«Child 44» – Ein Kindermörder im kommunistischen Paradies

1950, die Sowjetunion unter Stalin: Tom Hardy macht Jagd auf einen Serienkiller. Der Film basiert auf einem tatsächlichen Fall und zeigt ein Land, in dem es keine Gutmenschen gibt. Im heutigen Russland darf der Thriller «Child 44» nicht gezeigt werden.

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Keine 3 Minuten: «Child 44»

2:05 min, vom 3.6.2015

Leo Demidov ist Agent des sowjetischen Geheimdienstes. Bis er den Auftrag bekommt seine Ehefrau zu beschatten. Diese ist angeblich eine US-Spionin. Leo weigert sich und wird in die Provinz Volsk versetzt, wo er als einfacher Polizist Dienst schieben muss.

Kurz vor dem Umzug verunfallt Leos Patenkind unter mysteriösen Umständen tödlich. Er findet heraus, dass auch andere Kinder auf ähnlich tragische Weise ums Leben gekommen sind. Leo erkennt ein Muster, glaubt an einen Serienkiller. Seine Vorgesetzten wollen davon nichts wissen. Denn offiziell gibt es in der Sowjetunion keine Serienmörder, diese werden als ein Phänomen des Westens angesehen. Daraufhin recherchiert Leo auf eigene Faust weiter.

    • Mann überreicht anderem mann Papiere

      Bildlegende: Generalmajor Kuzmin (Vincent Cassel) gibt Leo (Tom Hardy) den Auftrag seine eigene Frau zu beschatten. CONCORDE

      Das stärkste Zitat

      «Im Himmel gibt es keine Morde» wird öfter wiederholt. Dabei wird der Himmel mit dem kommunistischen Regime gleichgesetzt.

    • Tom Hardy

      Bildlegende: Leo Demidov ist ein kalter, sowjetischer Geheimagent, der aber ein grosses Herz für Kinder hat. CONCORDE

      Der Schauspieler

      2015 ist das Jahr von Schauspieler Tom Hardy. Aktuell kann man ihn im Endzeitspektakel «Mad Max – Fury Road» sehen. Neben dieser Big-Budget-Produktion und «Child 44» kommt er dieses Jahr mit drei weiteren Filmen ins Kino. Einer davon wird der Ende des Jahres erscheinende Western «The Revenant» sein, in dem er an der Seite von Leonardo DiCaprio spielt.

    • Gary Oldman und Tom Hardy

      Bildlegende: General Nesterov (Gary Oldman) hilft Leo bei der Suche nach dem Serienmörder. CONCORDE

      Fakten, die man wissen sollte

      «Child 44» basiert auf der gleichnamigen Buchvorlage von 2008. Autor des Bestsellers ist der Brite Tom Rob Smith, der sich für sein Werk von wahren Begebenheiten inspirieren liess. Zwischen 1978 und 1990 wütete der Serienmörder Andrei Tschikatilo, auch «Die Bestie von Rostov» genannt, in der Ukraine, Russland und Usbekistan. Über 50 junge Frauen und Mädchen hat der gebürtige Ukrainer ermordet, bevor er gefasst werden konnte. Autor Tom Rob Smith versetzte die Geschehnisse in die Anfangszeit des Kalten Krieges.

    • Soldat hält sowjetische Flagge.

      Bildlegende: Wer 1945 der echte Fahnenträger auf dem Brandenburger Tor war, wurde nie erwiesen. CONCORDE

      Das Urteil

      Die Rollen in «Child 44» sind mit bekannten, internationalen Schauspielern besetzt. Die Palette ist breit: Von Briten über Schweden bis hin zu Franzosen, jedoch ist kein Russe dabei. Dieses Film-Russland ist von Schauspielern bevölkert, die – in der Originalfassung - ein gebrochenes Englisch mit russischem Akzent sprechen. Das wirkt oft peinlich und zerstört jegliches Gefühl von Authentizität. Düster und grau ist die Stimmung des Films, gelacht wird kaum. Ein furchteinflössendes Russlandbild wird gezeigt. Gutmenschen gibt es nicht. Jeder hat Angst. Jeder hat Dreck am Stecken, weil er sich mit der Stalin-Diktatur arrangiert. In Russland wird der Film nicht in den Kinos zu sehen sein. Die Zeit während Stalins Herrschaft sei nicht korrekt dargestellt worden, lautet die Begründung des russischen Kulturministeriums. Hintergrund: Unter Putin gibt es die Tendenz, die Vergangenheit des Landes in einem positiveren Licht erscheinen zu lassen. Stalin wird nicht mehr als menschenverachtender Diktator dargestellt, sondern als Staatsmann und Stratege, der für den Sieg über Nazi-Deutschland verantwortlich war. Zu dieser veränderten Betrachtung der Vergangenheit passt «Child 44» nicht. Das echte Problem des Films liegt aber jenseits der Historie. Er hat keinen Fokus, verliert sich in zu vielen Handlungssträngen. Die Eheprobleme der Demidovs sowie verschiedene politische Intrigen überschatten die Suche nach dem Kindermörder. «Child 44»: eine spannende Geschichte, aus der, trotz ausgezeichneter Schauspielbesetzung, nur ein mittelmässiger Film entstanden ist.

Kinostart: 04.06.015

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