Ein Obdachloser sieht blutrot

Der Regie-Neuling Jason Eisener hat mit «Hobo with a shotgun» einen bemerkenswerten «Grindhouse»-Film gedreht.
Ein verwahrloster Obdachloser muss für die Sünden einer verkommenen, korrupten Gesellschaft ohne Werte und Moral herhalten.

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Der Besondere Film: «Hobo with a Shotgun» (Kanada 2011)

4:36 min, aus Box Office vom 17.3.2013

2007 lancierten Robert Rodriguez und Quentin Tarantino mit «Grindhouse» ein cineastisches Double Feature, welches dem dreckigen Kino der 70er-Jahre huldigte. Um das Ganze abzurunden, stellten die beiden Genre-Grössen einen Wettbewerb für Fake-Trailer im «Grindhouse»-Stil auf die Beine.

Unerwarteter Publikumsliebling

Der junge Kanadier Jason Eisener nutze die Gunst der Stunde. Die Idee für seinen Film mit dem Titel «Hobo with a shotgun» überzeugte nicht nur die Veranstalter des Wettbewerbs, sondern auch das Publikum. Das Echo war dermassen positiv, dass sich Eisener vier Jahre später entschloss, auf Basis des Trailers einen abendfüllenden Film zu drehen.

Die grausamen Drei

Die Story ist, wie es sich für «Grindhouse»-Filme gehört, einfach: Ein Obdachloser (engl. «hobo») kommt auf der Suche nach einem besseren Leben in eine, ihm noch unbekannte Stadt. Schnell wird aber klar: Besser ist hier gar nichts, in den Strassen herrschen Verbrechen und Gewalt.

Mittelpunkt dieses Grauens sind «Drake» und seine beiden Söhne Slick und Ivan. Sie bilden die Allianz des Bösen, für die jeder, der nicht gehorcht, sofort zum Feind wird. Allen voran die Obdachlosen – sie sind für den Drake-Clan purer Abschaum, den es auszulöschen gilt. Der namenlose «Hobo» wähnt sich vorerst nur als stiller Beobachter, als er jedoch selbst zum Opfer der perfiden Menschenjagd wird, schiesst er gnadenlos zurück.

Filmposter von «Hobo with a Shotgun»

Bildlegende: «Grindhouse»-Look: Auch das Filmposter ist auf 70er-Jahre getrimmt. Rhombus Media

Einfaches, aber wirksames Rezept

«Hobo with a shotgun» entwickelte sich zu einem Geheimtipp unter «Grindhouse»- Liebhabern und wird heute mit Genre-Grössen wie «Machete» verglichen. Regie-Neuling Eisener hat zwei Dinge richtig gemacht: Der reisserische Titel hält, was er verspricht. Und auch wenn es um den Gebrauch von Kunstblut und Silikoneingeweiden geht, ist der Kanadier schauerlich kreativ.

 Die Grenzen des guten Geschmacks werden in «Hobo with a shotgun» bereits nach den ersten vier Minuten allesamt überschritten – sehr zur Freude der Fans.

Ein weiterer Pluspunkt ist der Hollywood-Alt-Haudegen Rudger Hauer. Mit ihm hat Eisner die Rolle des «Hobos» perfekt besetzt.

Grindhouse

«Grindhouse» nannte man kleine Kinos in den USA, die in den 60er- und 70er-Jahren vor allem billige Kung-Fu-, Horror-, Softsex und Blaxploitationfilme zeigte. «Grindhouse»-Filme beinhalteten meist viel Sex, Gewalt und bizarre Themen, die nicht für den Mainstream geeignet waren.

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