Ein Olivenbaum als Symbol für Spaniens Wirtschaftsmisere

Im Kino blitzt zurzeit eine spanisch-britische Europaproduktion auf: «El Olivo» erzählt die Geschichte einer jungen Spanierin, die den 2000 Jahre alten Olivenbaum ihres Grossvaters aus Deutschland zurückholen will. Ein Film mit grossem Herz und ein Plädoyer für Sturheit.

Alma und ihr Grossvater vor dem Olivenbaum.

Bildlegende: Alma und ihr Grossvater vor dem Olivenbaum. filmcoopi

Draussen in der sengenden Sonne geht Almas Grossvater mit verlorenem Blick durch die Olivenhaine. Er liest einen Stein auf und legt ihn auf einen grossen Haufen. Der Alte hat seit Jahren kein Wort mehr gesprochen.

Streit um einen Olivenbaum

Rückblende in die Zeit des Wirtschaftsbooms, bevor 2007 auch in Spanien die Imobilienblase platzte. Da gab es einen grossen Streit zwischen Almas Grossvater und seinen Söhnen.

Der 2000 Jahre alte Olivenbaum wurde nach Düsseldorf verkauft.

Bildlegende: Der 2000 Jahre alte Olivenbaum wurde nach Düsseldorf verkauft. filmcoopi

Almas Vater wollte einen 2000 Jahre alten Olivenbaum verkaufen, um Geld für ein Restaurant aufzutreiben. «Wir alle schuften hier unser Leben lang gratis», sagt der Sohn. «Du kannst den Baum nicht verkaufen. Der gehört dir nicht. Der war vor uns da und der wird auch nach uns noch da sein», meint der Alte.

Aber es hilft nichts. Ein paar Tage später sieht die keine Alma entsetzt, wie der riesige Baum mit Motorsägen und Baggern ausgegraben und abtransportiert wird.

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Trailer zu «El Olivo»

2:07 min, vom 24.8.2016

Die Spuren führen nach Düsseldorf

Jetzt, mehr als zehn Jahre später, fürchtet Alma um das Leben des geliebten Grossvaters. Reden tut er schon lange nicht mehr. Er verdämmert zusehends.

Alma sucht nach Spuren des Baumes und findet schliesslich heraus, dass er in Deutschland steht, in Düsseldorf, in der Eingangshalle eines Energiekonzerns.

Almas Freundin Wiki findet sogar ein Foto auf der Webseite und meint, mit Photoshop könne sie den Baum überall hin verpflanzen. «Grossvater merkt das», ist Alma überzeugt: «Ich will ihn nicht anlügen.»

Ein verwegener Plan

So denkt sich Alma eine elaborierte Geschichte aus. Sie ihren Onkel und einen Freund dazu, mit ihr und einem geliehenen Lastwagen nach Deutschland zu fahren, um den Baum nach Hause zu holen. Alma hat keine Ahnung wie. Aber das sagt sie ihren Mitstreitern nicht.

Mit einem gemieteten Lastwagen geht es auf die Suche nach dem Olivenbaum in Deutschland.

Bildlegende: Mit einem gemieteten Lastwagen geht es auf die Suche nach dem Olivenbaum in Deutschland. filmcoopi

Kampf gegen Windmühlen

Drehbuchautor dieser innereuropäischen Sturkopf-Utopie ist Paul Laverty, der langjährige Autor der Filme von Ken Loach. Entsprechend sind die Figuren aufgestellt: Spanische Olivenbauern im Sog des kapitalistischen Europa, der Kampf einer jungen Frau gegen Windmühlen (ein Stromkonzern in Düsseldorf) und viele verrückte und rührende Einfälle.

Die Geschichte um die wild entschlossene junge Frau und ihr verrücktes Vorhaben ist ein Hoffnungsmärchen, eine Don-Quijote-Geschichte.

Drehbuchautor Paul Laverty verpackt darin so viel europäische Realität, dass man seine eigenen Schlüsse ziehen muss. Ein Film mit grossem Herz und etlichen Logiklöchern, ein Plädoyer für Sturheit, das nicht immer aufgeht, aber mitnimmt.

Sendung: Kultur Kompakt, 24. August 2016, SRF 2 Kultur, 17.15 Uhr

Kinostart: 25. August 2016