Die fünf Musik-Höhepunkte 2015

2015 klingt langsam aus. Musikalisch hatte das Jahr einiges auf Lager. Unter den Höhepunkten: ein Schweizer Komponist, ein Bassist in neonfarbenem Gewand und eine NGO mit musikalischer Botschaft.

Ein Mann mit Kopfhörern von hinten.

Bildlegende: Auch das Jahr 2015 hatte Musik auf Lager, die den Ohren gut tut. Flickr / Rafael Castillo

    • 1.
      Christian Scott aTunde Adjuah: «Stretch Music»

      Seine exzentrischen Instrumente (die Sirenette etwa, eine eingeschmolzene Trompete) und die fantasievollen Zusatznamen aTunde und Adjuah könnten fast vom Wesentlichen ablenken: Christian Scott, der junge Trompeter aus New Orleans, gehört zu den innovativsten seiner Zunft. Dafür spricht seine «Stretch Music». Und die gleichzeitige Veröffentlichung des Albums als App, bei der man jeden der Musiker «muten» kann – und selber mitspielen. Das hat es so noch nie gegeben. (Jodok Hess)

    • 2.
      Vivaldi: Concertos for 4 Violins, gespielt vom Ensemble 415

      Das Ensemble 415 gibt es nicht mehr. Das ist schade. Aber was für ein Glück, dass es zahlreiche Aufnahmen aus seinen grossen Zeiten gibt, die jetzt aus dem Back-Katalog hervorgeholt und äusserlich ein bisschen anders gestaltet von Alpha wieder auf den Markt gebracht werden. Darunter sind auch die Concerti für 4 Violinen von Antonio Vivaldi. Chiara Banchini, die Geigerin und Leiterin des Ensembles, hat sich immer für einen gesungenen Vivaldi stark gemacht. Nicht das (hohe) Tempo ist wichtig, sondern die Linie, der Gesang. Und hier, bei diesen Concerti, auch der Dialog unter den vier Sologeigen, die mal mit-, mal gegeneinander sind, sich ins Wort fallen oder sich imitieren, aber bei aller quirligen Lebendigkeit doch verblüffend eins sind und dieselbe Sprache sprechen. (Gabriela Kägi)

    • 3.
      MonoNeon
      MonoNeon spielt Bass.

      Bildlegende: MonoNeon: musikalische Exzellenz in Neon. Screenshot Youtube

      Dywane MonoNeon Thomas Jr. ist ein amerikanischer Jazz und R'n'B-Bassist mit sehr viel Talent und mit einem immensen künstlerischen Output. Seine Spezialität: Er trägt neongelbe Kleidung, ist vermummt und mogelt sich mit seinem Bass via Youtube in bereits bestehende Musik oder Videos. Im diesem Video gesellt er sich zu zwei Grossen des Jazz: Dave Liebman und Brian Blade, die miteinander frei improvisieren. (Roman Hosek)

    • 4.
      RESCEU
      Menschen demonstrieren mit Plakaten.

      Bildlegende: Die Botschaft von RESCEU: Die Hilfsbedürftigen sind die Europäer. Resceu

      Eine ganz normale NGO? Nur auf den ersten Blick. Denn hilfsbedürftig ist hier nicht Afrika, sondern Europa. Köstlich, wie die satirische Kampagne der FOKN Bois mit Entwicklungshilfe-Klischees spielt. Über ein Video suchen die beiden Pidgin-Rapper freiwillige Helfer in Ghana – in den Fächern Liebe, Mitgefühl und Geselligkeit braucht Europa nämlich dringend Nachhilfe. Rapper Wanlov sieht erste Erfolge: «Wir haben bereits eine Vorhut von Zehntausenden über das Mittelmeer und die Balkan-Route geschickt.» (Theresa Beyer)

    • 5.
      Der Klangkünstler Martin Jaggi
      Martin Jaggi trägt einen Ziegenbart.

      Bildlegende: Martin Jaggi: ein Zeitvertoner. ZVG

      Wenn die Zeit einen Klang hätte, dann würde sie vielleicht wie «Planck» tönen. In diesem Stück versucht der Schweizer Komponist Martin Jaggi (geboren 1978), die Expansion unseres Universums nach dem Urknall in Töne zu fassen. Jaggi bezieht sich dabei auf Bilder, welche die ESA-Raumsonde «Planck» ab 2009 von der kosmischen Hintergrundstrahlung gemacht hat: quasi ein Blick zurück in die Anfänge unseres Universums. In einer Mischung aus Sample-Sounds und dem Klang barocker und moderner Instrumente entsteht eine Musik, die mich abheben lässt – ein freier Flug durch das Rauschen und Singen der unendlichen Galaxien. (Cécile Olshausen)

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