Kurt Früh: Zehn Fakten und ein Filmschatz

Viele seiner Filme gehören heute zum Kulturgut der Schweiz. Doch einer geht unter: «Der 42. Himmel». Zu Unrecht. Zum 100. Geburtstag von Kurt Früh erinnern wir an das Musical, dass das Publikum zu seiner Erscheinungszeit nicht zu würdigen wusste.

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Filmschatz: «Der 42. Himmel»

4:11 min, vom 9.4.2015

1. Niemalsingen im Bezirk Lügenau

Das Rathaus und die Limmat - Die Kulisse vom «42. Himmel» ist ganz klar Zürich. Doch der Film spielt, wie es der Vorspann verrät, in der fiktiven Stadt «Niemalsingen», die im Bezirk «Lügenau» angesiedelt ist. Diese Namen weisen auf den spielerischen Charakter des Films hin und zeigen auf, dass die Stadt niemals existiert hat und im besagten Bezirk sowieso nur gelogen wird.

Porträt Kurt Früh

Bildlegende: Die Filmindustrie war sein Leben, doch die ersten Erfahrungen mit der Schauspielerei machte Kurt Früh im Theater. SRF

2. Prinzessin von St. Gallen

Kurt Frühs Laufbahn begann auf den Brettern des St. Galler Stadttheaters. Dort erhielt der fussballbegeisterte Siebenjährige seine erste Rolle in einer Aufführung des «Don Carlos». Weil er dort, dank seiner blonden Locken, für ein erkranktes Mädchen einspringen musste, wurde er von seinen Kameraden lange als «Prinzessin von St. Gallen» gehänselt.

3. Künstlerfamilie Früh

Nicht nur Kurt Früh prägte die Schweizer Kulturszene seiner Zeit, sondern auch seine Brüder Huldreich Georg und Eugen. Während Huldreich Früh Pianist und Komponist war, widmete sich Eugen Früh der Malerei. Einem moderaten und modernen Stil verpflichtet, wird er als einer der erfolgreichsten Zürcher Maler der Nachkriegszeit betrachtet.

4. Linksliberale Einstellung

Bereits während des Studiums arbeitete Kurt Früh als Autor, Regisseur und Darsteller für die, von Bertolt Brecht inspirierte, kommunistische Volksbühne Zürich. Dies war die wichtigste Bühne des Arbeitertheaters in der Schweiz. Seine politische Einstellung liess er später auch in seinen Filmfiguren einfliessen.

5. Erfolgreiches Kinodebut

Bevor er anfing seine eigenen Drehbücher zu schreiben und Regie zu führen, sammelte Früh als Regieassistent von Leopold Lindtberg («Die letzte Chance») erste Erfahrungen. Dadurch gewann er die Aufmerksamkeit des Filmproduzenten Lazar Wechsler. Dieser machte ihn 1955 zum Regisseur von seinem Debut «Polizischt Wäckerli». Der Film wurde zum Kassenschlager: Bei einem Produktionsbudget von 360‘000 Franken spielte der Film an den Kinokassen 1.4 Millionen ein.

6. Geburt eine Stars

In seinem Buch «Rückblenden» erinnert sich Kurt Früh an die Produktion «Es Dach überem Chopf» von 1962 und schreibt: «Die Rolle des Hausbesitzersohnes hatte ich einem Schauspielschüler anvertraut, der später eine grosse Karriere machen sollte: Bruno Ganz.» Tatsächlich: Die Rolle des Fred Webers war das eigentliche Kinodebüt eines Weltstars, der zuvor nur winzige Rollen in den Komödien «Der Herr mit der schwarzen Melone» und «Chikita» gespielt hatte.

Porträt Katja Früh

Bildlegende: Tochter Katja Früh ist selbst Regisseurin und Drehbuchautorin. SRF

7. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Kurt Frühs Töchter Katja und Jessica sind ebenfalls in der Filmindustrie und im Theater tätig. Während Jessica Früh als Schauspielerin an verschiedenen Theatern auftritt, arbeitet Katja Früh als Regisseurin. Die heute 61-Jährige hat 2010 den Film ihres Vaters «Dällebach Kari» in ein Musical verwandelt. Ausserdem war sie Autorin der SRF-Erfolgssoap «Lüthi und Blanc». Damit nicht genug: Katjas Tochter Lisa Maria Bärenbold ist ebenfalls Schauspielerin. Ihre erste grosse Rolle hatte sie in Michael Steiners «Missen Massaker». 2014 spielte sie in der SRF-Sommerserie «Anno 1914: Leben wie vor 100 Jahren» eine deutsche Serviertochter.

8. Der Lehrer

Zwischen 1963 und 1970 drehte Kurt Früh zwar keine Filme – von der Filmindustrie losgelassen hat er aber nie. Von 1967 bis 1969 war er als Dozent an der damaligen Kunstgewerbeschule Zürich tätig. «Filmarbeit» hiess sein Kurs, der unter anderem von den heutigen Regisseuren Markus Imhoof und Clemens Klopfenstein besucht wurde.

9. Carmen von Oerlikon

Kurt Frühs letzter Film «Der Fall» (1972) basierte ursprünglich auf einer Idee des Komponisten Werner Kruse und hätte «Carmen von Oerlikon» heissen sollen. Geplant war, die Geschichte des Don José ins schweizerische Milieu zu übertragen. Bei der Arbeit am Drehbuch entfernte sich die Story aber immer weiter vom Vorbild und näherte sich dem Fall eines ehemaligen Polizisten an, der – nachdem er interne Polizeiskandale aufgedeckt hatte – entlassen worden war.

10. Farblos

Kurt Früh hat alle seine Spielfilme in Schwarzweiss gedreht. Sogar diejenigen, die in den 70er-Jahren entstanden sind. Trotzdem – oder gerade deshalb – hat er farbig-schillernde Figuren und Geschichten geschaffen.

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