17. Kurzfilmtage Winterthur: Im Bann der Weltwirtschaftskrise

«Adieu Folklore, hallo Welt!» Mit diesem Titel fassen die Macher der Kurzfilmtage den Blickwechsel der Filmschaffenden in der Wohlstandsoase Schweiz zusammen: Weg von der schönen Heimat, hin zu den hässlichen Folgen der globalen Wirtschaftskrise.

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17. Kurzfilmtage Winterthur

2:09 min, aus Tagesschau vom 6.11.2013

Im Hollywood-Kino ist die Weltwirtschaftskrise noch nicht wirklich angekommen. Im Programm der Winterthurer Kurzfilmtage ist sie dagegen so etwas wie der rote Faden. In der Rubrik «CHurzfilm», wie der Schweizer Wettbewerb in Winterthur traditionell genannt wird, spielen die Auswirkungen der Wirtschaftskrise gleich in vier Dokus eine wichtige Rolle.

Banger Blick ins Ausland

Als gemeinsamen Nenner der in den USA («Last Vegas»), Indien («From Ganga to Bollywood»), Russland («The Green Serpent») und Serbien («Kod Ćoška») angesiedelten helvetischen Bestandsaufnahmen hält Festivalleiter John Canciani «den bangen Blick ins Ausland» fest. Gefilmt wurde überall dort, wo die Zeichen der Krise nicht mehr zu übersehen sind.

«Kod Ćoška – Down on the Corner» zeigt beispielsweise via Beobachtung eines Tante-Emma-Ladens den kargen Geldfluss im serbelnden Serbien. Die Einheimischen müssen an allen Ecken und Enden sparen, um über die Runden zu kommen. Ein Stammkunde des Ladens bringt die allgemeine Befindlichkeit im Land auf den Punkt: «Früher lebten wir gut. Nun fehlen die Perspektiven. Wir Alten können das ertragen, die Jungen gehen ins Ausland. Unsere Wirtschaft trocknet aus.»

Verstörender Blick nach Griechenland

Ohne Job und Perspektiven steht auch der Protagonist von «45 Degrees», dem griechischen Beitrag im internationalen Wettbewerb, da. Um den chronisch leeren Kühlschrank zu füllen, wirft der Familienvater seine ethischen Prinzipien über Bord und wird Diener einer Bande Rechtsextremer. Das Drehbuch dieses verstörenden Kurzfilms ist zwar fiktiv, Griechenlands Finanz- und Sinnkrise aber allzu real.

Bereits als Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise kann der Film «Month One» begriffen werden, der in der Spezialreihe «Independent Cinema USA» läuft. Die zehnminütige Dokumentation hält in eindrücklichen Bildern den ersten Monat der Protestbewegung «Occupy Wallstreet» fest – ohne einordnenden Kommentar, dafür mit grösster Nähe.

«Month One», «45 Degrees», «Kod Ćoška – Down on the Corner» und viele weitere hochkarätige Kurzfilme zur Weltwirtschaftskrise sind noch bis am Sonntag, 10. November in Winterthur zu sehen.