Film-Tipp des Tages: «Cold Souls»

Schauspieler Paul Giamatti leidet an der Rolle des Onkel Wanja. Also lagert er seine Seele aus. Als er diese wieder braucht, ist sie verhökert worden. Mit David Strathairn, Emily Watson, Dina Korzun, und Paul Giamatti, der in der selbstironischen Hauptrolle brilliert.

Ein Mann liegt auf einer Liege vor einer Röhre, eine Frau hält ein Gerät vor sein Gesicht.

Bildlegende: Lauren Ambrose als Stephanie, Paul Giamatti als Paul Giamatti. SRF/Monopole Pathé Films

Schauspieler Paul Giamatti (Paul Giamatti) soll auf der Bühne Anton Tschechows Onkel Wanja verkörpern. Als einfühlsamer Mime leidet Giamatti aber nicht nur bei den Proben unter der Zerrissenheit der Tschechow-Figur, sondern wird auch im Alltag und im Privatleben von Wanjas Nöten geplagt.

Da erfährt er von einem neuartigen Dienst: Die Firma Soul Storage kann die Seelen ihrer Klienten extrahieren und vorübergehend einlagern, um ihnen Erleichterung zu verschaffen. Der Leiter der Firma, Doktor Flintstein (David Strathairn), verspricht Giamatti zu helfen. Er entzieht dem Schauspieler die Seele - ein kleines Objekt, das einer Kichererbse ähnelt - und steckt sie in einen luftdichten Behälter. Prompt fühlt sich Giamatti besser, munter und energiegeladen.

Ein Mann hält ein Glas in den Händen und spricht mit einer Frau.

Bildlegende: Paul Giamatti als Paul Giamatti, Dina Korzun als Nina (Copyright SRF/Monopole Pathé Films

Eine Seele in Leihe

Allerdings wundert sich nicht nur seine Frau Claire (Emily Watson) über seine Verwandlung; auch seine Schauspielkunst leidet empfindlich unter seiner neuen Unbeschwertheit. Als Giamatti sich genötigt sieht, bei Flintstein seine Seele zurückzuverlangen, erlebt er eine böse Überraschung: Das Ding ist verschwunden. Offenbar existiert ein internationaler Schwarzhandel mit Seelen, und die hübsche Russin Nina (Dina Korzun) ist als Kurierin darin verwickelt. Als Zwischenlösung bietet Flintstein dem verzweifelten Giamatti leihweise die Seele eines russischen Dichters an. Das Ergebnis ist jedoch katastrophal. Nun kann nur noch Nina helfen.

Angeblich verdankt die französische Cineastin Sophie Barthes (die übrigens nicht mit dem Philosophen und Autor Roland Barthes verwandt ist) ihre Idee zu «Cold Souls» einem Traum über Woody Allen. Tatsächlich hat ihre surrealistische Fabel über die Auslagerung der Seele Ähnlichkeit mit den philosophischen Absurditäten von Allens Frühwerk, erinnert aber auch an Charlie Kaufmans skurrile Vorlagen zu «Being John Malkovich» oder «Synecdoche, New York».

Russische Einflüsse

Eine weitere Inspirationsquelle war Nikolaj Gogols Satire «Die toten Seelen», deren Protagonist Tschitschikow verstorbene Leibeigene («tote Seelen» genannt) aufkauft und diese bei Kreditinstituten gewinnbringend verpfänden will. Nicht von ungefähr sind denn auch russische Einflüsse in «Cold Souls» durchwegs spürbar, von den Tschechow-Bezügen bis zu Dina Korzun («Last Resort») und anderen Darstellerinnen. Oscar-nominiert und mehrfach Golden-Globe-gekrönt kann Paul Giamatti, Star von «Sideways», «John Adams» und «American Splendor», in der Hauptrolle alle Register ziehen und sogar sich selbst parodieren.

Sendeplatz

Montagnacht um 00:55 Uhr auf SRF 1.