Die ungewöhnliche Liebesgeschichte von Monica und David

Eine Ehe, die von Vielen nur belächelt wurde: Monica und David aus Miami leben mit dem Down-Syndrom. Monicas Cousine, Alexandra Codina, hat die beiden filmisch begleitet und wurde für ihr Film-Debut mehrfach international ausgezeichnet und als Regietalent gefeiert.

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Die Hochzeit

0:34 min, vom 19.4.2013

Monica spricht ihrer Mutter mit ernstem Ausdruck den Hochzeitsspruch nach. Die offenen, dunklen Augen der 35-Jährigen sind auf ihren Freund David gerichtet. Mit gespreizten Fingern steckt sie ihm vorsichtig den goldenen Ring an seinen Finger. David hilft nach. Sie küssen sich und müssen lachen. Noch war dies die Probe, aber bald schon wird es ernst für die beiden.

Ihre Eheschliessung mag ungewöhnlich sein, denn Monica und David haben beide das Down-Syndrom. Codina begleitet das Paar vor der Hochzeit, während der Trauung bis zum ersten Hochzeitstag. Sie zeigt deren Alltag in einer Fördereinrichtung, im trauten Kreis der Familie und zu zweit.

Die Dokumentation ist nicht bloss eine Liebesgeschichte voller Loyalität und Vertrauen, wie sie es sich im Hochzeitsversprechen beteuert haben. Vielmehr zeigt der Film das Streben nach einem selbstbestimmteren und unabhängigeren Leben – trotz Behinderung.

Ein normales Leben

Beide Mütter waren erst zwanzig, als ihr Kind zur Welt kam. In beiden Fällen hat der Vater die Familie schon früh verlassen. Für Monica ist dieser Verlust schwer zu akzeptieren, auch wenn sie mit dem Stiefvater eine neue Vaterfigur hat. In David hat sie zudem einen bedingungslos loyalen Mann gefunden, der ihr in dieser schwierigen Situation Trost spenden und ein Lächeln abringen kann.

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David tröstet Monica

1:42 min, vom 8.5.2013

Nebst dem zärtlichen Umgang des Paares zeigt sich auch immer wieder die hilfsbereite Art der Eltern. Hingebungsvoll versuchen sie, Monica und David vor Diskriminierung zu schützen und sie im Alltag zu unterstützen. Doch wie fest ist das jeweils wirklich nötig? Zwar äussern die Eltern den Wunsch, dass Monica und David ein Leben wie zwei normale Menschen – in Würde und Respekt – führen können. Und doch muss Monicas Mutter Maria Elena selbstkritisch zugeben: «Gerade weil wir sie vor so vielem bewahren möchten, sind wir die ersten, die ihnen unbewusst ein normales Leben verunmöglichen.»

Diabetes als weiterer Prüfstein

Die grösste Sorge der Eltern ist: «Was passiert, wenn wir einmal nicht mehr für sie sorgen können?» Angesichts der Tatsache, dass die durchschnittliche Lebenserwartung von Menschen mit Down-Syndrom in den letzten 30 Jahren von 25 Jahren auf etwa 60 gestiegen ist, scheint diese Sorge berechtigt.

Hochzeitsfoto von David und Monica mit Schleier

Bildlegende: Das grosse Glück für Monica und David und für die Eltern die bange Frage: Welche Chance haben sie? SRF

Doch trotz aller Grenzen, die dem Paar gesetzt sind, zeigen die beiden immer wieder eine für das Umfeld unerwartete Stärke und Eigenständigkeit. Als bei David Diabetes diagnostiziert wird, sagt er bestimmt: «Keine Sorge, ich kann das.» Auch Monica formuliert immer wieder klare und selbstbewusste Absichten und Willensäusserungen.

Anhand verschiedener Lebensbereiche kreist Codina in ihrer Dokumentation um die Frage, wie frei Monica und ihr Mann David sind und sein können. Welche Bedürfnisse haben sie und welche davon können sie tatsächlich ausleben? Wie finanziell unabhängig werden sie sein?

Stufenweise eröffnen sich für das Paar Möglichkeiten, ihre Eigenständigkeit allmählich zu entfalten – wenn auch weiterhin unterstützt von den Eltern. «Sie können das schaffen, unabhängig zu sein. Aber es ist ein Prozess», sagt Davids Mutter. Wie sich zeigt, ist es gleichzeitig auch einer für die Eltern.

Nur «eine süsse Geste zwischen Kindern»

Alexandra Codinas Film von 2009 wurde mehrfach international ausgezeichnet. Die britische Zeitung «The Independent» ernannte die bei Drehbeginn 29-Jährige Codina zu den wichtigsten zehn Filmemachern des Jahres 2009. Mit liebevollem Blick zeigt die amerikanische Regisseurin in ihrem Debut ein intimes und berührendes Portrait ihrer Familie.

Viele in Davids und Monicas Kreis haben die Hochzeit der beiden nur als eine «süsse Geste zwischen Kindern» betrachtet, erzählt Codina. Sie hingegen habe im Trauungsakt der beiden etwas anderes gesehen: Etwas Starkes, Ernstes und ein äusserst erwachsenes Bekenntnis.

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