Dan Browns «Inferno»: Viele Codes, aber keine Zeit zum Miträtseln

Abgehackte Beine, entstellte Gesichter, unzählige Tote: Die dritte Dan-Brown-Verfilmung beginnt mit gruseligen Visionen, die den Filmhelden Robert Langdon heimsuchen. Droht eine Pandemie? Das Rätsel muss schleunigst gelöst werden. So schnell, dass fürs Publikum zum Mitdenken keine Zeit bleibt.

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Im Kino: «Inferno»

2:18 min, aus Keine 3 Minuten – Die Filmkritik für Eilige vom 12.10.2016

Die Polizei und die Weltgesundheitsorganisation sind hinter Professor Robert Langdon (Tom Hanks) her. Warum, weiss Langdon nicht, als er mit einer Amnesie in einem Florentiner Krankenhaus erwacht. Grauenhafte Bilder von zerstückelten Menschen geistern in seinem Kopf herum.

Millionen von Menschen in Gefahr

Langdon vertraut seine Sorgen der jungen Ärztin Sienna Brooks (Felicity Jones) an. Gemeinsam versuchen sie, seine Erinnerungsfetzen wie Puzzleteile zusammenzusetzen. Bald müssen sie mit Schrecken feststellen, dass das Leben von Millionen von Menschen auf dem Spiel steht.

Schnitzeljagd durch halb Europa

Sie finden heraus, dass der durchgeknallte Schweizer Biochemiker Bertrand Zobrist ein Virus entwickelt hat. Damit will er die Überpopulation auf der Erde eindämmen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Substanz freigesetzt wird.

Langdon findet Hinweise auf Zobrists Pläne in Botticellis Karte der Hölle, diese wiederum führt ihn zu Dantes «Inferno». Damit beginnt eine gefährliche Schnitzeljagd durch halb Europa.

    • 1.
      Das protzigste Zitat
      Auf dem Bild ist Felicity Jones zu sehen.

      Bildlegende: Naseweis Sienna Brooks (Felicity Jones) weiss erstaunlich viel. DISNEY

      Kaum hat Sienna Brooks einen Hinweis in der Hand, entschlüsselt sie schon das Geheimnis. Ihre Erklärung? «Ich studierte Dante, als ich jünger war.» Ja, die neunmalkluge Ärztin gibt gerne mit ihrem Wissen an. Langdon verdreht die Augen und setzt einen obendrauf: «…wahrscheinlich im Kindergarten!»

    • 2.
      Der Schauspieler
      Auf dem Bild ist Tom Hanks zu sehen.

      Bildlegende: Tom Hanks rätselt wieder als Robert Langdon. DISNEY

      Tom Hanks zog als 23-Jähriger in die Kulturmetropole New York. Er hoffte, der Umzug würde seiner jungen Schauspielkarriere einen Schub verleihen – und so war es dann auch. Hanks lernte bei einem kurzen Gastauftritt in der TV-Serie «Happy Days» den Schauspieler und Regisseur Ron Howard kennen. Durch diese schicksalhafte Begegnung angelte sich Hanks eine Rolle in Howards Filmkomödie «Splash». Als seriöser Charakterdarsteller etablierte er sich erst viel später mit Dramen wie «Philadelphia» (1993), «Saving Private Ryan» (1998) und «Cast Away» (2000). Seit 2006 ist der zweifache Oscarpreisträger immer wieder in der Rolle von Robert Langdon zu sehen – dem berühmten Helden von Dan Browns Bestsellern. Und wer führt jeweils Regie bei den Hollywood-Verfilmungen? Natürlich Ron Howard!

    • 3.
      Fakten, die man wissen sollte
      Ron Howard lacht in die Kamera und zeigt den Daumen.

      Bildlegende: Regisseur Ron Howard liebte es, in Florenz zu drehen. DISNEY

      Nicht nur Langdons Gedächtnis steht in «Inferno» Kopf. Auch was die Reihenfolge von Langdons Abenteuern betrifft, herrscht im Kino ein Durcheinander. Die Buchreihe beginnt mit «Illuminati» («Angels & Demons»), verfilmt wurde aber zuerst dessen Nachfolger «Sakrileg» («The Da Vinci Code»). Die dritte Geschichte «Das verlorene Symbol» («The Lost Symbol») wiederum wurde gar nicht verfilmt. Ganz schön verwirrend! Doch trotz anderer Chronologie – immerhin in einem Punkt sind sich Regisseur Ron Howard und Buchautor Dan Brown einig: Die Thematik von «Inferno» – die Überbevölkerung – dürfte derzeit mehr Zuschauer interessieren. Punkto Aktualität haben Howard und Brown sicherlich Recht: Schliesslich wächst unsere Bevölkerung schneller denn je.

    • 4.
      Das Urteil
      Tom Hanks liest einen Text, der in einer Maske eingraviert wurde.

      Bildlegende: Hier wird nicht lange geknobelt. DISNEY

      Abgehackte Beine, entstellte Gesichter und unzählige Tote. Fiebertraum oder Prophezeiung? Die Halluzinationen des Professors würden eigentlich zum Miträtseln einladen. Eigentlich. Denn zum Lösen der Rätsel lässt uns der Film leider keine Zeit. Stattdessen hetzen wir mit Robert Langdon und Sienna Brooks rund um die Welt. Die klauen da rasch eine Maske und entziffern dort noch kurz eine uralte Karte, um fürs Finale schliesslich noch kurz nach Istanbul zu düsen. Uns bleibt nur das grosse, unbeteiligte Staunen: Die Rätsel rund um Dantes Hölle werden in Windeseile geknackt. Zudem geht einem die Ärztin Brooks mit der Zeit mächtig auf die Nerven, da sie alle fünf Minuten einen superintelligenten Spruch reissen muss. So bleibt das schlechte Gefühl, trotz guter Besetzung und spannendem Auftakt nur einen durchschnittlichen Mystery-Thriller gesehen zu haben. Schade!

Kinostart: 13.10.2016