Der Animationsfilm «The Wind Rises» sorgt für politischen Wirbel

Oscarpreisträger Hayao Miyazaki ist weltberühmt für animierte Märchenfilme. Mit «The Wind Rises» schlägt er einen anderen Weg ein. Er erzählt von Japan zwischen den Weltkriegen und vom Erfinder eines Kampfflugzeugs. In seiner Heimat geriet der Film deshalb ins Kreuzfeuer der Kritik.

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Filmkritik: «The Wind Rises»

4:18 min, vom 10.9.2014

Die Animationsfilme von Regisseur Hayao Miyazaki haben in Japan den Status von Nationalheiligtümern. Mit seinem letzten Film löste er eine Kontroverse aus. «The Wind Rises» erzählt die Geschichte von dem in Japan sehr bekannten und umstrittenen Flugzeugingenieur Jiro Horikoshi. Der entwickelte eine Killermaschine: den Mitsubishi A6M Zero Fighter. Die Maschine galt während des 2. Weltkriegs für drei Jahre als das beste Kampfflugzeug der Welt. Traurige Berühmtheit erlangten die Zeros durch den Angriff auf Pearl Harbour und weil mit ihnen die Kamikaze-Piloten ihre Selbstmordangriffe durchführten.

Eine junge Frau steht am Ende einer Treppe, wo sie einem jungen Mann in die Augen schaut.

Bildlegende: Nahoko und Jiro: Eine wunderschön-realistische Liebesgeschichte. FRENETIC

Kontroverse zum Abschied

«The Wind Rises» hat in Japan grosse Wellen geschlagen. Rechte Nationalisten bezeichneten Regisseur Miyazaki als Verräter. Sie meinten, sein Film wäre anti-japanisch, weil er nur die Sinnlosigkeit des Krieges zeige. Die Linke Japans wiederum empfand den Film als kriegsverherrlichend. Die Debatte fand vor dem Hintergrund statt, dass in Japan heftig diskutiert wird, das Militär massiv auszubauen. Noch nie erfuhr Miyazaki so viel Kritik in seiner Heimat. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – war «The Wind Rises» letztes Jahr der umsatzstärkste japanische Film.

Flugzeuge sind wunderschöne Träume

Miyazaki reagierte auf die Debatte ambivalent. Auf der einen Seite verurteilte er den japanischen Militarismus der 20er-, 30er- und 40er-Jahre, sagte aber gleichzeitig, dass die Zero-Kampfflugzeuge und ihre Piloten etwas wären, worauf Japan stolz sein könne. Eine klare Aussage kann man das nicht nennen.

Ein japanischer Junge sitzt im Flugzeug und düst durch die Luft.

Bildlegende: Jiro Horikoshi träumte schon als kleiner Junge vom Fliegen. FRENETIC

Miyazaki begeistert sich sein Leben lang für die Luftfahrt. In vielen seiner Filme gibt es Flugapparate und sogar schwebende Schlösser. Und so fokussiert er seine Erzählung auf Jiro Horikoshi und dessen Herzenswunsch Flugzeuge zu bauen. Aber «The Wind Rises» ist kein Film, der die biografischen Details von Jiro Horikoshi abarbeitet. Im Film vermischen sich die Grenzen von Himmel und Erde, von Realität und Traum. Typisch Miyazaki eben. Dabei geht es dem Filmemacher darum, zu zeigen, dass Träume ein Element des Wahnsinns besitzen. Miyazaki sieht im Zero-Kampfflieger Schönheit – gleichzeitig aber auch das Symbol für die Gräuel in unserer Welt.

Kein Kinderfilm

Miyazaki hat sich mit 73 Jahren selbst in den Ruhestand geschickt. Mit seinem letzten Film «The Wind Rises» drehte er seinen ersten Erwachsenenfilm. Hier steht nicht sein Markenzeichen – fantasievolle Kreaturen und fantastische Welten – im Vordergrund. Das findet sich auch im Stil des Films wieder. Überspitzt könnte man formulieren: Miyazaki tauscht Expressionismus gegen Impressionismus, Kindermärchen gegen Dokumentarfilm. «The Wind Rises» ist ein imposantes und melancholisches Kunstwerk. Auch wenn die Begeisterung für ein Kampfflugzeug befremdlich ist.

Hayao Miyazaki

Der Anime-Meister Hayao Miyazaki gründete 1985 das weltberühmte Ghibli-Filmstudio in Tokio. Seine bekanntesten Animationsfilme sind «Chihiros Reise ins Zauberland» und «Prinzessin Mononoke».