Film-Tipp des Tages: La petite chambre - Das kleine Zimmer

Stéphanie Chuat und Véronique Reymond haben mit «La petite chambre» einen der berührendsten und erfolgreichsten Schweizer Filme der letzten Jahre geschaffen. Der Film wurde 2011 gleich zweifach mit Schweizer Filmpreisen belohnt: für das Beste Drehbuch und als Bester Film.

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La petite chambre vom 20.03.2013

0:29 min, vom 20.3.2013

Die junge Rose (Florence Loiret Caille) ist Krankenpflegerin. Einer der ersten Patienten, die ihr nach einer Auszeit zugeteilt werden, ist Edmond (Michel Bouquet). Der alte Witwer lebt allein in seiner Wohnung, umgeben von vielen Pflanzen, und lehnt jede Hilfe als Einmischung ab.

Edmonds Sohn Jacques (Joël Delsaut) wird bald heiraten und auswandern und will davor den Vater in ein Altersheim einweisen. Das passt dem Senior ganz und gar nicht, und er wird immer aggressiver, auch gegen Rose. Diese kann damit schlecht umgehen, denn sie kämpft selber mit Depressionen, seit sie eine Totgeburt erlitten hat.

 Anders als ihr Mann Marc (Eric Caravaca) versucht Rose diesen Verlust gar nicht erst zu überwinden; das bereits eingerichtete kleine Kinderzimmer hat sie in sechs Monaten nicht angerührt. Allerdings hat sie Verständnis für Edmonds Widerwillen gegen den Umzug ins Altersheim. Als er wegen einer Vergesslichkeit beinahe seine Wohnung in Brand steckt, vertuscht sie den Fehltritt.

Nach einem Streit mit Rose zieht Marc aus. Sie versucht sich auf andere Gedanken zu bringen und geht tanzen. Tags darauf findet sie Edmond bewusstlos vor; er ist bei einem Herzanfall gestürzt und hat sich den Knöchel verstaucht. Als der alte Herr hospitalisiert ist, bekommt Rose Schwierigkeiten mit Jacques und mit ihrer Chefin. Diese meint, Rose sei psychisch noch nicht imstande, ihre Arbeit mit der gebotenen Zuverlässigkeit und Distanz zu verrichten. Marc reist aus beruflichen Gründen nach New York. Rose besucht Edmond im Spital und verhilft ihm zu einem Urlaub. Als er sich dabei leicht verletzt, bringt sie ihn in ihre Wohnung, um ihm Ärger zu ersparen. Edmond gefällt das, und er nistet sich prompt ein - in dem kleinen Zimmer, das für Rose tabu ist.

Über die Produktion

Der 1925 geborene Michel Bouquet ist bekannt für seine Mitwirkung in Chabrols «La femme infidèle», Truffauts «La mariée était en noir» und Jaco van Dormaels «Toto le héros» sowie für seine preisgekrönte Verkörperung Mitterrands in Robert Guédigians «Le promeneur du champ de Mars». In «La petite chambre», dem Regie-Début der Schauspielerinnen Stéphanie Chuat und Véronique Reymond, brilliert Bouquet als streitbarer, aber verletzlicher Greis Edmond. Sein würdiges Gegenüber Rose verkörpert Florence Loiret Caille, die zuvor unter anderen mit Claire Denis und Erick Zonca gearbeitet hatte.

«La petite chambre» bietet den Hauptdarstellern eine ausgezeichnete Plattform, nicht zuletzt dank der geschliffenen Dialoge, die den Filmemacherinnen einen Schweizer Filmpreis für das Beste Drehbuch eingebracht haben. Das Ergebnis ist ein ebenso bewegendes wie witziges Werk, das 2011 zu Recht auch als Bester Film mit einem Quartz ausgezeichnet wurde.

SRF zwei zeigt «La petite chambre» als Free-TV-Premiere in Zweikanalton, zur Einstimmung auf die diesjährige Verleihung des Schweizer Filmpreises am 23. März 2013.

Sendeplatz

Mittwoch um 20:00 Uhr auf SRF zwei und anschliessend im SRF Player.

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