Andrea Staka: Sarajevo, Dubrovnik, Luzern, New York, Zürich

Andrea Štakas filmisches Werk ist nicht gross, doch jeder ihrer Filme ist ein durchkomponiertes Kunstwerk für sich. Ihr erster Spielfilm «Das Fräulein» gewinnt 2006 den Goldenen Leoparden in Locarno und katapultiert sie in die Topliga der Schweizer Regisseure.

Video «Andrea Štaka» abspielen

Andrea Štaka

27 min, aus CINEMAsuisse vom 18.8.2013

Alle Filme von Andrea Štaka sind eng verflochten mit ihrer Herkunft. Ihre Mutter stammt aus Sarajevo, der Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina, der Vater aus Dubrovnik, der Perle Kroatiens, der Stiefvater aus Serbien. Sie selbst ist in Luzern geboren und wächst in Zürich auf. «Während des Kriegs sassen wir am Tisch und haben uns fast die Köpfe eingeschlagen. Ich vertrat die bosnische Seite, mein Vater die kroatische und mein Stiefvater die serbische. Krieg ist etwas so Unverständliches, dass man im Moment nur irrational reagieren kann.»

Mirjana Karanovic als Ruza und Marija Skaricic als Ana im Film «Das Fräulein».

Bildlegende: Mirjana Karanovic als Ruza und Marija Skaricic als Ana im Film «Das Fräulein». SRF

Sarajevo ist die Stadt von Andrea Štakas Mutter, die in den 1970er-Jahren in die Schweiz auswanderte. Immer wieder führen Besuche Andrea Štaka zu ihren Verwandten in den Stadtteil Grbavica. «Früher war Sarajevo die Stadt meiner Kindheit, heute ist es auch eine Stadt der Arbeit geworden.» Vor ein paar Jahren gründet Štaka, gemeinsam mit ihrem Partner und Regisseur Thomas Imbach, ihre eigene Produktionsgesellschaft Okofilm. Heute schreibt sie nicht nur Drehbücher und führt Regie, sondern produziert auch Filme – aktuell das Werk «Loveboat» ihrer bosnischen Regiekollegin Jasmila Spanic.

Eintrittsticket in die Filmförderung

Andrea Štaka besucht die Hochschule der Künste in Zürich. Ihr Abschlussfilm «Hotel Belgrad» läuft an renommierten Festivals und gewinnt Preise. Das ist ihr Eintrittsticket in die Schweizer Filmförderung. 2006 erscheint «Das Fräulein», ihr bislang erfolgreichster Film über drei jugoslawische Emigrantinnen, die in einer Kantine in Zürich aufeinandertreffen. Heute lebt und arbeitet Andrea Štaka mit Partner und Sohn in Zürich.

Ende der 90er-Jahre flieht Andrea Štaka aus der Enge Zürichs nach New York. Hier entsteht der Dokumentarfilm «Yugodivas». Štaka porträtiert fünf Künstlerinnen aus Belgrad, die nach New York gezogen sind. Sie selbst erscheint auch im Film.

Das erste Kriegsflugzeug

Als Kind verbringt Andrea Štaka jedes Jahr ihre Sommerferien bei der Familie ihres Vaters in Dubrovnik am Meer – bis 1991. Dann fliegt das erste Kriegsflugzeug über den Strand. Die Stimmung, die in der Stadt während der frühen 90er-Jahre herrscht, inspiriert Štaka zu ihrem neuen Spielfilm «Cure» – deutsch: «Mädchen». Es ist dies erst ihr zweiter Kinospielfilm, und er basiert auf einer überlieferten Geschichte: Zwei junge Mädchen wandern durch den verwunschenen Wald von Dubrovnik. Doch nur eines von ihnen kehrt am nächsten Tag nach Hause zurück.

Nach dem grossen Erfolg ihres Films «Das Fräulein» lässt sich Andrea Štaka sieben Jahre Zeit für die Entwicklung von «Cure». Der Film soll im Herbst 2013 in die Kinos kommen.

Sendeplatz

«Das Fräulein», Mittwochnacht, 21. Januar 2016 um 00:10 Uhr auf SRF 1

«Cure», Donnerstagnacht, 22. Januar 2016 um 00:15 Uhr auf SRF 1

Sendung zu diesem Artikel