Jean-Stéphane Bron: Mit scharfem und ironischem Blick

Ob Schweizer Parlamentsbetrieb, die Fichenaffäre oder die amerikanische Hypothekarkrise: Jean-Stéphane Brons Dokumentarfilme kommen nicht nur beim Publikum an, sondern stossen auch an Festivals international auf grosse Resonanz.

Seine Filme sind nie spontan: Jean-Stéphane Bron.

Bildlegende: Seine Filme sind nie spontan: Jean-Stéphane Bron. SRF

Mit gerade einmal vier Filmen hat sich Jean-Stéphane Bron als einer der talentiertesten Schweizer Regisseure seiner Generation etabliert. Er wirft einen scharfen, ironischen Blick auf Welten, die ihm fremd sind. Und er spiegelt sie in leidenschaftlichen Filmen, die gleichzeitig treffend und frech sind.

In der Deutschschweiz macht sich Bron vor allem mit dem Dokumentarfilm «Mais im Bundeshuus» einen Namen. Der Filmemacher verfilmt darin das zähe Ringen um ein Gesetz zur Gentechnologie. Bron gibt der abstrakten Materie des Politikalltags ein menschliches Gesicht. Wie kommt ein Gesetz zustande? Wie werden politische Entscheidungen ausgefochten? Was haben (persönliche) Interessen und Seilschaften mit der Gesetzgebung zu tun?

«Mais im Bundeshuus» ist ein Polit-Thriller der besonderen Art und gibt einen einmaligen Einblick ins Räderwerk der helvetischen Tagespolitik. Der Film wird 2004 in Solothurn mit dem Schweizer Filmpreis in der Kategorie Dokumentarfilm geehrt.

Ein fiktiver Prozess

Keith Fisher (r.) aus dem Film «Cleveland versus Wall Street».

Bildlegende: Keith Fisher (r.) aus dem Film «Cleveland versus Wall Street». SRF/Jean-Stéphane Bron

Mit «Cleveland versus Wall Street» aus dem Jahr 2010 lässt Bron die Grenzen der Schweiz und des Dokumentarfilms hinter sich. Der Film – eine gekonnte Mischung aus Wirklichkeit und Parabel, grosser Politik und Alltagsgeschichten – erhält 2011 den Schweizer Filmpreis Quartz.

Der Film stellt die einzelnen Phasen eines Gerichtsverfahrens nach, das hätte durchgeführt werden sollen, um den Opfern der Immobilienkrise in Cleveland zu ihrem Recht zu verhelfen. Es ist ein fiktiver Prozess, basierend auf Tatsachen. Der Film ist nicht mit Schauspielern, sondern mit Beteiligten und Betroffenen besetzt – inklusive echtem Beweismaterial und echten Zeugenaussagen.

Am 11. Januar 2008 klagen Anwalt Josh Cohen und seine Kanzlei im Auftrag der Stadt Cleveland gegen 21 Banken, die sie für die verheerenden Auswüchse der Immobilienkrise in der Stadt verantwortlich machen.

Dokumentarfilme inszenieren

Jean-Stéphane Brons Filme sind nie spontan. Ihnen liegt eine langdauernde, minutiöse Vorbereitung zugrunde. «Der Dokumentarfilm kann sich nicht aufs Beobachten beschränken. Es bedarf einer Inszenierung», beschreibt Jean-Stéphane Bron. «Und beim Schnitt wird alles neu erfunden.

Die Wirklichkeit dient lediglich als Ausgangspunkt.» Jean-Stéphane Brons aktuelles Filmprojekt dürfte wiederum Wellen werfen: Es ist ein Dokumentarfilm über eine der umstrittensten Politkerpersönlichkeiten der Schweiz: Christoph Blocher.

Sendeplatz

Mittwoch, 21. August 2013 um 21:40 Uhr auf SRF zwei

«Wie eine richtige Familie», Mittwoch, 21. August um 20:00 Uhr auf SRF zwei

«Cleveland versus Wall Street», Mittwoch, 21. August um 00:05 Uhr auf SRF 1

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