Walter Baumgartner traf in Frühs Werken den richtigen Ton

Eine Filmmusik ist gut, wenn sie sich nicht aufdrängt. Wenn sie sozusagen unhörbar bleibt und das Gesehene ins Zentrum des Geschehens rückt. Der Komponist Walter Baumgartner war ein Meister darin. Am schönsten ist das in den Filmen von Kurt Früh zu hören.

Walter Baumgartner trägt eine Brille und eine Krawatte. Das Foto ist schwarz-weiss.

Bildlegende: Er setzte gekonnt Musik in Filmen ein: Walter Baumgartner. Keystone

Als Walter Baumgartner begann, Spielfilme zu vertonen, war er ein gestandener Musiker. Er war 48 Jahre alt und hatte eine Karriere hinter sich, die sich sehen liess: Er hatte in Deutschland gearbeitet, war dann Chef der «Magnolians», der besten und bekanntesten Swing- und Tanzkapelle auf dem Platz Zürich, geworden. Er hatte für die Stars des Schweizer Schlagers – Vico Torriani, Lys Assia, die Geschwister Schmid – geschrieben und fürs Kabarett komponiert. Baumgartner konnte Musik für jeden Zweck und jede Gelegenheit schreiben.

Ein Mann mit zahlreichen Talenten

Dass er Musiker wurde, war nicht selbstverständlich. Mit seinen vielen Talenten hätte er auch anderes zum Beruf machen können, die Literatur zum Beispiel, die er studierte. Ein begeisterter Sportler war er auch. Doch schliesslich landete er am Konservatorium, um Komposition zu lernen.

Amerikanischer Swing, den er für seine «Magnolians» schrieb, wurde allerdings dort nicht unterrichtet. Den brachte er sich wohl selber bei – so wie das damals alle taten – indem er nachts amerikanische Radiostationen hörte. Er bekam so die neusten Hits von «drüben» mit, schreib sie ab und legte sie seinen Musikern auf das Pult.

Baumgartner und Früh: Das Erfolgsduo des Schweizer Films

In den 1940er-Jahren wurde der Regisseur Kurt Früh auf Walter Baumgartner aufmerksam. Früh war am Anfang seiner Laufbahn. Er drehte Auftragsfilme für die Industrie und Werbung, Gebrauchshandwerk eben. Die beiden spannten zusammen und bildeten für die nächsten rund 20 Jahre ein Erfolgsduo des Schweizer Films.

Kurt Früh träumte davon, Filme zu machen, wie sie damals im italienischen Neorealismo entstanden. Werke wie Vittorio de Sicas «Ladri di Biciclette», die nicht im Studio sondern auf Strassen und Plätzen gedreht wurde, direkt aus dem Leben. Bis es allerdings so weit war, absolvierten die beiden eine gemeinsame Gesellenzeit in Form von zwei Filmen mit Schaggi Streuli – zuerst «Polizischt Wäckerli» (1955), dann «Oberstadtgass» (1956).

Das gelungenste Werk des Teams Früh-Baumgartner war die «Bäckerei Zürrer» von 1957, jene bittersüsse Geschichte vom alten Beck Zürrer, gespielt von Emil Hegetschweiler, der mit der jungen Generation und dem Umbruch in seinem Quartier, der Zürcher Langstrasse, nicht zurande kam.

Sein Werk hat überdauert

Mehr allerdings als für Kurt Früh, mit dem er ein halbes Dutzend Spielfilme realisiert hatte, schrieb Walter Baumgartner für den Produzenten Erwin C. Dietrich. Da entstanden Perlen mit schönen Titeln wie «Die Nichten der Frau Oberst», «Sechs Schwedinnen auf Ibiza» oder «Blutjunge Verführerinnen». Baumgartner arbeitete aber auch hier mit der gewohnten Sorgfalt und er benutzte solche Streifen, um neue Dinge auszuprobieren, die in einem «ernsthaften» Film vielleicht nicht möglich gewesen wären.

Walter Baumgartner starb 1997 mit über 90 Jahren. Vieles von dem, was er gemacht hat, hat überdauert. Dies, obwohl er Zeit seines Lebens Gebrauchsmusik für den Tag schrieb.