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Film & Serien Film-Tipp des Tages: Lady Henderson präsentiert

«Lady Henderson präsentiert» erzählt die wahre Geschichte der Witwe Henderson, die nach dem Tod ihres Mannes mit dessen Erbe das alte Windmill Theatre in Soho kauft. Gemeinsam mit ihrem Impresario gelingt es ihr, die Londoner Theaterszene während des Zeiten Weltkriegs tüchtig aufzumischen.

Mann (halbtotal) spricht
Legende: Bob Hoskins als Vivian Van Damm Copyright SRF/The Weinstein Company

Nach dem Tod ihres Mannes sucht Lady Laura Henderson (Judi Dench) nach einem passenden Zeitvertreib. Statt sich in Wohltätigkeitsvereinen zu engagieren, wie es reiche Damen aus guten Kreisen normalerweise tun, oder Diamanten zu sammeln - wie ihr eine Freundin rät - beschliesst sie, ein Theater zu eröffnen. Sie kauft im Londoner Stadtteil Soho das heruntergewirtschaftete Windmill Theatre und eröffnet es 1931 neu.

Dank ihren Beziehungen kann sie den Exzentriker Vivian Van Damm (Bob Hoskins) als Impresario gewinnen. Obwohl die beiden ihre Meinungsverschiedenheiten jeweils lautstark und eloquent austragen, knistert es schon bald zwischen ihnen. Die Erfolgsstory des ungleichen Paars beginnt mit einem Unterhaltungsprogramm, dem sogenannten Revuedeville, einer Mischung aus Musikrevue und Vaudeville, das rund um die Uhr gezeigt wird. Dieses Nonstop-Programm wird bald von den grossen Theatern nachgeahmt, und die beiden müssen sich dringend etwas Neues einfallen lassen.

«Moulin Rouge» in London

Für Lady Henderson ist klar, was London braucht: nackte, tanzende Mädchen auf der Bühne, ganz nach dem Vorbild des «Moulin Rouge». Sie merkt rasch, dass London nicht Paris ist: Die Zensoren lassen die Mädchen nur nackt auf die Bühne, wenn diese regungslos verharren. Doch auch diese lebendigen Tableaus werden zur Sensation: Jede Vorstellung ist ausverkauft. Als Star der Show bricht die entzückende Maureen (Kelly Reilly), ein Protegé von Lady Henderson, den Männern gleich reihenweise die Herzen. Ihre Fans lassen sich auch nicht vom Theaterbesuch abhalten, als der Zweite Weltkrieg ausbricht und der deutsche Bombenhagel über der Hauptstadt niedergeht.

Für einen Oscar nominiert

Judi Dench erspielte sich in der Rolle der Lady Henderson eine Oscar-Nomination. Für ihre nächste Hauptrolle in einem Stephen-Frears-Film - «Philomena», der momentan in den Schweizer Kinos zu sehen ist - ist sie erneut für einen Oscar nominiert. Auch Helen Mirren bekam ihren ersten Oscar (für «The Queen») für eine Zusammenarbeit mit Frears. Dem am 20. Juni 1941 geborenen britischen Regisseur verdanken einige Schauspielerinnen ihre besten Rollen. Unvergesslich Glenn Close als skrupellose Intrigantin und Michelle Pfeiffer als missbrauchte Unschuld im Kostümdrama «Dangerous Liasons». Beide Schauspielerinnen waren für den Oscar nominiert. Gleiches gilt für Anjelica Huston und Annette Bening und ihre Rollen im Thriller «The Grifters».

Bescheidener Regisseur

Trotz seiner Erfolge in Hollywood ist Frears bescheiden geblieben: «Ich habe nicht damit gerechnet, Regisseur zu werden, habe mir nicht vorgestellt, nach Amerika, nach Hollywood zu kommen. Alles war ein wunderbarer Zufall. Ich staune immer noch jedes Mal, wenn ich einen Film zu Ende gebracht habe. Im Gegensatz zu Steven Spielberg, der seit seiner Kindheit vom Filmemachen besessen war, kam für mich alles überraschend. Ich finde meinen Weg im Dunkeln», sagt der vielseitige und überaus produktive Filmemacher, der seine Karriere als Assistent von Regisseur Lindsay Anderson und Schauspieler Albert Finney am London's Royal Court Theater begonnen hat.