Goldene Palme für eine intime Liebesgeschichte

Die Goldene Palme 2013 geht in diesem Jahr an den Film «La vie d'Adèle» von Abdellatif Kechiche. Der Regisseur legte mit diesem fast dreistündigen Film ein unglaublich stark gespieltes Porträt einer jungen Frau vor.

Video «Die Gewinner in Cannes» abspielen

Die Gewinner in Cannes

1:33 min, aus Box Office vom 26.5.2013

Die Goldene Palme bleibt in dieses Jahr in Frankreich: Am Filmfestival in Cannes gewinnt mit «La vie d'Adèle» von Abdellatif Kechiche ein französischer Film über das Erwachsenwerden einer jungen Frau. Es ist der erste Cannes-Preis für den 52jährigen Regisseur.

Erstmals in der Geschichte der Filmfestspiele vergab die Jury die Goldene Palme nicht nur an den Regisseur, sondern auch an die Schauspieler: Die beiden Hauptdarstellerinnen des Films, Adèle Exarchopoulos (19) und Léa Seydoux (27), bekamen daher ebenfalls eine Auszeichnung.

Eine intensive und authentische Liebe

Zwei Frauen küssen einen Mann auf die Wange, der die Goldene Palme in den Händen hält

Bildlegende: Sieger-Trio: Regisseur Abdellatif Kechiche und die beiden Schauspielerinnen Lea Seydoux (links) und Adèle Exarchopoulos. Keystone

Im Mittelpunkt des ausgezeichneten Films steht die junge Adèle, die sich erst für Männer interessiert – bis Emma in ihr Leben tritt. Regisseur Kechiche folgt Adèle, wie sie und Emma sich annähern, wie die beiden ein Paar werden, wie sie sich im Laufe der Jahre voneinander entfernen.

Das dreistündige Werk begeisterte die Zuschauer in Cannes mit seiner Intensität und Authentizität. Faszinierend ist dabei vor allem die Hauptdarstellerin Adèle Exarchopoulos. Ungewöhnlich sind auch die langen, ausführlich gezeigten Sex-Szenen der beiden Frauen.

Der Jugend Frankreichs gewidmet

Doch trotz des Themas Frauenliebe legt Kechiche kein Werk vor, das sich als Film über ein lesbisches Paar zusammenfassen oder gar auf die Sex-Szenen reduzierten liesse, sondern vielmehr die universelle Geschichte einer grossen Liebe erzählt.

Kechiche sagte bei der Preisverleihung, er wolle den Film und den Preis der «wunderbaren Jugend Frankreichs» widmen, die ihm viel über den «Geist der
Freiheit» beigebracht habe – und der «Jugend der tunesischen Revolution: Für ihr Streben danach, frei zu leben, sich frei auszudrücken und frei zu lieben».

Eine politische Botschaft?

Der Hauptpreis im südfranzösischen Cannes an einen Film über Frauenliebe – das lässt sich auch als eine politische Botschaft der Jury interpretieren: Erst am Sonntag protestierten in Paris erneut Zehntausende gegen das eine Woche zuvor in Kraft getretene Gesetz für gleichgeschlechtliche Partnerschaften.

Sie wollen, dass die Ehe-Öffnung und Gleichbehandlung zurückgenommen wird. Am Mittwoch soll Frankreichs erste echte Homo-Ehe geschlossen werden – in Montpellier wollen zwei Männer heiraten.

Preis für die Coen-Brüder

Der Film «La vie d'Adèle» setzte sich im offiziellen Wettbewerb gegen 19 andere Beiträge durch. Der zweitwichtigste Preis, der Grosse Preis der Jury, ging in diesem Jahr an «Inside Llewyn Davis» von den amerikanischen Brüdern Ethan und Joel Coen. Den Regie-Preis bekam der Mexikaner Amat Escalante für seinen Film «Heli».

Weitere Auszeichnungen

Grosser Preis der Jury: «Inside Llewyn Davis» von Ethan und Joel Coen.

Preis der Jury: «Like Father, Like Son» von Kore-Eda Hirokazu.

Beste Schauspielerin: Bérénice Bejo in «The Past».

Bester Schauspieler: Bruce Dern in «Nebraska».

Bestes Drehbuch: Jia Zhangke (China) für «A Touch Of Sin».

Beste Regie: Amat Escalante (Mexiko) für «Heli».

Sendung zu diesem Artikel