«Die schwarzen Brüder» – ein Schuss in den Kamin

Einer der berühmtesten Schweizer Jugendromane wurde neu verfilmt: «Die schwarzen Brüder» handelt von der Ausbeutung von Tessiner Kindern als Kaminfeger in Mailand. Doch in Xavier Kollers Film rebellieren viel zu brave Kinder viel zu leise gegen ihr Los.

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Filmbesprechung: «Die schwarzen Brüder»

2:45 min, vom 19.12.2013

Die Geschichte

Um die Arztkosten für seine Frau bezahlen zu können, verkauft ein Tessiner Bauer seinen Sohn Giorgio einem Kinderhändler. Giorgio muss fortan in Mailand als Kaminfegerjunge arbeiten. Zusammen mit anderen Kindern gründet er dort die Bande der «Schwarzen Brüder». Gemeinsam wehren sie sich gegen ihre brutalen Arbeitgeber und vor allem gegen den Kinderhändler Luini.

Die Darstellerdes Films posieren an einem Hafen.

Bildlegende: Bereits erfolgreich verfilmt: «Die rote Zora» von Kurt Held. SRF

Das Zitat

«Wer sind wir? Die Schwarzen Brüder! Was teilen wir? Gut und Blut! Wie lange? Bis an unser Lebensende!» Der Schwur der Kaminfegerjungen. Wunderschön antiquiert und kindlich – im Besten Sinne des Wortes.

Fakten, die man wissen sollte

Die Romanvorlage stammt von den deutschen Jugendbuchautoren Lisa Tetzner und Kurt Held, die während der Nazi-Zeit in der Schweiz Asyl erhielten und hier auch ihre Werke schrieben. Das Thema «Kinder wehren sich gegen böse Erwachsene» wiederholte Kurt Held nur kurze Zeit später in seinem berühmtesten Buch «Die rote Zora und ihre Bande».

Porträt von Xavier Koller

Bildlegende: Schweizer mit internationalem Renommée: Xavier Koller. Keystone

Der Regisseur

Xavier Koller ist einer der wenigen Schweizer Regisseure, die auch international bekannt sind. Für seinen Film «Reise der Hoffnung» aus dem Jahr 1990 erhielt der gebürtige Schwyzer den Oscar für den besten ausländischen Film. Im deutschsprachigen Raum kennt man ihn dank grossartigen Dramen wie «Das gefrorene Herz» (1981), «Der schwarze Tanner» (1985) oder «Eine wen iig, dr Dällebach Kari» (2012).

Das Urteil

«Die schwarzen Brüder» ist bildstark und detailgetreu inszeniert. Doch so ganz warm wird einem dabei nicht ums Herz. Man leidet nicht wirklich mit, wenn Giorgio in den Kamin steigen muss. Und man freut sich nicht wirklich mit, wenn die schwarzen Brüder im Kampf gegen andere Strassengangs die Oberhand gewinnen.

Alles bleibt auf Distanz, alles ist ein wenig zu brav. Es ist, als wolle man die heutigen Kinder mit der Wahrheit über das Leid der damaligen Kinder verschonen. Damit wird die Zielgruppe für diesen Film ganz schön unterschätzt und das historisch so wichtige Thema vom Leid und Elend der Verdingkinder verwässert und entdramatisiert.

SRG-Koproduktion

Die SRG ist Koproduzentin dieses Films.