Film-Tipp des Tages: «Annelie – Ein Hartz-IV-Film»

Abseits täglicher Katastrophen erzählt «Annelie» von einer Truppe Randexistenzen. Diese gelten als unvermittelbar, sind seit Jahren ohne Arbeit, und in ihrer Welt wird mit der Währung Alkohol gehandelt. Doch die Ruhe wird eines Tages gestört: Die Pension soll abgerissen werden.

Ein Mann liest ein Magazin.

Bildlegende: Franz und Hedie in ihrem Paradies SRF/El Patrol/Antej Farac

Annelie ist eine alte Pension in München, die ihre besten Tage schon lange hinter sich hat. Als keine Gäste mehr kommen wird sie von der Stadt als provisorische Unterkunft für Obdachlose und Sozialfälle gemietet. Diese «vorübergehende Unterbringung» bringt viele eigenwillige Charaktere zusammen.

Einer von ihnen ist Max, ein ehemaliger Schauspieler und Kinderstar, der als Junkie sein Talent nur noch zum professionellen Schnorren einsetzt. Ein Weiterer ist der Besitzer eines schlecht laufenden Kiosks, dessen Frau beide durch den Verkauf ihres Körpers über Wasser hält. Für Max gibt es Hoffnung auf einen Neuanfang, als er ein Verhältnis mit der schönen Swingerclub-Besitzerin beginnt. Doch ein Vorfall mit einer Leiche stellt alles auf den Kopf: 2012 verordnet die Stadt, die Pension zu schliessen und das Haus Annelie inklusive Swingerclub abzureissen. Diese Nachricht versetzt die Bewohnerinnen und Bewohner in Ausnahmezustand. Mit der Entschlossenheit jener, die nichts mehr zu verlieren haben, kämpfen sie um ihre «Heimat».

Antej Farac, der Regisseur und Autor des Films, hat jahrelang gegenüber gewohnt und teilte sich den Hinterhof mit den «Annelieanern». In der direkten Nachbarschaft erlebte er alle Höhen und Tiefen. Geschockt vom Ausmass der Armut und fasziniert vom Galgenhumor seiner Nachbarn war für Farac schnell klar, dass er auf die Verhältnisse aufmerksam machen wollte.

Mit «Annelie» ist eine eindrucksvolle und spannende Milieustudie entstanden. Die Figuren wurden überwiegend von den echten Bewohnerinnen und Bewohnern gespielt, abgesehen von der Hauptrolle, die der Shootingstar im deutschsprachigen Raum, der Berlinale-Preisträger Georg Friedrich, übernommen hat.

Der Regisseur verwob ausschliesslich Fragmente der echten Schicksale. Einzig der Schluss ist frei erfunden. Der Film wirkt bis zur Schmerzgrenze authentisch, und doch reicht er an die wahren Verhältnisse im Haus nicht heran. Denn kein Film ist so hart wie das Leben selbst.

Sendeplatz

Heute Nacht um 00:05 Uhr auf SRF 1.