Film-Tipp des Tages: Bäckerei Zürrer

Bäcker Zürrer (Emil Hegetschweiler) ist verbittert: Wenig gerät nach Wunsch und der liederliche Lebenswandel seiner Söhne macht ihm das Leben sauer. Dann hilft ihm ausgerechnet ein eingewanderter Italiener aus der Verhärtung. Ein Hauptwerk Kurt Frühs und ein Meilenstein des alten Schweizer Films.

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«Bäckerei Zürrer», 1957 (Filmausschnitt)

15 min, vom 13.4.2015

Bäckermeister Zürrer (Emil Hegetschweiler) ist ein Könner in seinem Bereich, aber ein wenig erfolgreicher Vater. Seine Frau starb im Kindbett, Zürrer wurde darob zum Einzelgänger. Die drei Kinder zog er allein gross, nach seinen eigenwilligen Vorstellungen und Richtlinien. Richard (Walter Morath) sollte sich einen Doktortitel holen, brach aber sein Studium ab und versucht sich nun erfolglos als Kaufmann. Tochter Trudi (Margrit Winter) spielte Ersatzmutter und ist zu Hause Mädchen für alles. Heini (Peter Brogle), der Jüngste, wurde Bäcker, würde aber gerne Velorennen fahren. Er treibt sich daher gerne auf der Rennbahn herum.

Genau am Tag, an dem Heini sich endlich ein gutes Rennrad kaufen kann, schlägt das Schicksal zu: Seine Freundin Gina (Ursula Kopp) eröffnet ihm, dass sie schwanger ist. Das passt auch Vater Zürrer nicht in den Kram. Die Tochter des Italieners Pizzani (Ettore Cella) möchte er nicht in der Familie sehen. Ginas Vater, der lebensfrohe Marronibrater, sieht das ganz anders. Nachdem sich Heini zur Heirat entschliessen kann, akzeptiert er den Schwiegersohn mit selbstverständlicher Begeisterung.

Im Hause Zürrer raubt unterdessen Richard, vom Konkurs bedroht, die letzten Scheine aus Vaters Kasse, und Trudi setzt sich mit einem spät gefundenen Lebenspartner ins Welschland ab. Da braucht es schon ein Enkelkind, die Weihnachtslieder der Heilsarmee sowie einen temperamentvoll insistierenden Marroni- und Früchtehändler, um bei Zürrer späte Erkenntnis zu wecken und den Haussegen wieder gerade zu rücken.

Hintergrund

«Bäckerei Zürrer» war der erste Spielfilm, den Kurt Früh nach eigenen Ideen schrieb und realisierte. Damit das Ambiente stimmte, recherchierte er lange und sorgfältig in der Umgebung seiner Jugend, an der Zürcher Langstrasse. Das Drehbuch entstand in Zusammenarbeit mit Ehefrau Eva Langraf.

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Kinotrailer: «Bäckerei Zürrer»

3:39 min, vom 1.2.2010

Schon von Anfang an stand fest, dass Emil Hegetschweiler und Ettore Cella die beiden Hauptrollen verkörpern würden. Hegetschweiler brachte neben grosser Erfahrung und Popularität noch eine handwerkliche Voraussetzung mit, die dem realitätsnahen Film zugute kam: Er war gelernter Konditor und betrieb ein eigenes Café im Zürcher Helmhaus, bevor er als Kabarettist und Volksschauspieler berühmt wurde. Er hatte bereits in zahlreichen Spielfilmen mitgewirkt, als ihm Kurt Früh 1957 die Titelrolle des Bäckers auf den Leib schrieb. «Bäckerei Zürrer» wurde zu einem durchschlagenden Erfolg. Nicht nur die Kinogänger, sondern für einmal sogar die professionellen Kritiker waren begeistert.

Zahlen und Fakten

  • Produktion: Gloriafilm AG, Zürich
  • Produzent: Max Dora
  • Erstaufführung: 26.9.1957, Zürich Kino «Apollo»
  • Drehzeit: 30. Mai – 27. Juli 1957
  • Innenaufnahmen: «Gesellenhaus» Wolfbach, Zürich
  • Aussenaufnahmen: Zürich (Langstrasse, Helvetiaplatz, Limmatplatz, Wipkingen, Albisgüetli, Hallenstadion, Güterbahnhof)

Cast

  • Emil Hegetschweiler als Bäckermeister Zürrer
  • Margrit Winter als Trudi Zürrer
  • Peter Brogle als Heini Zürrer
  • Walter Morath als Richard Zürrer
  • Ettore Cella als Renzo Pizzani
  • Maria Rezzonico als Frau Pizzani
  • Ursula Kopp als Gina Pizzani
  • Max Haufler als «der Dicke»
  • Ines Torelli als Freundin

Crew

  • Regie: Kurt Früh
  • Drehbuch: Kurt Früh, Hans Mehringer, Eva Früh-Langraf
  • Kamera: Georges C. Stilly
  • Musik: Walter Baumgartner
  • Schnitt: René Martinet

Sendeplatz

Freitagnacht um 00:05 Uhr auf SRF 1

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