13 Filme aus dem Herzen Europas

Sarajevo hat eine bewegte Geschichte. «Das Herz Europas» wird die Stadt auch genannt. 13 europäische Filmschaffende haben sich zusammengetan, um 13 Blicke auf diese Stadt zu werfen. Unter ihnen sind Jean-Luc Godard und die Schweizerin Ursula Meier.

Ein Junge steht am Strassenrand und schaut einem davonfahrenden Bus nach.

Bildlegende: Im Segment «Little Boy» spricht ein Junge Reflexionen über das Sarajevo von heute. Filmcoopi

In Sarajevo gedachte man 2014 der Ereignisse, die 1914 zum Ersten Weltkrieg führten. Dazu sollte auch ein besonderer Film entstehen: die Stadt Sarajevo im Blickpunkt europäischer Filmemacher der Gegenwart. Eine spannende Gruppe von Filmschaffenden aus vielen Ländern kam zusammen – einige sind in Sarajevo zuhause, andere kennen die Stadt ebenfalls gut. Nur einer war noch nie in Sarajevo und wollte die Stadt aus der Entfernung beschreiben.

Bunte Collagen, schwarzweisse Reflexion

Die entstandenen Kurzfilme, die persönlichen Blicke auf diese Stadt, könnten unterschiedlicher nicht sein. Da gibt es innere Monologe, aber auch kleine Historienfilme. Der erste von ihnen erzählt von der Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand. In diesem Segment, «My Dear Night», ist der Schweizer Schauspieler Gilles Tschudi zu sehen. In der Abfolge der Kurzfilme folgen bunte Collagen auf schwarzweisse Reflexionen, traurige Erinnerungen auf hoffnungsfrohe Ausblicke.

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Trailer zu «Les ponts de Sarajevo»

1:45 min, vom 16.4.2015

Da rennt zum Beispiel ein kleiner Junge im heutigen Sarajevo in Regenjacke und Gummistiefeln durch seine Stadt: «Sarajevo, Sarajevo, Sarajevo. Das ist mein Land: Bosnien. Mein Sarajevo ist umgeben von Bergen. Deshalb konnten sie uns angreifen. Ich lebe hier.»

Aus dem Off spricht der Junge im Beitrag «Little Boy» von Isild Le Besco über seine Stadt – diese Stadt, die in mehreren Kriegen grausam zerstört wurde, die lange unter einer Diktatur litt, die für viele Bosnier steingewordenes Zeugnis ihres Leides und ihrer Flucht vor Krieg ist.

Godards melancholischer Gruss

Jean-Luc Godard hat eine bildgewaltige expressionistische Collage über ethnische Säuberung, Diktatur und Gewalt beigesteuert. «Ich habe viele Leute so schlecht leben und so gut sterben gesehen», sagt Godard im seinem Kurzfilm. Er sei ein «melancholischer Gruss» an Sarajevo.

Eine Junge mit Fusball-Stulpen und nacktem Oberkörper sitzt rauichend auf einem Grabstein.

Bildlegende: Szene aus dem Segment «Quiet Mujo» von Ursula Meier. Filmcoopi

Spannend ist auch der Kurzfilm der Schweizerin Ursula Meier. Sie hat ihm den Titel «Quiet Mujo» gegeben. Meier zeigt in diesem wunderbar lakonischen Filmchen, wie die unbekümmerten Nachgeborenen auf die sichtbaren Symbole vergangener Konflikte reagieren.

Der 10-jährige Mujo verschiesst beim Fussballspiel einen Penalty – der Ball landet auf dem Friedhof nebenan. «Such bei den Christen», rufen die einen, «such bei den Muslimen», die anderen. Mujo aber setzt sich erstmal auf ein Grab und raucht eine Zigarette. Dabei trifft er eine attraktive Frau, die das Grab ihres Bruders besucht.

Die Stadt als historische Metapher

So unterschiedlich die Blicke und Herangehensweisen der 13 Filmemacher sind: Man hat dennoch das Gefühl, dass gewisse Filme anfangen, miteinander zu kommunizieren und innere Zusammenhänge zu bilden. Hier die tragischen Erinnerungen von Leuten, die den Krieg in der Stadt selber erlebt haben, dort die schwierigen Umstände derer, die ins Exil geflohen sind. Hier der Blick in die konfliktgeprägte Vergangenheit, da der Ausblick auf eine hoffnungsvollere Zukunft.

«Les ponts de Sarajevo» eröffnet dem Publikum viele persönliche Blicke auf Sarajevo. Er zeigt die Stadt nicht nur als realen Ort, sondern auch als Symbol, als historische Metapher. Spannend und interessant ist der Film daher auch für ein Publikum, das diese Stadt nicht – oder noch nicht – kennt.

Kinostart: 16.4.2015

SRG-Koproduktion

Die SRG ist Koproduzentin dieses Films.

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