«Der Teufelsgeiger» – David Garrett vergeigt Paganini

Niccoló Paganini war der Rockstar des 19. Jahrhunderts: Keiner spielte die Geige so teuflisch gut. David Garrett ist der Rockstar der heutigen klassischen Musik. Auch er spielt die Geige virtuos. Doch ist er ein Paganini? Nein. Dazu fehlt ihm das wichtigste Attribut: das Teuflische.

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David Garrett in «Der Teufelsgeiger»

2:00 min, vom 7.11.2013

Niccoló Paganini (David Garrett) schlägt sich mehr schlecht als recht als Pausengeiger zwischen Theaterdarbietungen durchs Leben. Da taucht der Teufel auf, als Impresario Urbani (Jared Harris) und bietet ihm seine Dienste an. Der Preis: Er will die Seele des Violinisten nach dessen Tod. Paganini geht den Pakt ein und startet eine Musikerkarriere sondergleichen.

Der überflüssigste Dialog

«Ist das die einzige Kutsche, die Sie haben? – Selbstverständlich, Sir. – Wir haben einiges an Gepäck. – Es ist sehr viel Platz da oben», sagt Paganinis Manager zum Operndirektor in London bei der Ankunft. Nur eines von vielen Beispielen für die Wortgewalt der Dialoge.

Fakten, die man wissen sollte

Niccolò Paganinis im Porträt

Bildlegende: Nicht ganz so schön wie David Garrett: Niccolò Paganini, gemalt von Eugène Delacroix, 1832. Wikimedia

Niccoló Paganini (1782-1840) war ein Superstar. Er kreierte Kadenzen und Harmonien, die bis dahin als unspielbar galten. Seine Virtuosität begeisterte nicht nur das gemeine Publikum, auch Musiker-und Komponistenkollegen wie Franz Liszt, Robert Schumann und Frédéric Chopin liessen sich inspirieren. Dass Paganinis Spiel als teuflisch bezeichnet wurde, ist auch kein Geheimnis. Dazu beigetragen hat auch sein dämonisches Aussehen: Durch frühes Ausbrechen der Syphilis und einer Knochentuberkulose war der Künstler eine besonders unheimliche Erscheinung.

Der Regisseur

Bernard Rose begann seine Karriere als Musikvideo-Regisseur, wechselte dann aber bald ins Horror-Genre. «Candyman» aus dem Jahr 1992 ist sein bis anhin grösster Erfolg. Rose soll einmal gesagt haben: «Das Beste an Horrorfilmen ist die Möglichkeit, sämtliche Schauspieler umbringen zu können.»

Das Urteil

«Der Teufelsgeiger» ist ein Groschenroman mit schlechten Dialogen und zum Teil hanebüchenen schauspielerischen Darbietungen. David Garrett mag ein begnadeter Geigenvirtuose sein, ein versierter Mime ist er nicht. Sein Teufelsgeiger ist alles andere als teuflisch. Doch aller Kritik zum Trotz: Für Garrett-Fans wird der Film ein Erlebnis sein.

Ein Bambi für den Geiger

David Garretts Fans liegen ihm zu Füssen. Sie schmachten ihn an und reisen ihm nach. Böse Zungen nennen seinen Stil «Softpornopopklassikjunkfood». Doch viele entdecken wohl nur durch ihn die klassische Musik. Nun hat er den Bambi in der Sparte «Klassik» erhalten. Er schlage mühelos die Brücke von Mozart zu Michael Jackson, so die Begründung.