Beim Reality-Game «Nerve» riskieren die Spieler ihr Leben

Was passiert, wenn ein Spiel grausame Wirklichkeit wird? Im nervenaufreibenden Techno-Thriller «Nerve» wird aus einem Online-Game tödlicher Ernst. Der Film zeigt, dass im Netz Gefahren lauern.

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«Nerve»: Filmbesprechung

1:59 min, vom 7.9.2016

Mauerblümchen Vee (Emma Roberts) steht in der Schule im Schatten ihrer besten Freundin Syd. Um mehr Aufmerksamkeit von ihren Mitschülern zu bekommen, beschliesst Vee, beim illegalen Game «Nerve» teilzunehmen.

Das wird nicht am Computer gespielt: über eine App erhält Vee Aufgaben, die sie erfüllen muss. Dabei muss sie live gefilmt werden, damit die Zuschauer am Rechner oder Smartphone zusehen können. Der Mensch wird zur Spielfigur. Gewinnt Vee, winken Geld und Ruhm.

Vee steht auf dem Balkon und blickt in die Ferne

Bildlegende: Die schüchterne Vee (Emma Roberts) hat das Leben als Mauerblümchen satt. Impuls Pictures AG

Über Nacht zum Publikumsliebling

Vees erste Challenge besteht darin, einen unbekannten Jungen zu küssen. Der mysteriöse und attraktive Ian (Dave Franco) ist hin und weg von Vee.

Er entpuppt sich ebenfalls als «Nerve»-Spieler. Die Online-Zuschauer finden Gefallen an den beiden und fordern, dass sie das Spiel gemeinsam fortsetzen.

Das Game-Paar entwickelt sich über Nacht zum Publikumsliebling.

Die Community übernimmt das Ruder

Doch das nervenaufreibende Spiel droht aus dem Ruder zu laufen: Die Aufgaben werden immer brutaler und gefährlicher. Als Vee den Ernst der Lage erkennt, wendet sie sich an die Polizei.

Die «Nerve»-User bekommen davon Wind. Vee ist sich nicht im Klaren, dass die Community im Besitz all ihrer persönlichen Daten ist. Innert Sekunden wird das Bankkonto ihrer Familie leergeräumt.

Der einzige Weg, das Geld zurückzubekommen: weiterspielen. Vee wird zur Marionette, ihr Leben steht auf dem Spiel.

Dating-Lügen

Die Vorlage für «Nerve» liefert das gleichnamige Jugendbuch von Jeanne Ryan. Verfilmt wurde es von den US-Regisseuren Ariel Schulman und Henry Joost. Die beiden befassen sich schon länger mit der Generation Internet.

Ian wird von seinen Zuschauern mit Smartphones gefilmt.

Bildlegende: Ian (Dave Franco) wird von Nerve-Zuschauern gefilmt. Impuls Pictures AG

2011 drehten sie den Dokumentarfilm «Catfish». Ein Jahr später erschien ihre gleichnamige Reality-Show, die mittlerweile fünf Staffeln zählt.

Ein «Catfish» ist eine Person, die im Internet vorgibt, jemand anderes zu sein. Die Doku und die Reality-Show handeln davon, was bei Onlinedates alles an Lügen aufgetischt wird.

YouTuber als Vorlage

«Nerve» trifft den Nerv der Zeit: Games sind bei Jugendlichen gefragter denn je. Der Film spinnt den Gedanken weiter und zeigt, wie schnell das Internet gefährlich werden kann.

Dass Jugendliche für riskante Taten im Netz gefeiert werden, ist längst Realität: die Russen Vitaliy Raskalov und Vadim Makhorov zum Beispiel.

Sie sind im Internet unter dem Pseudonym «on the roofs» bekannt. Ihr Ziel: Die höchsten Brücken, Gebäude und Kräne der Welt erklimmen. Der Aufstieg wird gefilmt – ohne jegliche Sicherung.

Für sie ist das Kunst, für andere blanker Wahnsinn. Die Amateurvideos finden grossen Anklang: Der YouTube-Kanal «on the roofs» wurde über 80 Millionen Mal aufgerufen.

Für die visuelle Umsetzung von «Nerve» liessen sich die jungen Filmemacher von YouTube-Videos wie diesen inspirieren.

Die YouTube-Ästhetik einfangen

Den Look dieser YouTube-Clips einzufangen, gelingt. Durch die Vielzahl an verschiedenen Blickwinkeln und Perspektiven erhält «Nerve» viel Dynamik.

Der Thriller zieht die Zuschauer in seinen Bann: baumelt eine Filmfigur an einem Kran, bekommt das Publikum selbst das beklemmende Gefühl, 150 Meter über dem Boden zu hängen.

Kinostart: 8.9.2016

Das Adrenalinduo in Action