.

Bildlegende: Luca Barbareschi, Retter des Teatro Eliseo. Andere private Theater können nicht mit solchen Gönnern rechnen. Wikimedia/Valentina Calabrese

Mitte 2014 standen die privaten Eigentümer vor der Pleite und wollten das Haus schliessen. Monatelang demonstrierten Angestellte, Schauspieler, Intellektuelle und Bürger gegen das Aus des Eliseo.

Dann kaufte der römische Schauspieler Luca Barbareschi das Eliseo für 4,5 Mio. Euro. Mit Hilfe einer Ko-Finanzierung befreundeter Bankiers renovierte er das Theater in Rekordzeit und eröffnete es wieder. Auf dem Spielplan stehen 30 Titel.

Private und Sponsoren kaum Heilsbringer

Ein Modell für Italien kann die Rettung des Teatro Eliseo nicht werden. Schauspieler und Regisseure sind selten reich genug, um ein ganzes Theater aufzukaufen. Auch verfügen wohl nur wenige über so ausgezeichnete Beziehungen zur Finanzwelt wie Barbareschi – Beziehungen, die dieser in seiner Zeit als Abgeordneter für Berlusconis Partei Forza Italia knüpfen konnte.

Auch Sponsoren werden kaum für finanzielle Rettungen sorgen. Solche Ausgaben von der Steuer abzusetzen, ist in Italien deutlich zu kompliziert. Der eine oder andere Vorhang wird fallen – für immer.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktuell, 5. 11. 2015, 16:45 Uhr