Der amerikanische Traum in Rauch aufgegangen

Krisengeschüttelt und kriegsmüde: Die USA kurz vor Ende der Bush-Ära. Die Stimmung der Bevölkerung ist mies. «Out of the Furnace» ist ein Psychogramm dieser Zeit, das von seinem Schauspielerensemble lebt.

Video «Filmkritik: «Out of the Furnance»» abspielen

Filmkritik: «Out of the Furnance»

4:00 min, vom 3.7.2014

Es ist heiss und stickig. Russel (Christian Bale) streift sich die Maske vom Schutzanzug ab und ringt nach Luft. Doch die Luft ist schwer und von Russ durchzogen. Die Arbeit in den Stahlwerken von Amerikas «Rust Belt» ist hart und dem Untergang geweiht. Mit der Unsicherheit im Nacken, jederzeit seinen Job verlieren zu können, versucht Russel, sich sein bescheidenes Leben aufrecht zu erhalten. Was bleibt ihm auch anderes übrig.

Woody Harrelson und Christian Bale stehen sich gegenüber.

Bildlegende: Starke Leistung: Woody Harrelson vs Christian Bale. Ascot-Elite

Und sein jüngerer Bruder Rodney (Casey Affleck)? Der hat keine Lust, sich die Hände dreckig zu machen und wie der Vater unter der Last der Arbeit frühzeitig zu krepieren. Doch wo liegen die Perspektiven in einem runtergekommenen Industrie-Kaff? Rodney wird Soldat. Mehrere Male wird er durch die Kriegshölle im Irak geschleust. Um danach als verbrauchter, traumatisierter Soldat wieder im Alltag ausgespuckt zu werden.

Er gerät auf die schiefe Bahn. Häuft Wettschulden an. Um die abzubauen, boxt er bei illegalen Hinterhofkämpfen. Das kann nicht lange gut gehen. Tut es auch nicht. Er lässt sich auf unberechenbare Hillbilly-Gangster ein und verschwindet im Mafia-Gebirge, wo eigene Gesetze herrschen. Sein Bruder Russel macht sich auf die Suche und legt sich mit der Polizei und irren Provinz-Killern an.

Schauspieler in Hochform

Auf einer Brücke stehen Zoë Saldaña, Scott Cooper und Christian Bale (von links).

Bildlegende: Regisseur Scott Cooper (mitte) bringt Darstellern, Zoë Saldaña und Christian Bale die wahre Kulisse von Braddock nahe. Relativity Media

Der Regisseur Scott Cooper hat ein Faible für melancholische Sozialdramen. In seinem Spielfilmdebüt «Crazy Heart» war es die Schwermüdigkeit von Alkohol und Countrymusik, die Jeff Bridges zu seinem ersten Oscar verhalfen. Da musste der Regisseur für die schillernde Besetzung von «Out of the Furnace» vermutlich nicht hausieren gehen. An der Spitze ein Christian Bale in Hochform. Ohne Batman-Maske verkörpert er ungeschliffen und verletzbar den bodenständigen «Blue Collar»-Amerikaner, den Industriearbeiter.

An seiner Seite ein brillant-zorniger Casey Affleck als geladener Kriegsveteran im jugendlichen Leichtsinn. Auch Woody Harrelson zuzuschauen, wie er den wahnwitzigen Superbösewicht gibt, ist eine düstere Freude. Die ganze Darstellungswucht wird dazu mit den Nebenrollen ergänzt. Bescheiden wurden diese mit Willem Dafoe, Forest Whitaker, Zoë Saldaña und Sam Shepard besetzt.

Aufstieg und Fall einer Industriestadt

Inspiriert wurde Scott Cooper durch die Kleinstadt Braddock. Eine Industriesiedlung bei Pittsburgh, Pennsylvania. Zuerst entdeckte er den Ort, dann schrieb er die Geschichte. Braddock war einst ein stolzer Teil des «Manufacturing Belt» und Zentrum der Stahlindustrie. Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts lebten dort rund 20‘000 Einwohner.

Doch Wirtschaftskrisen und der Niedergang der Schwerindustrie in den 70er-Jahren, liessen die Stadt am Ende auf rund 2'300 Einwohner schrumpfen. Braddock ist ein Vorzeige-Verlierer der Globalisierung. Doch die verbliebenen Einwohner sind stolze Menschen. Mit ihrem kreativen Bürgermeister John Fetterman, will die Stadt neu auferstehen. Vor allem sollen dort jetzt Künstler und «Urban Farmers» der Stadt einen frischen Anstrich geben.

Zu lang, aber keine Langeweile

«Out of the Furnace» ist ein maskulines Rache-Drama und spiegelt das Lebensgefühl einer zerfallenden Industriesiedlung. Leider verläuft sich der Film in den einzelnen Vorgeschichten der Charaktere. Bis der Hauptakt beginnt, vergehen 50 Minuten. Der Film weckt hohe Erwartungen, drückt in der Mitte auf die Bremse und zieht zum Schluss wieder an. Auch wenn «Out of the Furnace» teilweise unnötig in die Länge gezogen wird, wird der Film nicht langweilig. Dank dem tollen Schauspielensemble kriegt der Film die Kurve.