Gus Van Sant wird 65 Der Regisseur, der Aussenseiter zu Helden macht

Er ist ein Insider in Hollywood, seine Filme aber widmet er Aussenseitern: Regisseur Gus Van Sant wird 65. Zum Geburtstag empfehlen wir fünf seiner Filme.

Porträt Gus Van Sant

Bildlegende: Regisseur Gus Van Sant hat ein grosses Herz für Aussenseiter. Imago/Milestone Media

«Ich bin ein isolierter Mensch. Ein Eremit», sagte Gus Van Sant 2009 in einem Interview mit der Wochenzeitung «Die Zeit».

Das stimmt nicht ganz. Der US-amerikanische Regisseur und Produzent hat mit Stars wie Nicole Kidman, Matt Damon und Sean Connery zusammengearbeitet. Seine Filme führten ihn nach Cannes, Venedig und an die Oscar-Verleihung.

Trotzdem blieb er in Hollywood ein Aussenseiter. Auch sein filmisches Interesse galt immer den Aussenseitern. Seine interessantesten Filme spielen am Rand der Gesellschaft. Seine Protagonisten sind Stricher, Drogenabhängige, Lebensmüde.

Nicht alle Filme von Gus Van Sant sind sehenswert. Einige fielen regelrecht durch, etwa sein Remake von Alfred Hitchcocks «Psycho» (1998). Oder sie triefen vor Kitsch, wie sein neuster Film «The Sea of Trees» (2015).

Doch unter seinen 16 Spielfilmen sind einige, die es sich zu sehen lohnt. Zum 65. Geburtstag empfehlen wir fünf seiner Filme.

«Milk» (2008)

Sean Penn lacht und hält Faust in die Höhe.

Bildlegende: Doppelter Aussenseiter: Sean Penn als Harvey Milk. Imago/Cinema Publishers Collection

Der Aussenseiter: Als schwuler Mann gehörte Harvey Milk einer Minderheit an. Sein politisches Engagement machte ihn auch in der Gay-Community zu einem Aussenseiter.

Mit seiner Wahl in den Stadtrat von San Francisco 1977 war er die erste offen homosexuelle Person in Kalifornien, die in ein öffentliches Amt gewählt wurde. Er ist bis heute eine Ikone der LGBT-Bewegung. Der Film «Milk» erzählt seine Geschichte.

Der Film: Das Porträt einer schwulen Galionsfigur kommt nicht von ungefähr. Gus Van Sant ist selbst homosexuell und gilt als prominenter Vertreter des queeren Kinos.

«Milk» erntete bei Publikum und Kritikern viel Beifall. Er war für acht Oscars nominiert. Gewonnen hat er jene für das beste Drehbuch und für den besten Darsteller: Sean Penn als Harvey Milk.

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«To Die For» (1995)

Joaquin Phoenix, Casey Affleck, Allison Folland stehen mit Spraydosen vor einer Wand.

Bildlegende: Drei ausgenutzte Aussenseiter: Jimmy (Joaquin Phoenix), Russell (Casey Affleck) und Lydia (Allison Folland). Imago/EntertainmentPictures

Die Aussenseiter: Suzanne Stone will nur eines: eine national bekannte Fernsehmoderatorin werden. Doch ihr Mann steht ihr im Weg. Kurzerhand verführt sie drei abgehängte Schüler dazu, ihn aus dem Weg zu räumen.

Der Film: Nicole Kidman glänzt in der Rolle der kaltblütigen Karrierefrau. Die Figur ist von einem realen Fall inspiriert. Ihr zur Seite stehen Joaquin Phoenix, Casey Affleck und Allison Folland als manipulierte Handlanger. Gus Van Sant erzählt die Geschichte in der Form eines Mockumentary.

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«Elephant» (2003)

Alex Frost in «Elephant».

Bildlegende: In «Elephant» wird Alex vom Opfer zum Täter. Imago/EntertainmentPictures

Die Aussenseiter: Zwei Teenager werden von ihren Mitschülern gemobbt – mit tragischen Konsequenzen: Im Internet bestellen sie Waffen und verüben an ihrer Schule ein Massaker.

Der Film: Der wohl kontroverseste Film von Gus Van Sant ist vom Massaker an der Columbine High School von 1999 inspiriert. Der Regisseur erzählt die Geschichte in mehreren ineinander verschachtelten Episoden. Diese sind aus Sicht verschiedener Schüler gefilmt und vermitteln eine erschütternde Ruhe.

Der Film gewinnt die Goldene Palme am Filmfestival von Cannes.

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«My Own Private Idaho» (1991)

Keanu Reeves und River Phoenix in «My Own Private Idaho».

Bildlegende: Keanu Reeves und River Phoenix spielen in «My Own Private Idaho» zwei Stricher. Imago/United Archives

Die Aussenseiter: Mike und sein bester Freund Scott sind Stricher in Portland, Oregon. Als Vaterersatz für beide fungiert Bob, der sogenannte «König der Aussätzigen». Die Suche nach Mikes Mutter führt ihn und Scott nach Idaho und Italien.

Unterwegs gesteht Mike Scott seine Liebe, die dieser aber nicht erwidert, weil er nicht schwul ist. Scott verliebt sich in eine Frau und die Wege der beiden trennen sich.

Der Film: Das Drehbuch von Gus Van Sant basiert lose auf dem Stück «Henry IV.» von William Shakespeare. Die Hauptrollen in der durchgeknallten Milieustudie spielen Keanu Reeves als Scott und der hinreissende River Phoenix. Der ältere Bruder von Schauspieler Joaquin Phoenix gewann dafür mehrere Preise. Zwei Jahre später starb er an einer Überdosis.

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«Good Will Hunting» (1997)

Matt Damon und Robin Williams sitzen nebeneinander und schauen sich an.

Bildlegende: Aussenseiter trifft auf Aussenseiter: Matt Damon und Robin Williams in «Good Will Hunting». Imago/United Archives

Der Aussenseiter: Will Hunting (Matt Damon) putzt Gänge im College – und löst heimlich ein komplexes mathematisches Problem, das ein Professor seinen Studenten in Auftrag gibt. Der Professor entdeckt das Genie und will es fördern, scheitert aber an Wills Unwille, sich Herausforderungen zu stellen.

Er schickt ihn zu einem Psychologen (Robin Williams), der durch den Tod seiner Frau selbst zum Aussenseiter geworden ist. Die spannungsvolle Beziehung führt beide auf neue Pfade.

Der Film: Good Will Hunting ist mit Abstand Gus Van Sants kommerziell erfolgreichster und beliebtester Film. Matt Damon schrieb zusammen mit Ko-Star Ben Affleck das Drehbuch. Dafür gab’s einen Oscar, wie auch für Robin Williams als bester Nebendarsteller.

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