David Cronenberg lässt die Traumfabrik platzen

David Cronenbergs neuer Film beleuchtet das dysfunktionale Hollywood. «Maps to the Stars» handelt von Schauspielern, Psychoanalyse und Familiengeschichten. Cronenbergs jüngstes Werk ist gut, von ihm erwartet man aber mehr.

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So vereint man Satire und Horror

4:10 min, aus 10vor10 vom 20.8.2014

Wenn David Cronenberg sich die Promi-Welt Hollywoods vorknöpft, darf man durchaus gespannt sein. Aber sein satirischer Thriller «Maps to the Stars» aus der Feder von Bruce Wagner knüpft selten an das halbe Dutzend Filme des kanadischen Regisseurs an, die wir schon kennen.

Der Film handelt von paranoiden Has-Beens, Startherapeuten und verzogenen Gören, die Los Angeles und insbesondere Beverly Hills bevölkern. Im Zentrum stehen Julianne Moore, eine von Mutter-Problemen geplagte Schauspielerin auf dem absteigenden Ast und John Cusack, ihr Therapeut, der selber etliche dunkle Geheimnisse verdrängt.

Geheimnisvoll und arrogant

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Szene aus «Maps to the Stars»

1:37 min, vom 20.5.2014

Dazu gesellen sich die geheimnisvolle junge Agatha (Mia Wasikowska) und der Schauspieler und Drehbuchautor (Robert Pattinson). Sie hat Brandnarben am ganzen Körper und ist vordergründig heftig begeistert von Tinsel Town. Er verdient seinen Lebensunterhalt als Mietlimousinenfahrer.

Auch mit dabei ist der junge Fernsehstar Benjie Weiss (Evan Bird): ein arrogantes kleines Arschloch mit unbewältigter Vergangenheit und Eltern, die seine Karriere vorantreiben.

Wilde Hollywood-Geschichten

Cronenbergs satirische Zeichnung Hollywoods ist so realistisch, dass wir gerne bereit sind, alles für bare Münze zu nehmen. Auch wenn wir uns wundern müssten, wie unter solchen Umständen Filme überhaupt entstehen können.

Aber die wilde Geschichte von frühkindlichen Traumata, Inzest, Erscheinungen, Pillen, Studioverträgen mit Rehab-Klauseln trägt alles in allem nicht dicker auf, als wir das eh schon kennen.

Vielleicht ist dies das Problem des Films: Er bräuchte seinen phantastischen Plot nicht. Er würde bestens funktionieren als Dokufiktion über Eitelkeiten und das Hollywood-Geschäft.

Bei einem Cronenberg sind die Ansprüche hoch

Portrait David Cronenberg

Bildlegende: Cronenberg ist zu gut, als dass man mit weniger als dem Besten zufrieden wäre. Pathé Films

Cronenberg beherrscht das Handwerk, und so nimmt der Film mit vielen schönen Anspielungen und Querbezügen seinen ausgeklügelten Verlauf. Nach zähem Anfang macht der Film sogar Spass – vor allem, weil Julianne Moore einmal mehr ohne Rücksicht auf das eigene Image der Schauspielerinnensau Zucker gibt. Und weil Mia Wasikowska zwischen derangiert und anziehend ganz entzückend natürlich wirkt.

Aber im Prinzip hatten wir das ganze Brimborium schon wilder, schöner und phantastischer bei Robert Altman (The Player, 1992) oder Brian de Palma (The Phantom of Paradise, 1974) gesehen. Von Cronenberg sind wir herausragende Filme gewohnt. Wenn einer bloss gut gemacht ist, erfüllt das die Erwartungen eben nicht mehr.