Billig, schnell, Corman: Der Meister des B-Movies wird 90

Roger Corman war der Mann, der abseits vom Hollywood-Mainstream Hunderte Filme produzierte und keinen Dollar dabei verlor. Corman brachte Riesenkrabben aus Pappmaché zum Tanzen, liess Motorradbanden Kleinstädte terrorisieren – und feiert am 5. April seinen 90. Geburtstag.

Roger Corman, ein Mann mit grauen Haaren, steht neben einem Filmplakat und lächelt.

Bildlegende: Von Francis Ford Coppola bis Jack Nicholson: Roger Corman brachte die Karrieren zahlreicher Hollywoodgrössen in Gang. Keystone

«Ein Film muss einen guten Anfang und gutes Ende haben, der Rest ist nicht so wichtig.» Mit dieser schlichten, aber pragmatischen Formel bediente der am 5. April 1926 in Detroit geborene B-Movie-Pate Roger Corman alle Genres: Western, Krimi, Mantel- und Degen-Streifen, Fantasy und natürlich den Horrorfilm.


Hommage an Roger Corman

3:32 min, aus Kultur kompakt vom 05.04.2016

Praktisch alle namhaften Schauspieler und Regisseure des New Hollywood gingen bei Corman in die Schule: Francis Ford Coppola, Jonathan Demme, Jack Nicholson oder Martin Scorsese. Alle haben sie in Cormans Filmfirma American International Pictures produziert, geschrieben oder geschauspielert.

Schon als junger Drehbuchautor fand Corman immer einen Dreh, um aus einem langweiligen Skript einen effektvollen Reisser zu machen, der an der Kinokasse nicht floppte. Um Geld zu sparen, liess er zum Beispiel seinen Kameramann tagelang irgendwelche Krankenwagen und Polizeiautos verfolgen und montierte das Material für diverse Produktionen. Roger Cormans Filme der 1960er-Jahre haben mittlerweile Kultstatus. Allen voran: «Little Shop of Horrors».

Alles Roger: Best of Corman

    • 1.
      Little Shop of Horrors
      In nur zweieinhalb Tagen drehte Corman 1960 seine Horrorkomödie um einen einfältigen Blumenverkäufer, der in seinem Blumenladen eine fleischfressende Pflanze mit Menschen füttert, um die stetig wachsende Schaufenster-Attraktion vor dem sicheren Hungertod zu bewahren. Der in Schwarzweiss gefilmte Film lebt von launigen Dialogen und wird als verstreckte Kritik am amerikanischen Konsumwahn gedeutet. Sicherlich der bekannteste Corman-Film, der auch als Musical Karriere machte.
      Ein Paar bestaunt Blumen in einem Blumenladen

      Bildlegende: Versteckte Kritik am amerikanischen Konsumwahn: Roger Cormans berühmtester Film. Wikimedia/Ray, Fred Olen

    • 2.
      Der Edgar Allan Poe-Zyklus
      Zwischen 1961 und 1964 produzierte und inszenierte Corman acht Spielfilme nach Motiven von Edgar Allan Poe, darunter «Die Maske des roten Todes», «Das Pendel des Todes» und «Das Grab des Grauens». In freier Gestaltung der Poe'schen Erzählungen kleidet Corman das Grauen in üppige Dekors, schaurig aufschäumende Musik und lässt den Wahnsinn in einer psychedelischen Farbdramaturgie irrlichtern. Nahe am Gruselkitsch, immer auch unfreiwillig komisch sind diese Filme dennoch kleine Meisterwerke des amerikanischen Horrorkinos. Im Mittelpunkt steht meist Vincent Price als die formvollendete Inkarnation aristokratischen Irrsinns.
      Filmstill: Ein Mann mit rot angemaltem Gesicht in einem roten Kapuzenkleid

      Bildlegende: Der aristokratische Irrsinn trägt und sieht rot: Vincent Price in «Die Maske des roten Todes». Studio

    • 3.
      X: The Man with the X-ray Eyes
      Ray Milland spielt die Hauptrolle in dem 1963 inszenierten Film um einen Mad Scientist, der im Selbstversuch ein Serum entwickelt, das die Sehkraft des Menschen drastisch steigern soll. Beeindruckend ist wiederum Cormans psychedelische Farbgestaltung, die die Welt aus Sicht des mutierten Wissenschaftlers zeigt: als ein dramatisches Spiel verzerrter Farbspektren. Ein Klassiker des Horrorgenres, der Gesellschaftskritik und Wissenschaft-Hybris ironisch miteinander verknüpft.
      Ein Mann und eine Frau in einem Labor betrachten einen Affen im Käfig.

      Bildlegende: Ray Milland als Wissenschaftler, der die Menschheit besser sehen lassen will: ein Horrorklassiker. Studio

    • 4.
      The Intruder
      1962 machte Corman mit seinen Film «The Intruder» («Weisser Terror») über Rassismus in den Südstaaten der USA Furore. William Shatner, der wenige Jahre später als Captain Kirk in der Fernsehserie «Raumschiff Enterprise» unsterblich wurde, spielte hier einen rassistischen Demagogen, der die Saat des Bösen in eine Kleinstadt bringt. Cormans Ausflug in die Gesellschaftskritik war nicht ganz ungefährlich, erinnert sich der Regisseur mit einem bitteren Lächeln: «William Shatner und ich haben während der Dreharbeiten Drohbriefe bekommen. Für die Schlussszene – der Ku-Klux-Klan marschiert durch das Schwarzenviertel der Stadt – habe ich daher den Drehplan geändert. Diese Szene haben wir am letzten Drehtag gefilmt – und dann nichts wie weg.» Der Film war ein kommerzieller Flopp – der einzige in Cormans Karriere.
      Filmstill: Ein Mann mit offenem Hemd steht vor Demonstranten, die rassistische Parolen auf Plakate geschmiert haben.

      Bildlegende: Sein einziger finanzieller Flop: Roger Cormans Film über Rassismus in den Südstaaten der USA. Studio

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 05.04.2016, 17:20 Uhr