Film-Tipp des Tages: «Another Earth»

Die Nachricht vom Fund einer zweiten, identischen Erde überschattet für die junge Rhoda ihr Verschulden eines Unfalls, der Existenzen zerstörte. Faszinierendes Indie-Drama mit Nachwuchshoffnung Brit Marling, die das Drehbuch mit Regisseur Mike Cahill verfasst hat.

Eine Frau blickt über das Meer. Vögel fliegen über das Meer und es zeichnet sich ein Planet am Firmament ab.

Bildlegende: Beobachtet eine fremde und doch vertraute Welt: Brit Marlin als Rhoda Williams. Copyright SRF/Twentieth Century Fox Film Corporation

Diese Entdeckung beherrscht alle Schlagzeilen: Eine zweite Erde umkreist als zehnter, bislang verborgener Planet die Sonne. Als persönliche Sensation feiert derweil die Studentin Rhoda (Brit Marling) ihre Aufnahme ins Astrophysikprogramm des renommierten MIT. Auf der Heimfahrt verursacht die alkoholisierte Lenkerin einen Verkehrsunfall, der das Leben einer schwangeren Frau und ihres Sohns fordert. Der Fahrer des anderen Wagens, der Komponist John Burroughs (William Mapother), fällt ins Koma.

Vier Jahre später verlässt Rhoda das Gefängnis als gebrochene Frau. Unerkannt bietet sie sich dem weitgehend genesenen John Burroughs als Putzfrau an, der am Verlust seiner Familie zerbrochen ist. Gleichzeitig setzt sie ihre Hoffnungen in einen Wettbewerb mit einem aussergewöhnlichen Preis: dem ersten Flug zur «Erde 2».

Science-Fiction ist «Another Earth» nur am Rande, auch wenn der zweite Erdball die Bilder dieses atmosphärischen Independent-Dramas spektakulär beherrscht. Vielmehr animiert der kosmische Zwilling zu Gedankenspielen und der Menschheitstraum einer Reise durch das All führt letztlich zu sich selbst, zur Auseinandersetzung mit der eigenen Schuld.

Augenmerk verdient die Hauptdarstellerin dieses Filmes, die das Drehbuch mitverfasst hat. Die 1982 in Chicago geborene Brit Marling hat mit einem Bachelor in Ökonomie in der Tasche einen Job bei Goldman Sachs ausgeschlagen, um sich der Schauspielerei zu widmen. Von Rollenangeboten als Mordopfer frustriert klemmte die smarte, junge Frau sich an die Schreibmaschine und erschuf sich ihre Rollen selbst.

Beide Drehbücher, die sie parallel verfasste, fanden den Weg auf die Leinwand. Neben «Another Earth» war dies ein wesensverwandtes Drama mit dem Titel «The Sound of My Voice» um einen Kult, der eine Zeitreisende verehrt. Beide Filme wurden 2012 respektive 2013 unter anderem für einen Independent Spirit Award nominiert. Mit «Another Earth»-Regisseur Mike Cahill drehte Brit Marling 2014 «I Origins», der jedoch wie «Another Earth» und «The Sound of My Voice» nicht den Weg in die Deutschschweizer Kino fand.

Sendeplatz

Montagnacht um 00:45 Uhr auf SRF 1.