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Filmfestival Venedig 2020: Frances McDormand
Aus 10vor10 vom 11.09.2020.
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77. Filmfestspiele Venedig «Nomadland»: Frances McDormands One-Woman-Show

Dank echten Nomaden aus dem Westen der USA und einer grossartigen Hauptdarstellerin gewinnt der Film den Goldenen Löwen.

Fern ist 60 Jahre alt und hat nach einem wirtschaftlichen Kollaps der Kleinstadt Empire in Nevada alles verloren: ihren Mann, ihre Arbeit und ihr Haus. Ein Kleinbus stellt ihr neues, kleines Imperium dar. Damit tourt sie als moderne Nomadin durch den Westen der USA und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser.

Frances McDormand spielt diese vom Leben gezeichnete Frau unglaublich präzis. Mit der kleinsten Veränderung ihres Gesichtsausdrucks kann sie grosse Emotionen hervorrufen – ohne eine einzige Träne zu verdrücken. Eine starke Leistung!

McDormands Doppelfunktion

Frau
Legende: Frances McDormand gewann bereits zweimal einen Oscar als beste Schauspielerin. The Walt Disney Company (Switzerland) GmbH

Nicht nur schauspielerisch drückt McDormand «Nomadland» ihren Stempel auf. Sie produzierte das Drama auch gleich mit. Dass die Amerikanerin die Doppelfunktion Schauspielerin und Produzentin beherrscht, hat sie bereits 2014 unter Beweis gestellt.

Acht Emmys gewann die HBO-Miniserie «Olive Kitteridge». In dieser verkörpert sie eine Mathematiklehrerin, die jedem die Wahrheit ins Gesicht raunzt und seit 25 Jahren depressiv ist.

Laiendarsteller spielen sich selbst

Frau mit Kamera
Legende: Chloé Zhaos Filme «Songs My Brothers Taught Me» und «The Rider» wurden mehrfach ausgezeichnet. The Walt Disney Company (Switzerland) GmbH

«Nomadland»-Regisseurin Chloé Zhao ist eine aufstrebende Filmemacherin, die in Peking geboren wurde und mittlerweile in den Vereinigten Staaten lebt. Ihr Spezialgebiet sind authentische Independent-Filme, für die sie oft mit Laiendarstellern arbeitet.

Bestes Beispiel ist ihr Neo-Western «The Rider», in dem die Protagonisten mehr oder weniger sich selbst spielen. Diese Vorgehensweise verleiht Zhaos Filmen einen dokumentarischen Touch und hebt sie von Mainstream-Produktionen ab.

Auf dieselbe Methodik greift sie nun auch in «Nomadland» zurück, zumindest bei den Nebenfiguren. Die Nomaden Linda May und Bob Wells erzählen im Film ihre eigene Geschichte. Bob Wells lebte nach seiner Scheidung in einem Van. Auf Youtube erzählt er über «sein Leben auf der Strasse».

Die Laiendarsteller lassen an ihrem Leben teilhaben und eröffnen dem Zuschauer einen authentischen Einblick in eine sonst verborgene Welt.

Wenn der amerikanische Traum platzt

Landschaft und Frau
Legende: «Nomadland» ist ein heisser Kandidat im Rennen um den Goldenen Löwen. The Walt Disney Company (Switzerland) GmbH

«Nomadland» übt unaufdringlich scharfe Kritik am US-amerikanischen Sozialstaat. Diese bildet zum Glück nur den gesellschaftspolitischen Rahmen der Geschichte.

Im Zentrum stehen die Menschen. Menschen, die nicht aufgeben und zusammenstehen. Menschen, die einem ans Herz wachsen. Allen voran: Fern, die Frances McDormand womöglich sogar einen weiteren Oscar einbringen wird.

Zum Schluss ein Tipp an alle, die nicht bis zum offiziellen Kinostart warten wollen: In der Schweiz kann man sich «Nomadland» am Zurich Film Festival anschauen, das am 24. September beginnt. Es lohnt sich.

SRF 1, 10vor10, 11.9.2020, 21.50 Uhr

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