Film-Tipp des Tages: Before the Devil Knows You're Dead

Zwei Brüder überfallen das Geschäft ihrer Eltern, um ihre finanziellen Probleme zu lösen. Raffiniert erzählter Thriller von Sidney Lumet († 9.4.2011) mit Ethan Hawke und Philip Seymour Hoffman. Montagnacht um 00:45 Uhr auf SRF 1.

Philip Seymour Hoffman als Andy Hanson, Ethan Hawke als Hank Hanson.

Bildlegende: Philip Seymour Hoffman als Andy Hanson, Ethan Hawke als Hank Hanson. SRF/Koch Media Licensing

Der labile Hank (Ethan Hawke) steckt bös in der Klemme. Er schuldet seiner Exfrau drei Monate Unterhalt und kann seiner geliebten Tochter nicht einmal die Klassenfahrt bezahlen. Doch auch sein eigentlich viel erfolgreicherer Bruder Andy (Philip Seymour Hoffman), ein Immobilienmakler, hat finanzielle Probleme: Er unterschlägt in der Firma Buchhaltungsbeiträge, um seine kostspielige Drogensucht zu finanzieren. Er schlägt seinem Bruder Hank vor, ein Juweliergeschäft auszurauben - und zwar das ihrer Eltern.

Niemand soll zu Schaden kommen, da die Eltern durch die Versicherung gedeckt sind. Doch dann geht alles schief: Im Laden steht nicht wie angenommen die tattrige Aushilfskraft, sondern die Mutter (Rosemary Harris) der beiden Brüder. Und Hank hat für den Überfall einen Kumpel (Brian F. O'Byrne) angeheuert, der bewaffnet ist. Es kommt zur Schiesserei, bei der ihre Mutter tödlich verwundet wird. Die beiden Brüder müssen nicht nur ihre Spuren verwischen, sondern auch mit ihrer Schuld leben. Zudem sucht ihr Vater Charles (Albert Finney) auf eigene Faust nach den Mördern seiner Frau.

Zur Erinnerung an Sidney Lumet

Am Samstag, dem 9. April 2011 ist im Alter von 86 Jahren der Cineast Sidney Lumet verstorben. Der 1924 in Philadelphia geborene Lumet war zunächst Theaterschauspieler, machte sich dann in den Fünfzigerjahren aber einen Namen als Regisseur beim Fernsehen. Schon mit seinem Kinoerstling «Twelve Angry Men» («Die zwölf Geschworenen», 1957) einen modernen Klassiker. In dieser brillant gespielten Verfilmung eines Bühnenstücks stellte er die Doppelmoral und die Scheinheiligkeit der amerikanischen Gesellschaft an den Pranger - ein Thema, das er zeit seines Lebens immer wieder aufgreifen sollte.

Die meisten seiner grössten Erfolge drehte Lumet in den Siebzigerjahren, der Blütezeit des intelligenten und systemkritischen Kinos des Neuen Hollywood: «Serpico» (1973) und «Dog Day Afternoon» (1975) setzten sich mit Korruption und moralischen Grauzonen im Polizeialltag auseinander wie später auch «Prince of the City» (1981) und «Q&A» (1990); «Network» (1976) nahm Sensationsgier und Machtstreben im Fernsehen aufs Korn.

Fünfmal für den Oscar nominiert, wurde Lumet 2005 mit einem Ehren-Oscar ausgezeichnet. Zwei Jahre später schuf er mit «Before the Devil Knows You're Dead» seinen letzten Film, der als Krimi um einen verpatzten Überfall beginnt und sich zu einem starken Familiendrama mit alttestamentarischen Zügen entwickelt. SF 1 zeigt dieses ebenso geniale wie gnadenlose Spätwerk am Sonntag, dem 10. April um 00.05 Uhr zur Erinnerung an den grossen Filmemacher.

Über die Produktion

Der Titel von Sidney Lumets Thriller ist eine verkürzte Version des irischen Trinkspruchs «May you be in heaven half an hour before the devil knows you're dead». Und der verschachtelt erzählte Thriller entwickelt sich bald zur Höllenfahrt, zur Familientragödie griechischen Ausmasses, bei dem alle immer wieder falsche Entscheidungen treffen.

Der 2005 mit einem Ehrenoscar ausgezeichnete Altmeister Lumet hat das Erstlingsdrehbuch von Kelly Masterson elegant inszeniert und meisterhaft besetzt: Neben Oscarpreisträger Philip Seymour Hoffman sind Ethan Hawke, Marisa Tomei und ein weiterer Altmeister, Albert Finney, zu sehen. Die Kritik war begeistert von «Before the Devil Knows You're Dead», so gab es von Kritikerpapst Roger Ebert volle Punktzahl und die «Zeit» urteilte: «'Tödliche Entscheidung' ist ein Alterswerk im besten Sinne: ein grosses Melodrama, eine Geschichte von düsterer Wucht, die Lumet mit der für ihn typischen Zurückhaltung und Eleganz erzählt.»