Berlinale - Sattelwunde Zuschauer nach «Gold»

Der Deutsche Beitrag an der diesjährigen Berlinale lässt den Zuschauer ratlos zurück. Mit dem Western «Gold» hat sich Regisseur Thomas Arslan einen (zu) grossen Bissen in den Mund geschoben.

Frau auf Pferd

Bildlegende: Die Reitkünste von Nina Hoss stehen jenen der klassischen Western-Stars nur wenig nach - dennoch überzeugt «Gold» nicht. Schramm

Der Deutsche Berlinale-Beitrag «Gold» von Thomas Arslan lässt einen ein wenig ratlos zurück. Oder sattelwund, wie es eine britische Kollegin ausgedrückt hat. Nina Hoss ist Emily, eine Frau aus Bremen, die als Dienstmädchen in den USA des ausgehenden 19. Jahrhunderts ihr Glück nicht gefunden hat. Im Sommer 1898 schliesst sie sich einer deutschen Goldgräbertruppe an, die sich auf dem Landweg nach Klondike durchschlagen möchte. Fünf Männer und zwei Frauen machen den kleinen Trek aus, am Ende bleibt, leider nicht unerwartet, nur Emily.

Western oder Wildfilm?

Arslan filmte wohl mit Blick auf grösstmöglichen Realismus. Der Dreh in Kanada dürfte sich bisweilen im Werner-Herzog-Bereich abgespielt haben, die gezeigten Strapazen und das Leiden der Pioniere in der Wildnis spiegeln mit Bestimmtheit einen Teil der Drehstrapazen. Und doch lässt einen das Gefühl nie ganz los, man sei in einen Film des Innerschweizer Wildfilmers Luke Gasser geraten. Oder in ein Projekt wie The Wolfer von Country-Musiker Angie Burries.

Frau und Mann mit Pferd

Bildlegende: Nina Hoss ist Emily, eine Frau aus Bremen, die sich einer deutschen Goldgräbertruppe anschliesst. Schramm

Da kann die Bluse von Nina Hoss so schmutzig werden wie sie will, die Reitkünste der Schauspieler jenen der klassischen Western-Stars nur wenig nachstehen: Wenn in einem der aus wenigen Hütten bestehenden Städtchen ein Hund auf die Strasse rennt, schaut man sich unwillkürlich nach dem «Animal Wrangler» neben dem Set um – wie bei einem späten Angelopoulos, wo in den Massenszenen immer irgendwo etwas dirigiert wird.

Der Film nimmt sich zu ernst

Das ist ziemlich sicher dem Budget geschuldet und hätte leicht sogar zu einer Tugend des Films werden können. So wie Etliches in der endlos langsam und ausführlich erzählten Passion der nicht so glorreichen Sieben in überraschend lakonischen Witz mündet. Wie etwa die Bemerkung, es sei schon ein Saupech, in diesem riesigen Land mitten in der Einsamkeit der Wälder fern von allen Menschen ausgerechnet in eine Bärenfalle zu treten.

Aber der Film nimmt sich zu ernst, um als Meta-Erzählung durchzugehen. Er ist zu absehbar, um wirklich zu packen. Und er stellt sich in eine Tradition, jene des realistischen Western, welche die höchsten Gipfel der Perfektion und erzählerischen Raffinesse im letzten Jahrhundert erreicht hat. Das ist ein grosser Bissen, den sich Arslan da in den Mund geschoben hat. Und wahrscheinlich wird er noch eine Weile daran zu kauen haben.