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«Das Spiel»
Aus Kultur Webvideos vom 11.09.2020.
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77. Filmfestspiele Venedig Worüber Profi-Fussballer auf dem Rasen reden

Lauschen lohnt sich: Für seinen Kurzfilm «Das Spiel» hat der Luzerner Roman Hodel Super-League-Ref Fedayi San verkabelt.

«Kopfverletzung! Er blutet, Jungs. Das müssen wir überprüfen.» Schiedsrichter Fedayi San steht unter grossem Druck. Wegen der harten Gangart auf dem Platz. Weil sein türkischer Vater seit Langem wieder mal im Publikum sitzt. Aber vor allem: Weil er mehrere Mikros für die Doku «Das Spiel» mit sich herumträgt.

Ein Zuschauer im Wankdorf-Stadion. Es ist der türkische Vater von Fedayi San, dem Schiedsrichter.
Legende: Ist aus der Türkei angereist, um seinen Sohn pfeifen zu sehen: Fedayi Sans Vater. Ensemble Film

«Wir hatten einen Riesenaufwand für einen Kurzdokumentarfilm», erzählt Regisseur Roman Hodel im Interview. Seine Crew bestand aus 16 Personen, die acht Kameras und über 30 Mikros am Laufen hielten.

SRF-Koproduktion

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Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hat diesen Film koproduziert.

Der Aufwand hat sich gelohnt: Die 17-minütige Doku fesselt. Weil der Spannungsbogen stimmt. Und weil man endlich mal hört, was sich die Akteure auf dem Rasen so zu sagen haben.

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Filmfestival Venedig 2020: Schweizer Film «Das Spiel»
Aus Tagesschau vom 11.09.2020.
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Schiedsrichter sind auch nur Menschen

Dass Profifussballer viel reklamieren und fluchen, wissen wir. Wäre dem nicht so, würden die Unparteiischen deutlich weniger Verwarnungen verteilen.

«Das Spiel» beweist nun: Schiedsrichter strafen nicht nur mit Karten, sondern auch mit Worten. «Fräche Siech!» lautet einer der herzhaften verbalen Konter, die Fedayi San zum Besten gibt.

Super-League-Ref Fedayi San in Aktion.
Legende: Für einmal steht der Unparteiische im Fokus: Fedayi San, Protagonist von «Das Spiel». Ensemble Film

Der Ton ist die eigentliche Stärke von «Das Spiel». Was nicht nur an den glasklaren Aufnahmen liegt, die moderne Mikros heute liefern. Roman Hodel investierte viel Zeit ins Sounddesign, um die Stimmungskurve mit passenden Tönen und Filtern hochzutreiben.

Kennen wir das nicht schon?

Satte dreieinhalb Jahre Arbeit stecken in «Das Spiel». Obwohl man dem Luzerner Filmstudenten zunächst davon abgeraten hatte, das Projekt überhaupt in Angriff zu nehmen.

Die Begründung lautete: Den Film gibt es schon. Er heisst «Les arbitres», wurde von Quartz-Gewinnerin Delphine Lehericey mitinszeniert und erschien 2009.

Porträtbild von Regisseur Roman Hodel
Legende: Wohnt mittlerweile in Zürich: Der Luzerner Regisseur Roman Hodel (30). Ensemble Film

Rückblickend gibt Hodel gerne zu, dass diese Schiedsrichter-Doku seinem Film einst im Weg stand: «Als ich vor fast neun Jahren mit der Recherche begann, hat mich wirklich ‹Les arbitres› davon abgehalten, diesen Film zu machen. Ich glaube jetzt, neun Jahre später ist es etwas ganz anderes.»

Andere Zeiten, andere Technik

Tatsächlich unterscheiden sich die beiden Filme bei genauerer Betrachtung klar. Der Clou von «Les arbitres» war der Funkverkehr zwischen den Unparteiischen. Dieser durfte im Rahmen der Fussball-EM 2008 erstmals angezapft werden.

Die Kommunikation zwischen Spielern und dem Schiedsrichter, auf die sich «Das Spiel» fokussiert, war in «Les arbitres» dagegen kaum zu hören. Plus: Den Videobeweis gab es damals noch nicht. Der sorgt für zusätzlichen Zunder, weil er die Fehlentscheide des Refs blitzschnell als solche entlarvt.

Aufnahme des gelb-schwarzen Menschenmeers: Das Publikum im Stadion des Schweizermeisters.
Legende: Gelb-schwarzes Menschenmeer: Das Publikum im Stadion des Schweizermeisters. Ensemble Film

Oft gibt die Überprüfung durch den sogenannten VAR (Video Assistant Referee) aber auch dem Schiri recht. Wie in der zu Beginn des Artikels beschriebenen Schlüsselszene des Films: Als sich der Spieler am Kopf verletzte, entschied sich Fedayi San intuitiv und völlig korrekt gegen einen Foulpfiff. Ein eigener Mitspieler des vermeintlich Gefoulten hatte im Eifer des Gefechts die blutende Wunde verursacht.

Tagesschau, 11.9.2020

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Danny Kinda  (Kinda)
    Ich finde das spannend. Mich hat immer interessiert wie die Kommunikation zwischen Schiri und Protagonisten aussieht. Als Kind will man ja immer Stürmer sein oder zumindest Feldspieler. Für den Schiri interessieren sich nicht so viele. Der Film ist auch eine Möglichkeit Fedayi San ein bisschen kennenzulernen den man ja sonnst nur von weit weg kennt. Das einzige was mir etwas unsympathisch ist, ist der Regisseur - aus diversen Gründen.
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