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Film & Serien «Deadpool»: Der durchgeknallte Superheld mit starkem Sexualtrieb

Er ist kontrovers und pervers: «Deadpool». Freunde derber Action wird es freuen, dass das Comic-Haus Marvel nicht nur geleckten und korrekten Helden eine eigene Bühne gibt. Aussergewöhnlich: Der Film ist erst ab 16. Ein Freipass für den totalen Tabubruch?

Legende: Video Im Kino: «Deadpool» abspielen. Laufzeit 02:11 Minuten.
Aus Keine 3 Minuten – Die Filmkritik für Eilige vom 11.02.2016.

Deadpool ist gewalttätig, flucht, säuft und seine Sprüche sind voller sexueller Anspielungen. Das passt so gar nicht ins Bild eines ehrenhaften Superhelden. Doch Deadpool ist kein Held, aber ein Schurke ist er auch nicht. Was ist er überhaupt?

Der dreiste Antiheld war bisher ein Underdog im Marvel-Universum. Deshalb rollt der Film seine Entstehungsgeschichte auf. Deadpool heisst eigentlich Wade Wilson. Ein Söldner mit grosser Klappe, der auf sich alleine gestellt ist, bis er sich Hals über Kopf in eine Prostituierte verliebt. Kurz bevor er beschliesst den Rest seines Lebens mit ihr zu verbringen, wird bei ihm Krebs im Endstadium diagnostiziert. Dumm gelaufen. Doch Wade erhält ein Angebot für ein dubioses Heilungsprogramm. Weil er nichts zu verlieren hat, findet er sich in einer schrägen Anstalt wieder, die Mutanten kreiert. Was er nicht weiss, die Mutanten sollen danach versklavt werden. Wieder dumm gelaufen für ihn. Wade wird zwar von seinem Krebsleiden geheilt, doch der Preis dafür ist ein völlig entstellter Körper. Mit seinen neuen Superkräften büxt er aus und schwört Rache an denen zu nehmen, die ihn zum Monster gemacht haben.

  • 1. Ein lustiges Zitat

    Deadpool stopft einem Schurken einen glühenden Zigarettenanzünder in den Mund und sagt: «Hätte nicht gedacht, dass ich das jemals sagen würde, aber nicht schlucken!»

  • 2. Der Schauspieler

    Den Kandier Ryan Reynolds kennt man hauptsächlich aus leichten Liebeskomödien («The Proposal»). Mit der Figur Deadpool verbindet Reynolds eine langjährige Freundschaft. Nicht nur weil er ein bekennender Fan ist, sondern weil er den verrückten Antihelden schon mal verkörpern durfte. 2009 spielte er ihn in «X-Men Origins: Wolverine». Allerdings war es nur eine kleine Nebenrolle. Der derbe Kern des grossmäuligen Mutanten ging dabei völlig unter.

  • 3. Fakten, die man wissen sollte

    Damit Superhelden-Filme möglichst viel Kasse machen, entschied man sich bei Marvel hauptsächlich für sanfte und jugendfreundliche Kino-Versionen. Das ändert sich mit «Deadpool». Nach acht Jahren ist es wieder die erste Comic-Verfilmung des Verlages mit einem «R-Rating». Das bedeutet, dass in den USA Jugendliche unter 17 Jahren nur in Begleitung eines Erwachsenen in den Film dürfen. In der Deutschschweiz ist der Film ab 16. Eine beschränkte Altersfreigabe bedeutet meist weniger Zuschauer. Weniger Zuschauer bedeutet weniger Einnahmen für das Filmstudio. Deshalb ist «Deadpool» auch ein Experiment. Nach langer Zeit ist es das erste Action-Spektakel von einem grossen Hollywood-Studio, das nicht auf Sicherheit setzt, sondern auf einen neuen Antihelden-Trend hofft.

  • 4. Das Urteil

    Eine Alterseinschränkung ist gewissermassen auch ein Freipass zum Tabubruch. Es ist lange her, dass man einen grossen Hollywood-Actionfilm gesehen hat, in dem so viel Blut spritzt und die Sprüche stets unter der Gürtellinie landen. Das provoziert und polarisiert. Was man als anstössig oder gewaltverherrlichend verurteilen kann, werden Fans ganz anders sehen. Denn «Deadpool» bleibt der Comic-Vorlage treu und schont das Kino-Publikum nicht. Konsequent bleibt er auch, in dem er, wie im Comic, die «vierte Wand» durchbricht. Deadpool weiss, dass er in einem Film ist und spricht den Zuschauer direkt an. Solche Spielereien – und auch die vielen, kreativen Anspielungen auf andere Filme – machen das Spektakel zu einem Spass für Kenner. Aber auch wer kein Film-Nerd ist, wird Vergnügen an dem absurd- schrägen Superhelden finden. Denn Deadpool hebt sich definitiv vom Einheitsbrei ab.

Kinostart: 11. Februar 2016

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