Charakterkopf Sean Penn scheitert als muskelbepackter Actionheld

Für eine Action-Karriere ist es nie zu spät. Liam Neeson war 56, als Regisseur Pierre Morel den Drama-Darsteller zum Knallbumm-Helden umformte. Nun will Morel den 54-jährigen Oscarpreisträger Sean Penn als Mann fürs Grobe etablieren. Doch Penn ist kein zweiter Neeson und «The Gunman» kein Spektakel.

Video «Keine 3 Minuten: «The Gunman»» abspielen

Keine 3 Minuten: «The Gunman»

2:44 min, vom 29.4.2015

Sean Penn spielt in seinem Actionfilm-Debüt einen harten Hund. Das verrät allein schon sein Name: Jim Terrier. Jack Russell hätte ebenfalls gepasst, wäre aber auch nicht viel subtiler gewesen. Im Prolog lernt der Zuschauer besagten Mr. Terrier als Auftragskiller im Kongo kennen. Nachdem er im Namen eines Wirtschaftskonzerns den Bergbauminister ausgeschaltet hat, taucht er in Europa unter. Seine Freundin Annie – gespielt von der über 20 Jahre jüngeren Jasmine Trinca – lässt er unwissend zurück. Freilich nur, um sie nicht in das dreckige Geschäft hineinzuziehen. Acht Jahre später taucht er plötzlich wieder auf. Diesmal leistet er in Afrika humanitäre Arbeit, um sich von seinen Sünden reinzuwaschen. Doch die Geister der Vergangenheit wird er so rasch nicht los: Schon bald wird er gejagt – und die unschuldige Annie mit ihm.

    • Sean Penn mit einem Maschinengewehr in den Händen.

      Bildlegende: Sean Penn zeigt in «The Gunman» seinen strammen Bizeps. Impuls

      Das stärkste Zitat

      «Ich will diesen Scheiss nicht länger machen!» Scharfschütze Jim Terrier (Sean Penn) hat schon nach einer knappen halben Stunde keine Lust mehr, Leute abzuknallen. Und tut’s in den restlichen 90 Filmminuten trotzdem immer wieder – aus Selbstschutz.

    • Regisseur Pierre Morel auf dem roten Teppich in London.

      Bildlegende: Regisseur Pierre Morel - ein Spezialist für Actionfilme. Impuls

      Der Regisseur

      Der am 12. Mai 1964 geborene Franzose Pierre Morel kommt aus der Action-Schmiede von Luc Besson. Dessen publikumsorientierte Filme wirken oft wie Hollywood-Produktionen – ohne so viel zu kosten. Bei «The Transporter» und «Taxi 4» trug Morel als Kameramann zum Erfolg von Bessons höchst rentablem Blockbuster-Kino bei. 2008 gelang Morel mit «Taken» der Durchbruch als Action-Regisseur. Für Sean Penn steht der Name Pierre Morel für «visionäres, intuitives, kommerzielles Kino». Eine Übertreibung im Dienste des Marketings. Nüchtern betrachtet zeichnet sich Morel durch grundsolides Handwerk und einen Sinn für das Mach- und Zahlbare aus.

    • Sean Penn spurtet mit der Pistole in der Hand durch die Stadt.

      Bildlegende: Sean Penn - auf den Spuren von Alain Delon. Impuls

      Fakten, die man wissen sollte

      Erstens: Jean-Patrick Manchettes Roman, auf dem «The Gunman» lose basiert, wurde 1982 schon einmal verfilmt. In «Le choc» spielte Alain Delon die Rolle des Profikillers, der ein besserer Mensch werden will. Zweitens: Sean Penn ist nicht nur der Hauptdarsteller, sondern auch einer der Produzenten von «The Gunman». Die Nebendarsteller Javier Bardem (im Film Terriers Rivale) und Ray Winstone (Terriers alter Kumpel) holte er höchstpersönlich an Bord. Drittens: Humanitäre Arbeit spielt für Sean Penn nicht nur im Film eine zentrale Rolle. Nach der Erdbeben-Katastrophe in Haiti im Jahr 2010 gründete er eine eigene Hilfsorganisation, die inzwischen 350 Entwicklungshelfer beschäftigt. 2012 wurde Penn gar zum Sonderbotschafter für Haiti ernannt.

    • Sean Penn rutscht mit der Pistole in der Hand den Boden entlang.

      Bildlegende: Sean Penn - 54 und kein bisschen müde. Impuls

      Das Urteil

      «The Gunman» ist ein reichlich verworrener Thriller mit kompromiss- und humorloser Action. Wie in den meisten seiner Dramen spielt Sean Penn eine ambivalente Figur. Komplexe Charaktere voller Widersprüche zu verkörpern, liegt gewissermassen in seiner schauspielerischen Natur. Für bedeutungsschwere Stoffe ist das ideal. Eine One-Man-Show wie «The Gunman» hätte dagegen einen Helden gebraucht; einen Star, der das Publikum als Identifikationsfigur mitreisst. Liam Neeson ist der lebende Beweis dafür, dass auch Ikonen der Hochkultur zu Lieblingen des Mainstreams mutieren können. Mit Sean Penn wollte Regisseur Pierre Morel das Kunststück wiederholen – ohne Erfolg. Penn allein für das Scheitern verantwortlich zu machen, wäre allerdings falsch. Die Liebesgeschichte ist haarsträubend unglaubwürdig und Javier Bardem als schmieriger Nebenbuhler schauspielerisch unterfordert. Was für eine Verschwendung von Manpower!

«The Gunman» startet am 30. April in den Kinos.