Andrea Staka: «Ich genoss die dunkle Höhle des Kinos»

Andrea Štaka würde gerne einen Film nur über die Schweiz machen – doch die Regisseurin, die zwei Kulturen in sich trägt, schafft das nicht. «Das Anspruchsvollste bei der Regie ist, an seine Ideen zu glauben», schreibt Štaka.

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Andrea Štaka

27 min, aus CINEMAsuisse vom 18.8.2013

Unsere Gefühlswelt ist reich und widersprüchlich. Als ich mit 5 im Kino «Heidi» sah, weinte ich durch. Mit 9 langweilte ich mich bei Bergmans «Zauberflöte», und mit 15 war ich überrascht, einen Film wie Tarkowskis «Spiegel» zu sehen.

All diese Filme haben etwas tief Inniges in mir getroffen, etwas das ich zuvor nicht zu verbalisieren vermochte, aber spürte. Ich genoss die dunkle Höhle des Kinos. Genau diese unbewusste Gefühlswelt treibt mich heute an.

Meine bisherigen Arbeiten waren von meiner Realität geprägt, den beiden Kulturen, die ich in mir trage: die Schweizer und die Ex-Jugoslawische. Dieses Thema verstand man in den 80er-Jahren (noch) nicht so «innerlich». Beziehungsweise das Thema der Migranten und Secondos gab es in der Öffentlichkeit kaum. Anfangs war ich schüchtern, darüber zu berichten, bis ich merkte, dass ich genau aus diesem Dilemma und Reichtum künstlerisch schöpfen wollte.

Ein Bild skizzieren

Ich muß eine Geschichte, ein Thema, eine Figur richtig gut kennen, um sie in Bilder und Töne umsetzen zu können. Das Bild erregt mich dabei am meisten. Ich skizziere, tausche mich mit meinem Kameramann aus, wie sich die Schauspieler darin bewegen sollen, in welche Farben es getränkt wird usw.

Ich würde gerne einen Film «nur» über die Schweiz machen, schaffe es aber nicht. Ich frage mich, ob es diese Realität überhaupt gibt. Ich finde das dänische Kino spannend und radikal. Sie erzählen Geschichten von Heute, von einer Gesellschaft, die europäisch ziemlich privilegiert, oft auch banal ist, schaffen es aber genau aus diesem Alltag eine emotionale Kraft herauszukitzeln.

Die Idee nicht aus den Augen verlieren

Das Anspruchsvollste bei der Regiearbeit ist, bei sich zu bleiben, an seine Ideen zu glauben und sie als ein Licht am Ende des Tunnels nie aus den Augen zu verlieren. Man muss durch viele Instanzen spazieren während der Arbeit an einem Film und seine Ideen mit Partnern und Geldgebern teilen, was zugleich bereichernd, aber auch gefährlich sein kann.

Wie ich mich als Filmemacherin in der Schweizer Tradition sehe? Die Vielfalt und die Eigenverantwortung interessieren mich. Deshalb habe ich auch meine eigene Produktionsfirma mit Thomas Imbach gegründet. So arbeite ich mehr, fühle mich aber freier.

Sendeplatz

«Das Fräulein», Mittwochnacht, 21. Januar 2016 um 00:10 Uhr auf SRF 1

«Cure», Donnerstagnacht, 22. Januar 2016 um 00:15 Uhr auf SRF 1

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