«El botón de nácar»: Ozean der Erinnerung

Man sagt, Wasser habe ein Gedächtnis. In Patricio Guzmáns Dokumentarfilm «El botón de nácar» hat Wasser auch eine Stimme. Sie erzählt von Mord und Unterdrückung in Chiles Vergangenheit.

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Filmbesprechung «El botón de nácar»

3:54 min, vom 9.9.2015

«El botón de nácar», auf Deutsch «Der Perlmuttknopf», ist Patricio Guzmáns jüngster Dokumentarfilm. Wasser ist das Leitmotiv der Geschichte und wird als Metapher für Vergänglichkeit und fürs Vergessen benutzt. Der Film thematisiert die Ausrottung der Ureinwohner Patagoniens und die Ermordung der politischen Oppositionellen während Pinochets Diktatur.

Eine Gruppe von Indios in schwarz-weiss.

Bildlegende: Die patagonischen Ureinwohner lebten im Einklang mit dem Ozean. Trigon-Film

Guzmáns Dokumentation wird der Komplexität der zwei unterschiedlichen Thematiken nicht in allen Punkten gerecht. Vor allem der inhaltliche Zusammenhang fehlt, da hilft auch die Wassermetapher wenig.

«El botón de nácar» soll aber kein historischer Rundumschlag sein, sagt Guzmán. Vielmehr will er damit seinen Teil zum historischen Gedächtnis Chiles beitragen. Und das gelingt ihm mit starken Bildern und eindringlichen Geschichten. Der Zuschauer taucht in Chiles Vergangenheit ein und schwimmt mit – in einem Meer der Erinnerungen.

Patricio Guzmán: ein Leben im Exil

Patricio Guzmán ist einer der grössten Dokumentarfilmer der Gegenwart. 1941 in Santiago de Chile geboren, wurde er 1973 nach dem Militärputsch für 15 Tage verhaftet und gefoltert. Seit seiner Freilassung lebt er im Exil, derzeit in Frankreich. Der chilenische Regisseur versteht seine filmische Praxis als «acte de résistance» und engagiert sich stark für sein Heimatland.

Ein älterer Mann schaut in die Ferne des Ozeans.

Bildlegende: Regisseur Patricio Guzmán schaut in die Ferne des Ozeans. Trigon-Film

Mit «El botón de nácar» knüpft er an seinen preisgekrönten Film «Nostalgia de la luz» aus dem Jahr 2010 an: Damals ging es um die Wüste im Norden von Chile, im heurigen Film geht es um den Ozean im Süden des Landes.

Beide Dokumentationen thematisieren die historische Vergangenheit und die Wichtigkeit der Erinnerung. Nur «dejenigen die sich erinnern, sind in der Lage im fragilen Moment der Gegenwart zu leben.» Diese These aus «Nostalgia de la luz» vertritt Guzman auch in «El botón de nácar». Und hat Erfolg damit: Sein jüngster Dokumentarfilm ist beeindruckend und wurde an der diesjährigen Berlinale mit dem silbernen Bären ausgezeichnet.

Kinostart: 10.09.2015

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Die poetische Tragik der chilenischen Geschichte

    Aus Kulturplatz vom 9.9.2015

    Der Filmessayist Patricio Guzmán zeichnet im Film «El botón de nácar» (Der Perlmuttknopf) eine facettenreiche Entwicklungsgeschichte Chiles, von den indigenen Wassernomaden Patagoniens über die Kolonialzeit unter den spanischen Eroberern bis hin zum Gewaltregime der Pinochet-Diktatur. Dem Leitmedium Wasser folgend entwirft Guzmán einen poetischen Erzählbogen, in dem die Urkräfte der Natur in stetem Wechselspiel mit dem Schicksal und den Tragödien der Bewohnerinnen und Bewohner stehen. Eine Annäherung an die Herkunft einer Nation.

    Meili Dschen

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