Die Porny Days loten lustvoll die Grenzen der Geschlechter aus

Porny Days heisst das jüngste Zürcher Filmfestival. Am Freitag startet es in Zürich in seine zweite Ausgabe. Ein «Film Kunst Festival» verheissen die Porny Days. Subversiv wollen sie sein, erotisch, humorvoll und sinnlich.

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«Porny Days» – Filme ohne Schmuddelverdacht

5:40 min, aus Kulturplatz vom 3.12.2014

Da steht eine junge Frau mit nacktem Unterkörper auf einem Pariser Hotelbalkon oder in einem Metro-Bahnhof und «flasht» vergnügt ihr Geschlecht. «Flasher Girl on Tour» heisst der mit Mobiltelefon gedrehte Dokumentar-Experimental-Kurzfilm der Schwedin Joanna Rytel.

Bis an die Grenzen der Geschlechter

Der Film ist Teil der Reihe «Swedish Pussy Power» – und die wiederum ist Teil der zweiten Ausgabe der Zürcher Porny Days. Was die junge Schwedin da in «Flasher Girl on Tour» vorführt, ist nur vordergründig eine Exhibitionistin bei der Arbeit.

Tatsächlich ist der kurze Film eine ziemlich dichte Auseinandersetzung mit den Grenzen und den Möglichkeiten der Geschlechter. Wenn «Flasher Girl» resümiert, dass sie ihre Geschlechtsteile nicht wie ein Mann überall einfach auspacken könne, dann wird auch schnell klar, warum das so ist. Sie «flasht» am liebsten vom sicheren Balkon aus. Oder vom Ufer aus ein vorbeifahrendes Touristenboot. Während nämlich ein männlicher Exhibitionist vor allem mit strafrechtlichen Konsequenzen und allenfalls Prügel rechnen muss, setzt sich die flashende Frau viel grösseren Gefahren aus – und absehbar grösserer Empörung.

Direkte Diskussion zwischen Publikum und Filmemachern

4 Splitscreens. Auf jedem Screen sieht man eine Porno-Szene.

Bildlegende: «Everything that rises must converge» entstand im kalifornischen Mekka der Pornoproduktion, dem San Fernando Valley. Porny Days

Genau solche Fragen sind es, welche das Angebot der Porny Days in den Raum stellt, vorzugsweise zur direkten Diskussion zwischen Filmemacherinnen und Publikum. Nicht nur Joanna Rytel ist am Festival präsent, sondern auch ihre «Swedish Pussy Power»-Kollegin Lovisa Siren. Ebenso wie rund 15 weitere Regisseurinnen, Produzenten, Protagonisten und Experten.

Via Skype wird auch der israelische Videokünstler Omer Fast dem Publikum Rede und Antwort stehen. Sein Dokumentarfilm «Everything that Rises Must Converge» begleitet vier professionelle Pornodarstellerinnen und -Darsteller in Los Angeles auf gevierteltem Split-Screen durch ihren Arbeitstag. Unterschnitten wird das Material durch fiktive Eheszenen und eine recht rabiate Studiolesung.

Lustvolles Interesse

Das Kernteam der Porny Days bilden Talaya Schmid, Comiczeichnerin und Verlagsleiterin des Comic-Magazins Strapazin, Rona Schauwecker, Filmwissenschaftlerin mit Praxis in Filmpromotion und Festivalarbeit, sowie Dario Schoch, Kommunikations-wissenschaftler, Filmproduzent und Spezialist für Sexualität im Film.

Um die drei herum arbeitet eine ganze Reihe weiterer Film- und Kunstbegeisterter mit lustvollem Interesse an der Verquickung von Themen und Formen. Dabei ist der hohe Frauenanteil im erweiterten Team zwar symptomatisch für fast jeden Schweizer Kulturbetrieb, bei den Porny Days ist er aber wohl ein zusätzlicher Faktor für spannende Debatten in einem kommerziell eher vom männlichen Blick geprägten Umfeld.

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