Film-Tipp des Tages: Die Welle

Dennis Gansels Spielfilm «Die Welle» basiert auf einem Experiment, das ein amerikanischer Lehrer 1967 mit seiner Klasse durchführte und das als «The Wave» in die Geschichtsbücher einging. Die Hautprollen spielen Jürgen Vogel und die Jungstars Max Riemelt, Frederick Lau und Jennifer Ulrich.

Ein Lehrer steht vor einer Klasse. Alle Schüler tragen die gleiche Kleidung und machen das gleiche Handzeichen.

Bildlegende: Die Versammlung SRF/Constantin Film

Der bei seinen Schülern sehr beliebte Gymnasiallehrer Rainer Wenger (Jürgen Vogel) freut sich auf die Projektwoche zum Thema «Staatsformen», denn ihm liegt besonders das Thema «Anarchie» am Herzen. Doch seine Kollegen verdonnern ihn dazu, seiner Klasse das System der «Autokratie» nahezubringen. Ziemlich frustriert entschliesst er sich deshalb, die trockene Theorie - mit begeisterter Zustimmung seiner Klasse - durch praktische Umsetzung zu beleben. Er startet damit, dass die Schüler ihn während des Unterrichts wieder mit «Sie» ansprechen müssen, führt einen strammen Ton ein und lässt die Klasse zur Begrüssung ihres Lehrers aufstehen. Einen Tag später geben die Schüler ihrer «Bewegung» einen Namen («Die Welle»), ein Logo (eine Welle) und tragen auch schon bald Uniform (weisse Hemden).

Während das Gros der Schüler einfach mitmacht, blühen einzelne richtiggehend auf. Nur ganz wenige sträuben sich bald, weil ihnen das ganze Experiment missfällt. Schnell verliert Rainer - inzwischen zum «Führer» erkoren - die Kontrolle über seine Klasse, denn einzelne Exponenten der «Welle» beginnen, auch in der Freizeit ihre Rollen weiterzuspielen. Unwillige Mitschüler werden brutal ausgegrenzt, das Logo wird in der Stadt an Wände gesprayt, und der Aussenseiter Tim (Frederick Lau) erklärt sich zum persönlichen Leibwächter seines Lehrers. Die Eskalation ruft die Schulleitung auf den Plan, und zum Ende der Woche versammelt der Urheber seine Anhänger in der Aula. Er will mit einem Paukenschlag die Sache zu Ende bringen. Doch er hat nicht mit der Eigendynamik seines Experiments gerechnet.

Nach einer wahren Geschichte

«Die Welle» basiert auf einem Experiment, das der amerikanische Geschichtslehrer Ron Jones 1967 mit seiner Schulklasse durchführte, und auf der einige Jahre später veröffentlichten Romanversion von Morton Rhue («The Wave»). Der Stoff wurde bereits 1981 für das US-Fernsehen verfilmt, und Buch und Film dienten seither in vielen Ländern als Schulstoff zum Thema Nationalsozialismus. Der 1973 geborene Regisseur Dennis Gansel, der vor einigen Jahren bereits mit seinem engagierten Nazi-Drama «Napola» aufgefallen ist, hat das Thema nun nach Deutschland zurückgeholt und dafür eng mit Ron Jones zusammengearbeitet. Der kontrovers aufgenommene Film überzeugt - trotz einiger plakativer Szenen - vor allem dank herausragender Darsteller. Ganz stark ist Jürgen Vogel als Lehrer, der die Geister, die er gerufen hat, nicht mehr bändigen kann. «Die Zeit» schrieb: «Dennis Gansels Verfilmung des Bestsellerromans 'Die Welle' überträgt die Verführungskraft des Faschismus überzeugend auf die Gegenwart.» Und der «Spiegel» meinte: «Der Film schafft den Spagat zwischen engagiertem Unterhaltungskino und (Schul-)Lehrstück.»

Sendeplatz

Montagnacht, 00:10 Uhr auf SRF zwei.