Dieser Spinnenmann macht Spass

Inhaltlich war «The Amazing Spider-Man» von 2012 ein Enttäuschung. Aber bei Einnahmen von 750 Millionen Dollar war klar, dass es einen zweiten Teil gibt. Der macht fast alles richtig: Die freundliche Spinne von nebenan zeigt sich von ihrer besten Seite – trotz ein paar Längen.

Video «Filmritik zu «The Amazing Spider-Man 2»» abspielen

Filmkritik zu «The Amazing Spider-Man 2»

3:11 min, vom 16.4.2014

Eigentlich sieht es gut aus für Spider-Man. Der Job in und über den Häuserschluchten New Yorks macht ihm Spass, sein Ansehen in der Öffentlichkeit ist gestiegen, der High-School Abschluss geschafft. Wären da nicht ein Knirschen in der Beziehung zu seiner Geliebten Gwen und ein neuer, hochspannungsgeladener Feind namens Electro.

Löcher im Spinnennetz

In «The Amazing Spider-Man 2» wird ein Feuerwerk hyperrealer Effekte abgebrannt, das seinesgleichen sucht und dem Wesen des Comics kongenial ist – ein surreales Universum. Was dem Film völlig abgeht, ist eine durchgehende Handlung. Die Geschichte verliert sich in unzähligen Handlungssträngen, die nie zu einer Geschichte verwoben werden. Ausserdem ist der Film mit 150 Minuten lang und gerade im Mittelteil, wenn Peter Parker seine eigene dunkle Familiengeschichte durchleuchtet, auch mal langweilig.

Filmszene: Garfield als Peter Parker gegen eine Hauswand gelehnt, Stone als Gwen lehnt sich an ihn.

Bildlegende: Die Chemie stimmt: Emma Stone und Andrew Garfield. Sony Pictures

Zwei, die sich wirklich lieben

Wie schon im ersten Teil stimmt die Chemie zwischen Andrew Garfield und Emma Stone, die das Liebespaar Peter und Gwen spielen. Hier wird auch klar, warum Sony es vorgezogen hat, nur fünf Jahre nach dem letzten Spider-Man-Film von Sam Raimi die Coming-of-Age-Geschichte 2012 nochmals von vorne beginnen zu lassen und jetzt fortzusetzen. Die Verwandlung des etwas ungeschickten und schüchternen Teenagers mit Herzschmerz in einen Superhelden, der eine kindliche Freude an seinen Superkräften hat, ist allzu verlockend.

Besser als der Vorgänger

Enttäuschend ist der von Jamie Foxx verkörperte Elektroingenieur, der nach einem Sturz ins Zitteraal-Becken – kein Scherz, es ist wirklich ein Zitteraal-Becken – zum Mega-Volt Bösewicht Electro mutiert. Trotz Blitz und Hochspannung hat Electro nicht mehr Ausstrahlung als eine defekte Glühbirne.

Dane DeHaan

Bildlegende: Dane DeHaan als Harry Osborn. Sony Pictures

Ein anderes Kaliber ist da schon Dane DeHaan als Peter Parkers Jugendfreund Harry Osborn. Als Spider-Man nicht gewillt ist, ihm zu helfen, schlägt Zuneigung um in nicht zu stillenden Hass. Der Milliardärs-Sohn mutiert zum Green Goblin, dem Oberschurken im Spider-Man-Universum.

«The Amazing Spider-Man 2» ist ein sehr unterhaltsamer Film, viel besser als sein Vorgänger. Dieses Phänomen war auch schon bei den Fortsetzungen von Thor und Captain America zu beobachten. Wenn Spider-Man durch die Skyline von New York schwingt, stockt einem schlicht der Atem. Filme wie diesen schaut man sich nicht wegen trüb-tiefsinnigen Geschichten an, sondern wegen des Spektakels. Und wenn dieser Film eines ist, dann das.