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«Die letzte Pointe» Auf ein Date mit der Sterbehilfe

Eine Komödie über Demenz, Selbstbestimmung, Sterbehilfe, Tod und Leben; Themen, die den 81-jährigen Regisseur Rolf Lyssy («Die Schweizermacher») selbst beschäftigen.

Legende: Video Kinostart: «Die letzte Pointe» abspielen. Laufzeit 02:47 Minuten.
Aus Keine 3 Minuten – Die Filmkritik für Eilige vom 10.11.2017.

Gertrud (Monica Gubser) ist 89 Jahre alt und fit wie ein Turnschuh. Was ihr aber Angst macht: Sie vergisst immer mehr Kleinigkeiten. Plötzlich steht ein unbekannter britischer Gentleman (Michael Rutman) mit einem Strauss Rosen vor der Tür und behauptet, er und Gertrud hätten sich über eine Dating-Plattform kennengelernt.

Die alte Dame kombiniert: Sie ist dement. Sie beschliesst, ihrem Leben ein Ende zu setzen, solange sie noch imstande dazu ist. Doch das der Familie mitzuteilen, ist gar nicht so einfach.

Das entschlossenste Zitat

Eine Pfarrerin steht auf der Kanzel in einer Kirche. Sie hält sich ein Handy ans Ohr und schaut ernst geradeaus.
Legende: Tochter Chantal findet die Pläne ihrer Mutter blasphemisch. Vinca Film

«Es ist immer noch mein Leben», sagt Gertrud am Telefon zu ihrer Tochter Chantal (Suly Röthlisberger). Sie hat ihr soeben verkündet, dass sie in wenigen Tagen aus dem Leben scheiden will.

Die Tochter ist Pfarrerin und findet, dass das Leben ein Geschenk ist, das man nicht einfach wegwirft. Selbstmord – «so etwas macht man nicht.» Der Film zeigt, wie unterschiedlich Menschen mit dem Thema Sterben umgehen.

Der Regisseur

Seitenansicht, man sieht nur den Oberkörper. Ein älterer Mann mit Brille hält sich einen Kopfhörer an die Ohren und schaut lächelnd in die Ferne.
Legende: Drehte seinen letzten Spielfilm vor 23 Jahren: Regisseur Rolf Lyssy. Vinca Film

Rolf Lyssy wuchs in einer einfachen, jüdischen Familie in Zürich auf. Seine Grosseltern mütterlicherseits waren während des Zweiten Weltkriegs von den Nazis ermordet worden. Lyssy lernte erst Fotograf und kam später als Beleuchter, Kameraassistent und Aufnahmeleiter zum Film.

Bis heute ist seine Komödie «Die Schweizermacher» (1978) der erfolgreichste Schweizer Film aller Zeiten. 1998 erkrankte Lyssy an einer Depression und liess sich in der psychiatrischen Klinik behandeln. Danach drehte er ausschliesslich Dokumentationen. «Die letzte Pointe» ist sein erster Spielfilm seit 23 Jahren.

Fakten, die man wissen sollte

Links im Bild sieht man einen Mann von hinten. Vor ihm stehen eine ältere und eine jüngere Frau. Die ältere lächelt ihn an, die jüngere streckt ihm eine Hand entgegen.
Legende: Gertrud weiss es, die Enkelin nicht: Dieser freundliche Herr ist Sterbehelfer. Vinca Film

Mit ihrem Sterbewunsch wendet sich Protagonistin Gertrud an eine Sterbehilfe-Organisation. In der Schweiz wählten im Jahr 2014 laut Bundesamt für Statistik 742 Menschen diese Art, um aus dem Leben zu scheiden – Tendenz steigend. Auch Regisseur Rolf Lyssy (81) und sein Sohn Kameramann Elia Lyssy (49) sind Mitglieder einer solchen Organisation.

Das Urteil

Eine ältere Frau sitzt auf ihrem Bett und schaut ernst drein. Sie hantiert mit einer Gasflasche und einem Schlauch.
Legende: Gertrud bereitet ihren Tod vor – sorgt, aber trotzdem für Schmunzeln. Vinca Film

Wichtige, grosse, schwere Themen, verpackt in eine leichte Komödie. «Die letzte Pointe» zeigt die Hilflosigkeit unserer Gesellschaft im Umgang mit dem Sterben und hält den Zuschauern den Spiegel vor.

Dass trotzdem gelacht werden kann, dafür sorgt vor allem Monica Gubser (86) als Gertrud. Mit ihrer Entschlossenheit und ihren frechen Sprüchen schafft sie es, sogar die ernsthaftesten Szenen aufzulockern. Ein einfühlsamer Film, aber zwischendurch etwas gar ruhig und langatmig.

Kinostart: 9.11.2017

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