Film-Tipp des Tages: «Der Räuber»

Benjamin Heisenbergs atemloses Porträt eines Bankräubers beruht auf dem wahren Fall des österreichischen «Pumpgun-Ronnie». Er wurde an der Berlinale 2010 uraufgeführt.

Ein maskierter Mann mit einer Schrotflinte.

Bildlegende: Maskierter Bankräuber: Andreas Lust als der Räuber. SRF/Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion GmbH/Peter Heilrath Filmproduktion e. K.

Während einer Haftstrafe beginnt der Bankräuber Johann Rettenberger (Andreas Lust) mit einem verbissenen Lauftraining. Den Hofgang nutzt der Einzelgänger jeweils zum Dauerlauf und in seiner Zelle trainiert er auf dem Laufband weiter. Wieder in Freiheit zeigt er sich wenig begeistert über die Vorschläge des Arbeitsamtes, obwohl ihn sein Bewährungshelfer (Markus Schleinzer) drängt, endlich einen Job zu finden. Dafür trifft er auf dem Amt seine alte Bekannte Erika (Franziska Weisz) wieder, bei der er vorübergehend einziehen kann.

Rettenberger rennt weiter, nun über Wiesen und Felder. Er gewinnt als bester Österreicher sogar den Marathon in Wien. Der Hochleistungssport ist dem getriebenen Mann allerdings nicht genug: Er beginnt wieder Banken zu überfallen. Es werden immer mehr – bis zu drei an einem Tag. Dies obwohl er mit der Beute gar nichts anzufangen weiss. Doch dann kommt ihm sein Bewährungshelfer auf die Spur.

Über die Produktion

Ende der 1980er-Jahre endete in Österreich die Flucht eines notorischen Bankräubers, dem die Medien den Namen «Pumpgun-Ronnie» gegeben hatten, weil er bei seinen Überfällen immer eine Ronald-Reagan-Maske trug. Auf diesem Fall beruht das Buch «Der Räuber» von Martin Prinz, das Benjamin Heisenberg schliesslich verfilmt hat. Der deutsche Regisseur sorgte bereits mit seinem Début «Schläfer» für Furore und wurde mit «Der Räuber» nicht nur in den Wettbewerb der Berlinale eingeladen, sondern beim bayerischen Filmpreis auch als Bester Nachwuchsregisseur geehrt.

Der kühl distanzierte Thriller im Stil der «Berliner Schule» begeisterte die Kritiker, so schrieb Daniel Kothenschulte in der «Frankfurter Rundschau»: «Was für ein Juwel von einem Film.» Ein grosser Teil des Lobs gebührt sicherlich dem österreichischen Schauspieler Andreas Lust, bereits bekannt aus Götz Spielmanns Drama «Revanche», der den Bankräuber mit ganzem Körpereinsatz spielt.

Sendeplatz

Montagnacht um 00:50 Uhr auf SRF 1.