Film-Tipp des Tages: «Der Geschmack von Rost und Knochen»

Ein Schicksalsschlag führt einen abgekämpften Boxer und eine Wal-Dompteurin zu einer ungewöhnlichen Beziehung zusammen. Sozial- und Liebesdrama von Regisseur Jacques Audiard («Un prophète») nach einer Kurzgeschichte des kanadischen Schriftstellers Craig Davidson.

Ein Mann trägt eine Frau.

Bildlegende: Ein harter Schicksalsschlag: Stéphanie (Marion Cotillard) verliert ihre Beine. Keystone

Das Schicksal führt in einem Nachtclub in Südfrankreich zwei höchst unterschiedliche Menschen zusammen. Den Türsteher Ali (Matthias Schoenaerts), einen abgewrackten Boxer, der von der Hand in den Mund lebt und mehr schlecht als recht für seinen fünfjährigen Sohn sorgt. Und Stéphanie (Marion Cotillard), die im Tierpark Orca-Wale dressiert. Ali steht Stéphanie bei, als in der Disco ein Handgemenge ausbricht. An ihn erinnert sich die junge Frau Wochen nach einem schweren Unglück, bei dem sie beide Unterschenkel verliert.

Ali leistet Stéphanie Gesellschaft, bringt sie im Rollstuhl zum Meer, führt sie langsam wieder ans Leben heran. Stéphanie begleitet ihn zu seinen illegalen Preiskämpfen in den Hinterhöfen der Stadt. Ohne grosse Worte, unsentimental und über gegenseitigen Beistand kommen die beiden gebrochenen Gestalten sich näher - doch es braucht einen weiteren tragischen Vorfall, damit sie sich verlieben.

Jeder Film ein Meisterwerk

«Audiards Film ist ein Kraftakt, der auf allen Ebenen gelingt: Wo sich der Regisseur damit begnügen könnte, sich im Leid, in der Armut und der physischen Pein seiner Protagonisten zu suhlen, schafft er komplexe, lebensnahe Figuren, deren Handlungen nachvollziehbar und spannend bleiben, selbst wenn ihre Probleme ein absurdes Ausmass annehmen. Spätestens wenn ein Popsong wie »Firework« von Katy Perry beim Publikum Hühnerhaut erzeugt, wird klar: Hier ist nicht nur ein brillanter Künstler am Werk, er hat auch sein bislang emotionalstes Werk abgeliefert», war die «Berner Zeitung» des Lobes voll. Damit reihte sie sich ein in die Fangemeinde Jacques Audiard, der mit seinen 63 Jahren gerade mal sieben Spielfilme gedreht hat, davon jeder ein kleines Meisterwerk.

Physisches Kino

Mit «Regarde les hommes tomber» hatte der französische Filmemacher 1995 einen «César» für das beste Debüt entgegennehmen dürfen, sein am 29. Oktober 2015 in Deutschschweizer Kinos anlaufendes Drama «Dheepan» gewann vor wenigen Monaten in Cannes die goldene Palme, und dazwischen taten Kritiker wie Publikum dem Regisseur immer wieder ihre Bewunderung kund. Für sein physisches, von den Körpern seiner Figuren bestimmtes Kino fand Audiard in der französischen Oscar-Gewinnerin Marion Cotillard («La vie en rose») und dem belgischen Shooting-Star Matthias Schoenaerts («Bullhead») die perfekte Besetzung.

Beide sind inzwischen häufig auf Schweizer Leinwänden zu Gast. Mario Cotillard gibt ab dem 5. November in «Macbeth» die Lady an der Seite von Michael Fassbender, und ab dem 7. Januar 2016 ist Matthias Schoenaerts im Transgender-Drama «The Danish Lady» zu sehen, das bereits jetzt Oscar-Berichterstatter inspiriert.

Sendeplatz

Donnerstagnacht um 00:15 Uhr in Delikatessen auf SRF 1